Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 24- Ein hypnotisches Abenteuer

PDF Kinderbücher ab 7 Jahren

Im Umkreis von Bad Bergzabern häufen sich merkwürdige Einbrüche, bei denen nicht die geringsten Spuren hinterlassen werden. Eine ältere Dame bittet die Kinderdetektive Georg, Enzo, Lisa und Ingo um Hilfe, ihre Wohnung sicherer zu machen. Als Gegenleistung dürfen die Kinder ihre Sommerferien in einem Holzhaus am See verbringen. Doch in der Villa am gegenüberliegenden Ufer gehen merkwürdige Dinge vor sich. Die Kinderdetektive hegen den Verdacht, diese Aktivitäten könnten womöglich mit der Häufung der mysteriösen Einbrüche im Zusammenhang stehen.
Wird sich ihre Vermutung bestätigen?
Sie forschen nach und die Ereignisse überschlagen sich.

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Ein besonderer Auftrag

Brennend heiß schien die Sonne am Montagmorgen vom tiefblauen Himmel über der Pfälzer Kurstadt Bad Bergzabern. Der glühend heiße Asphalt drohte unter der Hitze, sich zu wölben und verbreitete einen strengen Geruch nach Teer. Das Thermometer nagte an diesem Sommertag an der Vierziggradgrenze. Selbst die Tiere wie Katzen und Vögel hatten sich in ihre Verstecke zurückgezogen, und es herrschte eine unnatürliche Stille. Nur in Büros und Häusern brummten die Klimaanlagen und wer keine besaß, saß vor dem Ventilator oder hatte seine Füße in eine Wanne mit kaltem Wasser gestellt. Wer Zeit hatte, flüchtete sich in die Schwimmbäder, wo sich aufgrund der Sommerferien zu diesem Zeitpunkt alle Kinder der Stadt aufhielten. Fast alle!

Denn die vier Kinder Lisa, Georg, Ingo und Enzo befanden sich in einer Wohnung in der Neubausiedlung und hatten alle Hände voll zu tun. Schweißnass wuselten sie in einem Schlafzimmer umher.

Der mollige, schwarz gelockte Enzo klebte eine getönte Schutzfolie an die Fensterscheibe und strich sie mit einem feuchten Schwamm glatt. Der große Georg kniete vor der Tür und schraubte einen eisernen Riegel fest. Brillenträger Ingo saß vor der Fensterbank und brachte ein Kabel zwischen einem Klingelknopf unter dem Fenster und der zugehörigen Klingel außen über dem Fenster an. Lisa hatte ihr langes, blondes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie stand an einer Kommode und richtete gerade eine Ladestation für ein Mobiltelefon ein.

Eine ältere, weißhaarige Dame betrat den Raum. In den Händen hielt sie ein Servierbrett, das beim Laufen so sehr schwankte, dass in der Glaskanne mit selbst gemachter Zitronenlimonade, die Zitronenscheiben und Eiswürfel wild hin und her schwammen. Neben der Kanne stand ein Teller mit Keksen. Er war so üppig gefüllt, dass das Gebäck fast über den Tellerrand gefallen wäre. »Na, Kinder? Wie weit seid ihr?«

»Ihr Panikraum ist fast fertig, Frau Lorch«, antwortete Georg selbstzufrieden. »Hier kann so schnell kein Einbrecher oder Räuber eindringen.«


 

»Wir müssen nur noch an der Haustür die Sicherheitskette anbringen«, informierte Lisa und zeigte zur Kommode. »Ihr Mobiltelefon ist bereits angeschlossen und bereit.«

»Sehr gut«, lobte die Dame und stellte das Tablett auf der Kommode neben der Ladestation des Mobiltelefons ab. »Ich habe hier eine kleine Stärkung für euch. Frische Zitronenlimonade und Kekse.«

»Vielen Dank«, sagten die Kinder wie aus einem Mund.

»Wir richten erst den Panikraum fertig ein, danach genehmigen wir uns eine kleine Pause«, informierte Georg.

»Die Sicherheitskette an der Haustür bringen wir zum Schluss an«, teilte Enzo mit.

Die Kinder arbeiteten weiter, und erst als die letzten Arbeitsschritte abgeschlossen waren, schritten sie zur Kommode, um sich der Erfrischung zu widmen.

»Fast fertig«, prustete Enzo. »Die Kekse hatten mich die ganze Zeit angelacht. Es war fast nicht mehr zum Aushalten.«

»Die Kekse dich?«, neckte Lisa. »Ich denke eher, es war umgekehrt und du hast die ganze Zeit die Kekse angelacht.«

»Egal«, kicherte Enzo. »Jedenfalls haben die Kekse jetzt nichts mehr zu lachen. Sie sind aber selber schuld, weil sie so gut duften.«

So knabberten die Kinder die knusprigen Kekse und tranken dazu ein Glas erfrischend kühle Zitronenlimonade.

