Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 16- Eine hochgiftige Angelegenheit

Kinderbuch Jugendbuch ebook als PDF, Mobi und ePub erhältlich.

Ingo, Georg, Enzo und Lisa sind perplex, denn als IGEL-Team haben sie dieses Mal einen besonderen Fall zu lösen. Sie bekommen die Nachricht einer Bäuerin, die um Hilfe bittet, weil auf einem ihrer Kartoffelfelder nichts mehr wächst. Die Detektivkinder sind verwundert, dass man für solche landwirtschaftliche Fragen ihre Hilfe benötigen sollte. Doch die Bäuerin erklärt, sie vermutet dahinter eine Sabotage.
Unter diesen Umständen nehmen sie die Einladung gerne an und geraten bei ihren Nachforschungen  wieder einmal in ein gefährliches Abenteuer.
Was steckt wohl dahinter?
Warum wächst auf dem Kartoffelfeld nichts?
Wer will der Bauernfamilie schaden?
Wird das IGEL-Team den Fall lösen?

Leseprobe

Ein mysteriöser Auftrag

Die elfjährige Lisa lag mit einem Buch im saftig grünen Gras zwischen leuchtend gelben Butterblumen und violetten Krokussen und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen an diesem herrlichen Frühlingstag sehr.

Lisa ging gerne zur Schule, aber sie war auch froh, dass endlich Osterferien waren. Noch war nichts geplant. Werden sie dieses Mal zu Hause in Bad Bergzabern bleiben? Die Eltern hatten für die Ferien auch noch keine Pläne, sonst hätten sie es längst erwähnt, so viel war sicher. Blieb also nur noch, dass Lisa mit ihren beiden Brüdern und dem Nachbarsjungen Enzo alleine wegfährt, wie sie es schon oft getan haben.

Lisa vertiefte sich wieder in ihrem Buch. Sie liebte es, hinter dem Haus auf der Wiese zu liegen, die frühlingsfrische Luft zu atmen und auf den wunderschönen Gesang der Vögel zu lauschen. Am offenen Fenster des oberen Stockwerks des gelben Hauses erschien ein molliger, schwarz gelockter Junge. Er beobachtete Lisa und zielte mit einer Steinschleuder genau in ihre Richtung.

Plötzlich zwirbelte ihr ein zerknülltes Blatt Papier über den Kopf, wirbelte ihre blonden Haarsträhnen durcheinander und landete inmitten des aufgeklappten Buches.

Lisa drehte sich blitzschnell um und schaute empört nach oben. »Enzo! Wenn ich hochkomme, kannst du was erleben.«

Enzo hob unschuldig die Hände. »Das war nicht meine Idee. Ingo hat gesagt, ich soll das tun«, entschuldigte er sich, als ein braunhaariger Junge mit Brille neben ihm erschien.

»Was soll das, Ingo?«, fragte Lisa irritiert.


 

So kannte sie ihren Bruder gar nicht. Enzo, dem zwölfjährigen, italienischen Jungen aus der Nachbarschaft hätte sie das zugetraut, da sie sich sowieso immer neckten. Lisa ärgerte Enzo oft gerne wegen seines Übergewichtes und seiner Heißhungerattacken und Enzo liebte es, sich über Lisas schlanke Figur und ihre Sommersprossen lustig zu machen. Enzos Eltern betrieben eine Pizzeria. Aus diesem Grund verbrachte er die meiste Zeit bei den drei Geschwistern der Familie Seifert. Er gehörte praktisch schon zur Familie und ging nur zum Schlafen nach Hause. Aber Ingo? Der zwölfjährige Ingo war meist ernst und hatte für unsinnige Späße eigentlich nichts übrig. Er war sehr intelligent, belesen und sehr geschickt. Es war nicht seine Art, sich über andere lustig zu machen oder Leute zu ärgern. Was war diesmal nur in ihn gefahren?

»Lies, was auf dem Zettel steht«, rief Ingo herunter.

Lisa entknüllte das Papier und las. »Liebes IGEL-Team. Wir sind eine Bauernfamilie aus Talheim bei Tuttlingen und haben ein Problem. Auf einem unserer Felder wächst nichts mehr, darum wollten wir euch fragen, ob ihr die Osterferien bei uns verbringen könntet, um den Fall zu untersuchen. MfG Karin Wendel.«

IGEL-Team nannten sich die Kinder, wenn sie als Detektive unterwegs waren. Enzo, Lisa und Ingo waren zusammen mit Lisas großen Bruder Georg ein unschlagbares Team. Georg war dreizehn Jahre, sah aber aus wie neunzehn. Das Wort »IGEL« setzte sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der vier Kinder zusammen.

