Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 4- Das IGEL-Team auf Spukschloss Falkenstein

Kinderbuch Jugendbuch ebook als PDF, Mobi und ePub erhältlich.

Ingo Seifert gewinnt bei einem Preisausschreiben einen Ferienaufenthalt für das IGEL-Team auf Schloss Falkenstein. Das Team bemerkt schnell, dass Ingo die Sache mit der Schlossbesitzerin eingefädelt hat und es niemals ein Preisausschreiben gab. Der wahre Grund für die Einladung ist, dass es auf dem Schloss spuken soll. Das IGEL-Team soll diesen Spuk aufklären. Nach und nach rückt eine logische Erklärung für diese Spukphänomene immer weiter in die Ferne.

 

Sollte es sich tatsächlich um einen echten Spuk handeln?

 

Das IGEL-Team steht vor einem Rätsel.

Leseprobe

Der Hauptgewinn

 

Lisa kam am Morgen in die Küche, wo Georg, Enzo und Ingo bereits am Frühstückstisch saßen und auf sie warteten. »Endlich Osterferien.«

»Wenigstens hättest du früher aufstehen können, um die Ferien auch richtig zu genießen«, neckte Georg.

Lisa rümpfte ihre sommersprossige Nase, gab Georg dafür einen leichten Klaps auf den Hinterkopf, worauf sich seine Haare aufstellten. Enzo, Georg und Lisa kicherten. Nur Ingo hatte gar nichts davon mitbekommen, weil er mit seinem iPad beschäftigt war.

Lisa stand hinter ihm, beugte sich herunter an sein Ohr und sagte laut: »Frühstücken, Ingo!!!«

Ingo zuckte vor Schreck zusammen.

»Kannst dein iPad auf die Seite legen, ich bin jetzt da! Es geht los!«, informierte Lisa.

Ingo schüttelte den Kopf. »Mensch, Lisa! Musst du mich so erschrecken? Habe ich etwa einen Schluckauf?«

»Was hat erschrecken mit Schluckauf zu tun?«, erkundigte sich Enzo.

Ingo rückte seine Brille zurecht. »Wenn man sich erschreckt, wird das unbewusste, vegetative Nervensystem gereizt und schaltet alle unnötigen Vorgänge aus.«

Georg runzelte die Stirn. »Unnötige Vorgänge?«

»Ja, Schluckauf ist ein unnötiger Vorgang. Er ist ein Überbleibsel aus unserer Fötuszeit, das uns davor bewahrt hat, Fruchtwasser zu schlucken«, erklärte Ingo.

Lisa schmunzelte. »Würde es etwas nützen, wenn wir Enzo erschrecken, damit sein ständiger Hunger weggeht, der ja im Grunde genommen auch unnötig ist?«


 

Alle lachten, nur Enzo hob die Augenbrauen. »Wenn ich erschrecke, bekomme ich erst richtig Hunger.«

»Wen das so ist, müsstest du dich den ganzen Tag erschrecken«, neckte Lisa und füllte ihre Tasse mit heißer Schokolade auf.

Enzo antwortete nur mit einem Kopfschütteln.

Die Mutter kleidete das Brotkörbchen mit einer weißen Papierserviette aus, legte die knusprigen Toastscheiben hinein und stellte es auf den Tisch. »Dann stärkt euch mal schön, Kinder.«

»Danke, Mama«, erwiderten Lisa, Georg und Ingo fast gleichzeitig.

»Danke, Frau Seifert«, bedankte sich auch Enzo und griff zuerst zu.

»Bitte, Kinder«, erwiderte die Mutter, »habt ihr eigentlich schon Pläne für eure Ferien gemacht?«

Die Kinder schauten sich fragend an.

»Bis jetzt noch nicht«, meinte Georg.

Ingo bestrich gerade seinen Toast mit Erdbeermarmelade und grinste geheimnisvoll. »Es wird sich aber bestimmt noch etwas ergeben.«

Enzo hatte eine Scheibe Toast mit Erdbeermarmelade, eine andere Scheibe mit Pfirsichmarmelade bestrichen und war gerade dabei die dritte Scheibe mit Pflaumenmus zu bestreichen. Er bereitete immer erst alles vor, bevor er mit dem Frühstück anfing.

Er sah Ingo verwundert an. »Hast du irgendetwas in Aussicht, weil du so grinst?«

Ingo zuckte mit den Schultern. »Es ist noch nicht sicher, lasst euch überraschen.«

Alle wussten, dass an dieser Stelle ein Nachfragen sinnlos wäre. Wenn Ingo sich so verhielt, konnte man ihm auch nicht mehr Informationen entlocken. Darin waren sich alle einig und darum hakte auch keiner mehr nach.