Georg zog ein Papiertaschentuch aus seiner Hosentasche und wischte sich die Schweißperlen von der Stirn. »Heute ist aber auch brüllend heiß, Leute.«

Enzo hatte sich ein feuchtes Handtuch in den Nacken gelegt und wischte mit den Zipfeln durch sein Gesicht. »Wem sagst du das? Ich habe bestimmt schon zehn Kilo Wasser ausgeschwitzt.«


 

»Was soll ich erst sagen?«, bemerkte Ingo. »Ich schwitze, und ständig ist meine Brille angelaufen, was irgendwie nervig ist.« Er zog zum X-ten Mal seine Brille ab und reinigte sie mit einem Brillentuch.

Lisa schwang ihren Pferdeschwanz von einer Schulter zur anderen. »Hätte ich meine Haare nicht zusammengebunden, wären sie klitschnass.«

»Wir hätten im Schwimmbad sein können, wenn wir diesen Auftrag nicht bekommen hätten oder wenn wir ihn wenigstens verschoben hätten«, erinnerte Enzo. »Stellt euch vor, wie schön es wäre, jetzt ins kühle Wasser zu springen.«

»Wir haben aber den Auftrag bekommen, Enzo«, stellte Georg klar. »Frau Lorch hat so große Angst wegen dieser seltsamen Einbruchserie, dass sie nicht mehr ruhig schlafen kann. Aus diesem Grund hätten wir nicht einfach den Auftrag verschieben und mal auf besseres Wetter warten können. Außerdem ist das Schwimmbad heute sowieso wahrscheinlich völlig überfüllt.«

»Das sehe ich genauso«, pflichtete Lisa bei. »Der Auftrag war wichtiger und im Schwimmbad ist es wahrscheinlich so voll, dass wir wie die Ölsardinen im Schwimmbecken gehockt hätten.«

Während Georg, Lisa und Enzo beisammenstanden, Limonade tranken und Kekse knabberten, wurde Ingo nervös. »Genießt die Limo und die Kekse, ich bringe derweil die Türkette an.«

»Warte! Das können wir doch nachher zusammen erledigen?!«, rief Lisa ihrem Bruder hinterher, doch Ingo ließ sich nicht aufhalten und verließ den Raum.

»Lass ihn«, bat Enzo. »Er hat es eilig, nach Hause zu kommen.«

»Warum? Was hat er vor?«, wunderte sich Georg. »Wollten wir doch ins Schwimmbad gehen und ich weiß nichts davon?«


 

»Nein.« Enzo zuckte mit den Schultern. »Soviel ich weiß, wollte Ingo heute seine Lieblings-E-Books bewerten, die er in den letzten Wochen gelesen hatte.«

Lisa hob die Augenbrauen. »Im ernst? Ist das so wichtig? Das könnte er doch auch auf einen anderen Tag verschieben, an dem es nicht so heiß ist?!«

»Anscheinend ist es ihm äußerst wichtig«, äußerte sich Georg. »Ingo sagt immer, er möchte die Autoren mit seinen Bewertungen unterstützen, damit sie mehr so gute Bücher schreiben. Eine Bewertung wäre für Autoren so wichtig wie der Applaus für Künstler. Außerdem würden gute Bewertungen die Verkaufszahlen steigern und wären für den Autor wie bares Geld …«

»Fertig!«, hörten sie Ingos Stimme vom Hausflur.

Lisa, Enzo und Georg kamen zur Haustür, wo Ingo die Sicherheitskette bereits angebracht hatte. Fast gleichzeitig kam Frau Lorch dazu.

»Also passen Sie bitte auf, Frau Lorch«, bat Ingo und rückte seine Brille zurecht. »Bitte schließen Sie die Türkette immer, sobald Sie Ihre Wohnung betreten. Falls jemand versucht, in Ihre Wohnung einzubrechen und sich von Ihren Hilferufen nicht beirren lässt, gehen Sie umgehend in Ihr Schlafzimmer.«

Ingo lief ins Schlafzimmer, wobei Frau Lorch, Enzo, Georg und Lisa ihm folgten. »Also, Sie gehen in Ihr Schlafzimmer und verriegeln zuerst die Tür.« Ingo schloss die Tür, schob den Riegel vor und ging zur Kommode. »Dann nehmen Sie das Mobiltelefon und rufen die Polizei an. Anschließend können Sie andere Leute auf sich aufmerksam machen, indem Sie diesen Knopf unter dem Fenster drücken, der draußen über dem Fenster den Alarm aufschrillen lässt.«


 

