Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 7- Der antike Schatz von Gran Canaria

Kinderbuch Jugendbuch ebook als PDF, Mobi und ePub erhältlich.

Ingo, Georg, Enzo und Lisa sind aufgeregt, denn sie fliegen in den Sommerferien auf die Insel Gran Canaria.

 

Doch es werden alles andere als normale Ferien. Denn als Ingo einen Rettungsschwimmer fragt, warum ein Strandabschnitt gesperrt ist, nimmt ein Abenteuer seinen Lauf.

Leseprobe

Über den Wolken

Endlich hatten die Sommerferien begonnen. Jedoch tauchten dunkle Regenwolken die süddeutsche Stadt Karlsruhe in ein geheimnisvolles Licht. Ein Flugzeug bahnte sich seinen Weg empor, durchdrang das dichte Gewölk und schwebte zwischen der Wolkendecke und dem strahlend blauen Himmel entlang. Die Flughöhe von 10 Kilometern war erreicht und die Anschnallzeichen erloschen mit einem Gong.

»Denkst du, ich komme aus der Sitzreihe raus, falls ich zur Toilette muss, Enzo?«, fragte Lisa.

»Übertreibe mal nicht. So fett bin ich nun auch wieder nicht. Sei froh, dass ich auf der Flurseite sitze und du den Fensterplatz bekommen hast.«

Damit hatte er wohl recht. Der Zwölfjährige Italiener war zwar etwas mollig, aber keinesfalls fett. Nun gut. Es könnte sein, dass er neben der elfjährigen Lisa molliger aussah als sonst. Das lag aber nur daran, dass das blonde Mädchen besonders dünn war. Die beiden Kinder waren total gegensätzlich. Das war auch der Grund, dass sich Enzo und Lisa gerne neckten. Enzo gab Lisa leider auch mit seinen Heißhungerattacken genügend Anlass.

Lisa verdrehte im Spaß die Augen. »Du sitzt ja nur außen, um nachher schneller dranzukommen, wenn die Flugbegleiter das Essen austeilen.«

Lisas zwölfjähriger Bruder Ingo saß dazwischen und sah sich einen Film im Monitor des Vordersitzes an. Er rückte seine Brille zurecht und meldete sich kurz zu Wort: »Lisa hat dich durchschaut, Enzo.«

»Nimm dir ein Beispiel an mir, Lisa«, konterte Enzo. »Du musst mehr essen, damit du auch mal so groß und stark wirst wie ich.«

»Aber Enzo«, neckte Lisa weiter. »Deine Größe hat mit Höhe und Stärke aber nichts zu tun. Sie macht sich eher in deinem Umfang bemerkbar.«

»Und wenn schon? Immer noch besser, als eine sommersprossige Bohnenstange zu sein.« verteidigte sich Enzo.

»Hey ihr beiden, ruhe jetzt!«, mahnte Lisas großer Bruder Georg im Spaß. Er saß hinter den Dreien neben den Seiferts, die Eltern von Lisa, ihm und Ingo. Da Georg für seine 13 Jahre recht groß war, konnte er locker über die Sitzreihen hinwegsehen.


 

Georgs mahnende Worte hatten Erfolg, denn schon war Ruhe eingekehrt und Lisa spähte aus dem Flugzeugfenster hinunter auf die Wolken. »Ich freue mich sehr auf Gran Canaria.«

»Und ich erst«, erwiderte Enzo und stellte sich vor, wie er am weißen Sandstrand liegen würde, die Sonne genießen und dabei Müsliriegel und kühlen Traubensaft trinken würde.

Lisa sah dankbar zu Enzo hinüber. »Ich finde es echt lieb von deinen Eltern, uns einfach diesen Urlaub zu schenken.«

»Ich war genauso überrascht«, erklärte Enzo stolz lächelnd. »Aber ich verbringe meine ganze Freizeit bei euch, und die Verpflegung ist auch immer vom Feinsten. Meine Eltern arbeiten täglich 12-15 Stunden und verdienen dabei genug Geld. Weil ihr euch so gut um mich kümmert, wollten sie euch mit dem einwöchigen Urlaub in den Sommerferien einen Gefallen tun.«

Und damit hatte Enzo auch nicht gelogen. Weil seine Eltern eine eigene Pizzeria betrieben, hatten sie nur wenig Zeit, sich um ihren Sohn zu kümmern. Da kam es ihnen gerade recht, dass Enzo in den drei Seifert Geschwistern aus unmittelbarer Nachbarschaft so gute Freunde gefunden hat, bei denen er seine ganze Freizeit verbringt.

»Die Überraschung ist deinen Eltern auch sehr gelungen«, war Lisa vom Urlaub auf Gran Canaria sehr begeistert.