In dem Moment als alle aufgegessen, und ihre Schokolade ausgetrunken hatten, klingelte das Telefon.

Die Mutter verschraubte gerade die Gläschen des frisch eingekochten Apfelmuses. »Könnte jemand von euch mal ans Telefon gehen?«

Ingo eilte in den Flur zum Telefon. »Ich geh schon.«


 

Nach etwa zwei Minuten kam er in die Küche. »Stellt euch vor, das war die Frau vom Preisausschreiben.«

»Preisausschreiben?«, wunderten sich alle samt der Mutter.

Ingo erklärte: »Ich hatte letzte Woche bei so einem Preisausschreiben in der Schule mitgemacht und habe tatsächlich gewonnen. Ist das nicht toll?«

»Was hast du gewonnen?«, interessierte sich die Mutter.

»Einen einwöchigen Ferienaufenthalt in Schloss Falkenstein.«

»Was?«, staunte Georg nicht schlecht, »das ist ein guter Preis. Wo ist dieses Schloss?«

»Im Dahner Felsenland direkt in der Stadt Dahn.«

Lisa nickte respektvoll. »Gratuliere, das freut mich für dich, Ingo. Du hast es wirklich verdient.«

 »Mich freut es ebenfalls«, erwiderte Ingo, »auch für euch.«

Enzo grinste schalkhaft. »Du meinst, weil wir dich in der Zeit nicht sehen müssen?«

Ingo kniff die Augen zusammen und spitzte den Mund.

Lisa schluckte. »Du meinst … wir dürfen mit?«

»Klar dürft ihr mit«, platzte es aus Ingo heraus, »es ist ein Aufenthalt für vier Personen, ich hoffe ihr begleitet mich.«

Georg sah die Mutter an. »Mama, was meinst du dazu?«

»Bitte Frau Seifert«, bekräftigte Enzo mit flehendem Blick.

Die Mutter schien zu überlegen. Sie trocknete ihre Hände ab und legte nachdenklich die Hand ans Kinn. »Das sind nur knapp über 20 Kilometer von hier entfernt. Ich wünsche euch schöne Osterferien, Kinder.«

»Hurra«, schrien Ingo, Enzo, Georg und Lisa wie aus einem Mund.

Lisa fantasierte bereits: »Ich werde wie eine Prinzessin in einem Schloss leben.«


 

»Ich habe bisher nie in einem Schloss gegessen«, meinte Enzo.

Auf Lisas Miene spiegelte sich Sarkasmus. »Ach ja? Ist das so wichtig? Wir verbringen die Ferien auf einem Schloss, du denkst nur ans Essen und mehr fällt dir dazu nicht ein?«

»Dort kann man bestimmt auch schöne Wandertouren machen, oder?«, interessierte sich Georg.

»Das Land ist für Wandertouren wie geschaffen«, schwärmte Ingo.

»Ohne Essen würden wir verhungern, falls dir das nicht klar ist, Lisa«, fühlte sich Enzo gekränkt.

»Lass jetzt Enzo in Ruhe Lisa«, mahnte die Mutter, »wann geht die Reise denn los, Ingo?«

»Morgen früh«, verkündete Ingo, ohne seinen Blick aus dem iPad zu heben, »Papa muss uns nicht hinbringen, denn wir können mit dem Bus fahren. Ich habe gerade nachgeschaut, es gibt eine direkte Busverbindung nach Dahn.«

 

***

 

Kurze Zeit danach hatten alle Kinder bis auf Enzo ihre Koffer gepackt und saßen bei Ingo im Schlafzimmer. Enzo lehnte sich an die Fensterbank, Lisa saß im Schneidersitz auf dem Fußboden, Georg und Ingo saßen auf dem Bett, wo Ingo mit seinem iPad beschäftigt war.

»Drückt mir die Daumen, damit meine Eltern mir erlauben mitzukommen«, bangte Enzo.

Georg winkte ab. »Natürlich werden sie es dir erlauben. Schließlich vertrauen sie uns, weil wir alt genug sind.«

Lisa stimmte Georg zu: »Das glaube ich auch. Dazu ist dies ein ganz normaler Ferienausflug, ohne irgendwelche Kriminalfälle aufzuklären.«

Georgs Blick schweifte zu Ingo, der immer noch in seinem iPad vertieft war. »Was machst du eigentlich?«

»Ich schaue mir das Hotel an«, erklärte Ingo beiläufig, ohne Georg dabei anzuschauen.