Frau Lorch blickte die Kinder dankbar an. »Vielen Dank, Kinder. Das ist gar nicht so schwierig. Ich denke, das kann ich mir merken. Da fühle ich mich in meinen vier Wänden gleich viel sicherer. Heutzutage kann man nicht vorsichtig genug sein. Die Zahl der Einbrüche ist in den letzten Wochen dramatisch angestiegen und die Täter können offensichtlich nicht gefasst werden. Ständig lebte ich in Angst, es könnte jemand bei mir einbrechen und ich wäre ihm hilflos ausgeliefert. In meinem Panikraum kann ich mich jetzt in Sicherheit bringen und in Ruhe auf die Polizei warten. Das war eine tolle Idee von euch. Was bekommt ihr von mir für diese gute Arbeit?«

Georg zog einen Zettel aus seiner Hosentasche und reichte ihn der Dame. »Das ist die Rechnung vom Baumarkt. Das Material hat 52 Euro gekostet. Hier ist alles genau aufgelistet.«

Die Frau zückte ihren Geldbeutel und kramte lange herum, bis sie einen 50-Euro-Schein herauszog, den sie Ingo überreichte. »Das tut mir jetzt sehr leid. Mehr Geld habe ich im Moment nicht. Nächsten Monat kommt meine Rente, dann …«

»Das ist schon in Ordnung, Frau Lorch. Sie brauchen uns für die Arbeit nicht zu bezahlen. 50 Euro sind okay. Wir helfen gerne«, lehnte Ingo ab, worauf Enzo, Lisa und Georg zustimmend nickten.

»Nein, das kann ich nicht annehmen«, widersprach die Dame. »Ihr hattet meinetwegen den ganzen Morgen eine Menge Arbeit … Ich habe etwas anderes für euch … es wird euch bestimmt gefallen.«

Frau Lorch ging in die Küche, während die Kinder langsam zur Haustür liefen.

»Was macht sie in der Küche? Hat sie mehr Kekse?«, fragte sich Enzo und leckte sich unbewusst die Lippen. »Oder hat sie uns einen Kuchen gebacken?«

»Das denke ich nicht«, meinte Lisa. »Einen Kuchen im Backofen hätten wir gerochen, besonders du, Enzo.«

Enzo nickte. »Das stimmt allerdings, meiner feinen Spürnase entgeht nichts, wenn es ums Essen geht.«

»Ich nehme an, sie bringt uns Obst«, vermutete Ingo. »Obst ist immer gut.«

»Ich tippe auf Kekse«, fügte Georg hinzu. »Ihre selbst gebackenen Kekse sind köstlich.«

Doch die Dame kam mit einem Schlüssel zurück, den sie Georg entgegenhielt. »Was ist das?«, fragte Georg und nahm den Schlüssel zögerlich an.


 

»Ich besitze ein kleines Holzhaus am See und ihr sollt es nutzen, um eure Ferien darin zu verbringen«, erklärte die Frau lächelnd.

»Oh, das klingt verlockend, aber ich weiß nicht, ob wir das annehmen können«, zögerte Lisa. »Wir haben nur einen Panikraum eingerichtet und kein Haus gebaut?!«

»Ihr habt keine andere Wahl. Ihr müsst es annehmen«, bestand Frau Lorch auf ihr Angebot. »Die Hütte ist wohnlich eingerichtet und ihr werdet dort sehr viel Spaß haben, so wie ich es einst dort hatte.«

»Wo befindet sich diese Hütte eigentlich?«, hakte Enzo nach. »Hier in Bad Bergzabern?«

»Nein. Sie liegt in der Nähe von Neupotz«, antwortete Frau Lorch. »Sie steht genau an einem See.«

»Klasse«, freute sich Ingo. »Soviel ich weiß, gibt es in Neupotz aber viele Seen, was das Finden der Hütte erschweren wird?!«

»Ist das Neupotz in der Nähe von Herxheim bei Landau?«, vergewisserte sich Georg.

»Genau, das ist es«, bestätigte die Frau. »Es gibt dort in der Tat viele Seen. Deshalb geht ihr einfach bei meinem Sohn vorbei, der dort wohnt. Er kann euch zur Hütte bringen.« Sie überreichte Ingo eine Adresskarte. »Ich werde meinem Sohn sagen, dass ihr in den nächsten Tagen kommen werdet.«

»Gut, vielen Dank«, jubelte Lisa. »Ferien in einer Hütte am See zu verbringen, klingt nach einem großen Abenteuer und nach viel Spaß.«

»Ja«, stimmte Georg zu. »Hoffentlich ist der See nicht mit Badegästen überfüllt.«

»Da gibt es nicht viele Badegäste«, versicherte Frau Lorch. »Der See liegt auf dem Privatgrundstück von mir und vom Nachbarn, der auf der anderen Seeseite wohnt.«

»Hurra!«, jubelte Enzo. »Wir haben einen See fast ganz für uns alleine.«

Die Kinder bedankten sich bei der Dame, verabschiedeten sich und machten sich auf den Nachhauseweg.