Ingo schaute erst Lisa und danach Enzo an. In seinem Gesicht spiegelte sich ein freches Grinsen. »Oder haben deine Eltern die Reise nur deshalb bezahlt, weil sie eine Woche lang Ruhe vor dir haben wollten?«

Lisa kicherte und boxte Ingo auf den Arm. »Ingo, hör gefälligst auf damit, Enzo zu ärgern. Das ist schließlich meine Aufgabe!«

Ingo zog den Kopfhörer ab. »Was soll ich sonst machen? Bei euch kann man sich nicht mal in Ruhe einen Film anschauen.«

»Ach, ist das unsere Schuld?«, lachte Enzo. »Gib doch zu, der Film war dir nur langweilig.«

 Ingo grinste. »Du hast mich durchschaut. Der Film ist wirklich langweilig. Mir wäre es lieber, wenn wir endlich landen würden und die Insel erkunden könnten.«

Irgendwie war es klar, dass Ingo sich auf dem Flug langweilen könnte. Mit seiner Brille sah er nicht nur schlau aus, sondern er war auch schlau. Das lag daran, weil er gerne im Internet oder in Büchern las, sich vielseitig interessierte und Informationen wie ein Schwamm aufsaugte.


 

Lisa drehte sich Ingo zu. »Du hast dich doch bestimmt über Gran Canaria informiert, bevor wir abgereist sind. Hast du interessante Informationen für uns?«

Ingo lächelte verschmitzt. »Zufällig hast du recht. Ich habe mich wirklich vor unserer Abreise schlaugemacht.«

Georg, der das Gespräch mitgehört hatte, lehnte sich nach vorne und stützte die Ellenbogen auf Enzos Rückenlehne. »Na dann schieß mal los!«

»Gran Canaria ist nach Teneriffa und Fuerteventura die drittgrößte der Kanarischen Inseln und hat eine Fläche von 1560 Quadratkilometern«, fing Ingo an.

»Kanaren klingt wie Kanarienvogel«, bemerkte Lisa. »Haben die Inseln etwas mit diesem Vogel zu tun?«

»Ja, das hast du richtig erkannt«, bestätigte Ingo. »Der Kanarienvogel wurde nämlich aus dem gelbgrauen Kanaren-Girlitz gezüchtet, welcher somit der Urvater der bunten Kanarienvögel ist.«

»Haben die Inseln durch den Vogel ihren Namen bekommen?«, wollte Enzo wissen.

Ingo schüttelte den Kopf. »Nein, es war umgekehrt. Der Vogel hat seinen Namen von den Inseln bekommen. Man vermutet, die Kanaren haben ihren Namen von großen Hunden, die einst 40 vor Christus auf den Inseln entdeckt worden sind. Kanaren könnte eine Ableitung von Canis sein, was so viel wie Hund bedeutet. Das konnte aber nicht eindeutig bewiesen werden.«

»Toll, vielleicht sehen wir ein paar von diesen Hunden«, hoffte Lisa.

»Das denke ich nicht«, musste Ingo Lisa enttäuschen. »Das mit den Hunden war früher mal so. Heute gibt es dort keine streunenden Hunde mehr. In den Touristengebieten im Süden der Insel sowieso nicht.«

»Wir fliegen in den Süden von Gran Canaria?«, hakte Georg nach.

»Ja«, bestätigte Ingo. »San Agustin liegt im Süden und ist eine kleine Touristenstadt. Der Süden lebt vom Tourismus, der Norden von der Landwirtschaft und der Industrie. Da wir Touristen sind, ist es klar, dass wir im Süden der Insel wohnen werden.«

»Das ist mir egal«, antwortete Enzo. »Hauptsache Sonne, Strand, Meer und leckeres Essen. Wenn ich gerade vom Essen rede: Hier duftet es nach Fleisch. Kann das sein oder bilde ich mir das nur ein, weil ich Hunger habe?«


 

»Das bildest du dir nicht nur ein«, bestätigte Lisa durch den Flugzeuggang schauend. »Die Flugbegleiter richten gerade die Bordverpflegung her.«

Schon wenig später wurde das Essen serviert. Enzo nahm voller Erwartung den Deckel vom Teller und war enttäuscht: »Was? Soll das ein Witz sein? Linsengemüse, wässriger Kartoffelbrei und ein winziges Stück Fleisch? Naja, wenigstens ist ein Kirschjoghurt dabei.«

»Dein Hunger kann ja nicht so groß sein, wenn du am Essen etwas auszusetzen hast«, meinte Georg.