Lisa strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. »Und? Was erwartet uns?«

»Ein neues Abenteuer?«, bohrte Enzo erwartungsvoll.

Georg schüttelte den Kopf. »Leute, es ist nur ein Ferienaufenthalt!«

Doch Ingo war beschäftigt und zeigte darauf keine Reaktion.

»Ich habe gerade die Bestätigung der Schlossherrin bekommen. Wir bekommen eine Luxussuite«, sagte er feierlich.

Lisa breitete die Arme aus, streckte sie in die Luft und ließ sich theatralisch nach hinten auf den Teppich kippen, wobei sich ihre Beine aus dem Schneidersitz lösten. »Herrlich. Eine Luxussuite in einem Schloss.«

Georg griff nach seinem Rucksack und öffnete ihn. »Ich schlage vor, wir überprüfen noch einmal unser Gepäck und gehen heute Abend frühzeitig zu Bett, damit wir morgen früh für die Reise und den ersten Tag fit sind.«

»Ich werde heute Nacht kein Auge zumachen«, befürchtete Lisa.

Enzo grinste. »Damit habe ich kein Problem, denn sobald ich etwas esse, werde ich voll müde und könnte überall einschlafen.«


 

»Mit vollen Magen könnte ich Erstrecht nicht schlafen«, meinte Georg.

»Ich auch nicht«, bemerkte Lisa.

»Weil die Verdauung in der Nacht den Kreislauf belastet«, erklärte Ingo, »es ist gerade einmal 4 Uhr, Leute. Vor 9 Uhr brauchen wir gar nicht schlafen zu gehen, sonst haben wir zu früh ausgeschlafen und stehen womöglich um 4 Uhr auf der Matte.«

Die Kinder überprüften den Inhalt ihres Gepäcks. Ingo zog ein Seil und eine Taschenlampe aus dem Rucksack.

»Wozu brauchst du ein Seil und eine Lampe?«, wunderte sich Enzo.

»Falls wir bei unseren Wanderungen eine Höhle finden und diese erkunden möchten? Oder falls wir wieder in ein Abenteuer geraten sollten?«, vermutete Georg.

Ingo nickte. »Wir sind das IGEL-Team und sollten immer auf alles vorbereitet sein.«

Wenig später ging Enzo nach Hause und kam nach kurzer Zeit freudestrahlend mit gepacktem Koffer zurück. »Ihr hattet recht. Es hat geklappt und ich darf mit euch kommen.«

»Natürlich darfst du mit uns kommen. Lass dein Gepäck unten stehen, wir bringen unseres auch gleich nach unten«, hallte Georgs Stimme von oben durchs Treppenhaus.

Enzo gehorchte, stellte seinen Koffer im Hausflur neben der Garderobe ab. Nach wenigen Sekunden kamen Lisa, Ingo und Georg nach unten und stellten ihr Gepäck dazu.

»Jetzt haben wir alles für die Abreise bereitgestellt«, erklärte Ingo und warf einen kontrollierenden Blick über die Gepäckstücke.

Lisa blickte unbewusst auf ihre Armbanduhr. Georg beobachtete das und sagte scherzhaft: »Keine Sorge, wir haben noch Zeit, Lisa.«

»Die Zeit scheint echt stillzustehen«, beklagte sich Lisa.

Enzo stimmte ihr zu: »Ja, bis morgen früh ist es noch eine Ewigkeit.«


 

»Wir können ein bisschen Ball spielen, das macht uns fit und die Zeit vergeht auch schneller«, kam Ingo die Idee.

Georg, Enzo und Lisa waren einverstanden. So tobten sie sich die nächsten Stunden im Hof beim Handballspiel aus.

Enzo war müde und hungrig, wurde immer langsamer, bis er sich schließlich auf der kniehohen Mauer niederließ und den anderen Kindern beim Handball zuschaute.

Als der Vater kurze Zeit später von der Arbeit nach Hause kam und die Mutter zu Tisch bat, war Enzo plötzlich der schnellste Läufer. Er eilte ins Badezimmer und anschließend in die Küche. So war Enzo der Erste, während sich die anderen Kinder erst die Hände waschen mussten.

»Hallo, Herr Seifert«, grüßte Enzo und setzte sich an den Tisch.

»Hallo, Enzo. Du bist so aufgedreht. Was ist los mit dir?«, wunderte sich Herr Seifert.

»Wir verbringen die Osterferien auf Schloss Falkenstein«, berichtete Enzo strahlend, während die Mutter die Nudeln, das Gulasch und den frischen Feldsalat auf den Tisch stellte.