Ungläubig schaute Lisa nach oben zum Fenster. »Wir werden gerufen, weil auf einem Feld nichts mehr wächst? Sind wir jetzt Landwirtschaftsexperten oder was?«

Ingo grinste und wedelte mit einem Zettel am Fenster herum. »Nein. Hier ist das zweite E-Mail, das mir Frau Wendel geschickt hat. Willst du hochkommen oder sollen wir es dir runterschießen?«

Lisa hob drohend den Zeigefinger. »Wagt es nicht, mich noch mal zu beschießen. Ich komme rauf.«


 

Sie sprang auf, lief ins Haus, eilte nach oben in Ingos Zimmer und stürzte zur Tür herein. »Um was geht’s?«

»Bäuerin Wendel glaubt, sie wird sabotiert«, berichtete der schlaksige Georg auf der Schreibtischkante sitzend.

»Sabotage?«, erwiderte Lisa lächelnd. »Das klingt schon eher nach einem Fall fürs IGEL-Team.«

»Es scheint so, als schüttet jemand Giftstoffe auf den Acker der Wendels«, erzählte Enzo.

»Wer sollte so etwas tun, und warum?«, war Lisa verwundert. »Wie kommt ihr darauf?«

Ingo hob unwissend die Schultern. »Das muss uns die Bäuerin erklären, es ist ihr Verdacht.«

Lisa rieb sich vor Freude die Hände. »Wir verbringen unsere Osterferien auf einem Bauernhof?«

»Ja«, antwortet Georg. »Aber darum geht es gar nicht. Wir sollen einen Fall aufklären.«

»Tut mir leid, dass ich mich trotzdem darauf freue«, meinte Lisa ironisch.

»Ich freue mich auch«, jubelte Enzo, tanzte durchs Zimmer und lehnte sich an die Fensterbank.

»Natürlich wird es schön«, pflichtete Ingo bei. »Trotzdem sollten wir uns vorrangig auf unseren Fall konzentrieren.«

»Klar«, antwortete Lisa. »Haben wir eigentlich bereits eine glaubwürdige Erklärung für Mama und Papa parat?«

»Wir sagen, wir wurden auf einen Bauernhof eingeladen«, erklärte Enzo feierlich.

Lisa hob zynisch die Augenbrauen. »Und warum sollte uns jemand grundlos einfach so einladen, du Schlaumeier?«


 

»Wir sagen einfach, wir hätten die Anzeige für den Urlaub auf dem Bauernhof im Internet gefunden und konnten nicht widerstehen«, schlug Georg vor.

»Das ist zwar sehr einfach, aber das klingt schon viel besser«, lobte Ingo. »Mama und Papa werden sowieso erwarten, dass wir die Ferien nicht zu Hause verbringen.«

Enzo nickte. »Die Ausrede klingt gut, ich würde es jedenfalls glauben.«

Lisa blickte Enzo spitzbübisch an. »Du glaubst ja auch, Schokoosterhasen würden auf Bäumen wachsen.«

Ingo räusperte sich breit grinsend. »Schokoosterhasen wachsen auch im gewissen Sinne auf Bäumen. Denn die Kakaobohnen, woraus die Schokolade gewonnen wird, stammt zweifellos von Kakaobäumen.«

Enzo kicherte. »Hiermit hast du dir selbst eine übergebraten. Dachtest du, Schokoladenosterhasen werden aus Holz geschnitzt?«

»Ich schnitze dir gleich mal eine«, antwortete Lisa grinsend, aber peinlich berührt.

Wenige Augenblicke später stürmten die Kinder nach unten in die Küche, wo Frau Seifert gerade mit einer hellblauen Kittelschürze bekleidet den Teig für einen Kuchen anrührte, dessen herrlicher Zitronenduft sich in der ganzen Küche verbreitete.

»Was gibt es, Kinder?«, wunderte sich Frau Seifert über den überfallähnlichen Auftritt.

»Wir haben eine Woche Ferien auf einem Bauernhof gebucht«, verkündete Georg.

»Wir sahen die Anzeige im Internet und konnten nicht widerstehen«, ergänzte Enzo, um es glaubwürdiger klingen zu lassen.

»Oh. Das freut mich sehr«, antwortete die Mutter. »Wo soll es denn hingehen?«

 Wie erwartet, reagierte sie Mutter gelassen, denn schließlich war es nicht das erste Mal, dass die Kinder alleine in die Ferien fuhren. Frau Seifert wusste, sie konnte sich auf sie verlassen und sie waren groß genug, auf sich selbst aufzupassen.