Lisa kicherte. »Zugegeben, lecker sieht es ja nicht gerade aus. Außerdem ist Enzo eben ein Feinschmecker.«

Als alle aufgegessen hatten, brummte Enzo erneut: »Gut war es nicht, aber der Hunger hat es hineingetrieben, der Joghurt war das Beste daran.«

»Da stimme ich dir zu, Enzo«, war Ingo mit ihm einer Meinung. »Hoffen wir, das Essen auf Gran Canaria ist besser als das im Flugzeug.«

Enzo blickte ihn entsetzt an. »Das hoffe ich doch sehr. Wenn nicht, fliege ich umgehend nach Hause. Ich würde das keine Woche lang aushalten.«

»Beruhige dich, Enzo«, meldete sich Georg aus dem Sitz dahinter. »Wir werden schon nicht verhungern. Notfalls versorgen wir uns aus dem Supermarkt und kochen selbst.«

Das klang ganz nach Enzos Geschmack, und so beruhigte er sich auch schnell wieder. Anschließend wurde ein Video gezeigt. Die Kinder zogen die Kopfhörer auf und verfolgten den Film im Monitor des Vordersitzes. Auch die restliche Zeit verging, wenn auch nur träge. Aber schon bald danach setzte das Flugzeug zum Landeanflug auf der Kanareninsel Gran Canaria an. Die Kinder waren ganz aufgedreht und rutschten auf ihren Sitzen hin und her, schauten mal links und mal rechts aus dem Fenster, bis sie endlich landeten. Sie stürmten aus dem Flugzeug, machten Dehnübungen, reckten und streckten sich.


 

»Vier Stunden in diesen engen Flugzeugsitzen ist schlimmer als sechs Stunden Schule«, klagte Georg.

Lisa lachte. »Du bist der Einzige von uns, der so darunter leiden musste, weil du so groß bist. Enzo passte der Sitz wie angegossen.«

Enzo hob die Augenbrauen und musterte Lisa kritisch. »Bei deiner Größe muss dir der Sitz wie ein Sofa vorgekommen sein!«, konterte er, worauf alle lachten.

»Kommt jetzt, Kinder!«, forderte die Mutter und lief mit dem Vater voraus in die Gepäckhalle, wo sie sich ans Gepäckband stellten und auf ihre Koffer warteten.

 

***

 

Einige Minuten danach verließen sie mit ihrem Gepäck das Flughafengebäude. Draußen wurden sie bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel von einem Mann empfangen, der vor einem weißen Kleinbus auf sie gewartet hatte. »Ich werde Sie ins Hotel bringen«, erklärte er und lud das Gepäck ein. Er ließ seine Fahrgäste einsteigen und fuhr los.

Georg lugte aus dem Wagenfenster, als der kleine Bus über die Landstraße fuhr, die sich parallel zum Meer durch sandige Felder und kahle Berge schlängelte. »Hier sieht es aus wie auf dem Mond! Aber das Meer ist herrlich.«

»Ja, das Hinterland gleicht einer Wüstenlandschaft«, stimmte Lisa zu. Sie war nicht direkt enttäuscht, aber sie hatte sich die Insel doch anders vorgestellt.

»Die Landschaft ist sehr gewöhnungsbedürftig«, teilte auch Enzo seine Eindrücke mit. »Weit und breit nur Steine, Felsen und Sand. Hier gibt es anscheinend keine Pflanzen und schon gar keine Wälder.«

Ingo schüttelte den Kopf. »Schaut euch doch mal die Felder an! Sind das für euch keine Pflanzen?«

»Welche Felder?«, wunderte sich Lisa. »Meinst du diese Folienzelte?«

In der kargen Landschaft befanden sich große Flächen, die mit Folie oder feinmaschigen Netzen abgedeckt waren. Durch die Reflexion der Sonne hätte man meinen können, es sind Wassergräben.

»Das sind Felder, die zum Schutz gegen Hitze, Trockenheit und Schädlinge abgedeckt sind«, erklärte Ingo. »Wären sie offen, wäre es hier viel grüner. Aber trotzdem kann es nie so grün wie in Deutschland sein, außer vielleicht mal in der Regenzeit.«

»Regenzeit?«, wiederholte Lisa.

»Ja«, bestätigte Ingo. »Das ganze Jahr über fällt hier keinen Tropfen Regen, nur zwischen November und März kann es ordentliche Niederschläge geben. Wenn es richtig regnet, wird alles grün und überall sprießen Pflanzen heraus. Ich habe das im Internet gelesen und habe sogar Bilder davon gesehen.«

Bei Enzo bildeten sich Schweißperlen auf der Stirn. »Ganz schön warm hier«, klagte er und wischte sich mit einem Papiertaschentuch ab.