»Wie seid ihr dazu gekommen?«, wollte der Vater wissen.

Lisa kam gerade in die Küche und schaltete sich ins Gespräch ein. »Ingo hat an einem Preisausschreiben in der Schule teilgenommen und hat den Hauptpreis gewonnen.«

Georg kam Lisa hinterher. »Der Hauptpreis ist ein einwöchiger Ferienaufenthalt in Schloss Falkenstein in Dahn.«

»In einer Luxussuite«, ergänzte Lisa, wobei ihre blauen Augen vor Freude zu leuchten schienen.

Ingo kam auch in die Küche und der Vater nickte ihm respektvoll zu. »Gut gemacht, mein Junge.«

»Ach, das war doch gar nichts, Papa.« Ingo schob seine Brille zurecht und setzte sich an den Tisch.

Schließlich fingen sie an zu essen und es wurde still. Als alle Teller leer waren, kam der Nachtisch. Mutters selbst gemachtes, nach Zimt und Nelken duftendes Apfelmus, wovon Enzo natürlich nicht genug bekommen konnte. Frau Seifert kannte den Jungen nur zu gut und stellte ihm ein zweites Gläschen hin, was er mit Genuss auslöffelte.

Enzo bedauerte: »Ich werde Ihr Apfelmus in unserer Ferienwoche auf Schloss Falkenstein sehr vermissen, Frau Seifert.«

»Ich werde euch morgen früh einen Proviantkorb vorbereiten, in den ich genügend Apfelmus einpacke«, stellte Frau Seifert in Aussicht.

»Und Ostereier?«, fragte Georg.

Die Mutter lächelte. »Und Ostereier.«

»Für mich bitte nur die Roten, die schmecken mit am Besten«, bat Enzo.

Lisa schüttelte den Kopf. »Die schmecken alle gleich, Enzo.«

Enzo winkte ab. »Nein. Ich bin Experte, wenn es ums Essen geht, glaub mir, die roten Eier schmecken besser.«

Alle lachten, selbst Enzo musste lachen.

 

***

 

Nach dem Abendessen saßen die Kinder oben in Ingos Zimmer und erwarteten von Ingo letzte Informationen, bevor es am Morgen losgehen sollte. Ingo setzte sich aufs Bett, die anderen Kinder setzten sich auf den Fußboden und starrten ihn erwartungsvoll an, während er erneut in seinem iPad herumsuchte.

Schließlich legte er das Gerät zur Seite, verschränkte die Hände ineinander und fing an zu erklären: »Schloss Falkenstein hat fünf Luxussuiten, fünfzehn Zimmer, einen Speisesaal und einen Aufenthaltsraum.«

»Wunderschön«, schwärmte Lisa und schien dabei vor sich hinzuträumen.

Ingo erzählte weiter: »Die Inhaberin Elvira Leutner ist die Tochter, des vor vier Jahren verstorbenen Eigentümers Heinrich Leutner.«

»Hat sie demnach das Schloss vor vier Jahren geerbt?«, hakte Georg nach.

»Ja, und Herr Leutner hat es vor fünfzig Jahren zu einem Spottpreis der in Not geratenen Familie Wendel abgekauft, bei denen es seit mehr als 300 Jahren in Familienbesitz war«, informierte Ingo.

»Die Familie war in Not geraten?«, erkundigte sich Lisa.

 »Sie konnten das Geld für die Sprinkleranlage nicht aufbringen, die sie durch die neuen Brandschutzbestimmungen einbauen mussten«, klärte Ingo auf.

»Schade für die Familie Wendel, aber das kann uns egal sein, Hauptsache wir verbringen dort schöne Ferien und das Essen ist gut «, freute sich Enzo.

»Das Essen wird sehr gut sein, weil die Schlossherrin Frau Leutner früher auch Küchenchefin war und jede Menge Auszeichnungen erhalten hat. Durch sie ist die Schlossküche erst richtig bekannt geworden«, verkündete Ingo.

»Na dann steht unseren Osterferien nichts mehr im Wege«, freute sich Enzo.

»Das war das Wichtigste, Leute«, erwähnte Ingo und packte die Spielkarten aus.

Sie spielten bis 21:00 Uhr Karten und danach begleiteten sie Enzo nach unten zur Haustür.

»Bis morgen früh, Leute«, verabschiedete er sich.

»Bis morgen früh, Enzo«, erwiderten Ingo, Georg und Lisa. Bald darauf legten sie sich schlafen und freuten sich bereits auf den kommenden Tag.