Band 10 - Gespenstischer Meteoritenschauer

In Speyer geht alle drei Tage etwas Eigenartiges vor sich. Helle Lichter am Himmel, ein ohrenbetäubender Knall, der die Fensterscheiben der Häuser zerbersten lässt.

Ein Meteoritenschauer, der alle drei Tage die Stadt heimsucht?

Die Einwohner sind schockiert und zugleich ratlos. Was steckt dahinter?

 

Georg, Lisa, Ingo und Enzo beschließen, die Osterferien bei Enzos Tante in Speyer zu verbringen, um das Rätsel zu lösen. Damit beginnt ein neues, spannendes Abenteuer.

 

Zum Shop

 

Zur XXL Leseprobe


Leseprobe

Osterferien

 

Lisa kam aus ihrem Zimmer und stürmte ihrem großen Bruder Georg hinterher in das Zimmer nebenan, das ihrem Bruder Ingo gehörte. »Was gibt es so Wichtiges, Jungs?«

Ingo und der mollige, schwarz gelockte Nachbarjunge Enzo saßen auf dem Bett und starrten auf den Klapprechner.

Ingo winkte Lisa mit einer Kopfbewegung zu sich. »Komm her und sieh es dir selbst an, Lisa.«

Lisa setzte sich neben die Jungen aufs Bett. »Ein Video? Na und?«

»Nicht so voreilig. Warte mal ab«, meinte Enzo.

Auf dem Video war ein helles Flugobjekt am blauen Himmel zu sehen, gleich darauf folgte ein Knall und anschließend klirrten die Fenster der umliegenden Häuser.

Lisa hielt sich entsetzt die Hände vors Gesicht. »Es ist furchtbar. Das war doch dieser Meteorit in Russland, der Anfang des Jahres in der Erdatmosphäre explodierte?«

»Das hast du gut erkannt«, bestätigte Ingo.

»Es ist schrecklich«, bedauerte Lisa. »Kann man denn nichts gegen eine solche Katastrophe tun?«

»Nicht wirklich«, entgegnete Ingo und schob seine Brille zurecht. »Meteoriten sind einfach nur Felsen. Man sieht sie erst, wenn sie in die Erdatmosphäre eindringen und durch die Luftreibung zu leuchten anfangen, dann ist es aber bereits zu spät.«

Lisa schüttelte fassungslos den Kopf. »Eine schlimme Sache. Es gab damals viele Verletzte durch umherfliegende Glasscherben.«

»Diesem Schaden kann man allerdings ein wenig vorbeugen«, informierte Ingo.

»Wie willst du umherfliegendes Glas vermeiden?«, interessierte sich Georg.

»Wenn man UV-Schutz-Folie innen an die Fensterscheiben haftet, fliegen die Scherben nicht mehr umher«, klärte Ingo auf.

»Interessant«, gestand Lisa. »Warum war es dir so wichtig, uns das jetzt zu zeigen? Das ist Monate her?!«

»Halt dich fest«, sagte Enzo geheimnisvoll.

»In Speyer passiert Ähnliches«, warf Georg ein.

Lisas blaue Augen wurden groß. »Was? Ein Meteorit in Speyer? Wann wird das passieren?«

»Es passiert seit einigen Wochen«, klärte Ingo auf.

»Was soll das heißen?«, fragte Lisa irritiert. »Wie kann ein Meteorit seit Wochen explodieren?«

»Etwa alle drei Tage, immer nachts, zerbersten Fenster. Zeugen sahen einen Lichtblitz am Himmel und hörten einen Knall, worauf die Fenster der Häuser zerplatzten«, schilderte Ingo den Fall.

Lisa runzelte die Stirn. »Alle drei Tage? Ist das denn möglich?«

Ingo nickte. »Im Prinzip ist es möglich, aber es ist dennoch sehr unwahrscheinlich.«

»Was bedeuteten würde, die ganze Sache ist inszeniert«, bemerkte Georg.

»Ihr meint, dahinter steckt die kriminelle Energie einer Verbrecherbande?«, vergewisserte sich Lisa.

»Vielleicht die Firma, die nach der Katastrophe die neuen Fenster einbaut«, vermutete Enzo.

»Die Frage ist nur, wie die diesen Meteoritenschauer bewerkstelligen?!«, überlegte Georg laut.

»Es hätte mich sehr interessiert, diesen Vorfall zu untersuchen«, bedauerte Ingo und lugte verstohlen zu Enzo hinüber.

»Es würde auch gerade gut passen, da wir jetzt Osterferien haben«, erwähnte Georg und sein Blick wanderte ebenfalls zu Enzo.

Auch Lisa interessierte es: »Wir müssten in Speyer unsere Osterferien verbringen, damit wir uns um die Sache kümmern könnten.« Ihr Blick wanderte auch zu Enzo.

Enzo grinste schief. »Könnt ihr euch an meine Tante Sofia erinnern, wo wir in den Ferien waren, als wir das Geheimnis der Nachtvögel gelüftet hatten?«

»Ach ja, du hast ja zufällig eine Tante in Speyer«, antwortete Georg scheinheilig.

»Ich hatte es bereits kapiert, als ihr mich so angesehen habt«, antwortete Enzo amüsiert. »Ich werde sie gleich anrufen und fragen, ob wir die Osterferien bei ihr verbringen dürfen.« Seine Worte wurden von Freudenschreien übertönt.

»Nicht so voreilig«, bremste Lisa die Freude. »Vielleicht hat Tante Sofia nach unserem letzten Besuch genug von uns und will uns gar nicht mehr bei sich haben.«

Georg nickte bedächtig. »Das kann natürlich sein. Wir sollten erst einmal abwarten, ob sie überhaupt einwilligt. Wir hatten uns damals, als wir als IGEL-Team ermittelt hatten, ganz schön in Gefahr gebracht.«

Enzo schüttelte den Kopf. »Tante Sofia freut sich immer über unseren Besuch. Ich geh mal rüber, spreche mit meinen Eltern und anschließend rufe ich Tante Sofia an. Ich bin gleich wieder da und sage euch Bescheid.«

»Beeil dich«, drängte Lisa ungeduldig. »Ich halte diese Spannung nicht länger aus.«

»Bis nachher«, verabschiedete sich Enzo und eilte nach Hause.

Georg, Lisa und Ingo gingen derweil nach unten in die Küche. Die Mutter stand gerade am Spülbecken und schüttete Nudeln in ein Sieb. »Für den Nudelauflauf«, erklärte sie beiläufig, drehte sich um und putzte ihre Hände an der Küchenschürze ab. »Was liegt euch auf dem Herzen, Kinder?«

»Woher weißt du, dass wir dir eine Frage stellen wollen?«, stutzte Lisa.

»Warum solltet ihr sonst so frühzeitig in die Küche kommen?«, fragte die Mutter lächelnd. »Das Essen dauert noch mindestens eine Stunde.«

»Du hast uns ertappt, Mama«, offenbarte Georg. »Wir möchten die Ferien bei Enzos Tante in Speyer verbringen.«

Frau Seifert kniff nachdenklich die Augen zusammen. »Die Frau hat nichts dagegen?«

»Das wissen wir noch nicht. Enzo telefoniert gerade mit Tante Sofia«, erwiderte Ingo.

Die Mutter presste die Lippen zusammen. »Ich befürchte, ihr könntet der Frau zur Last fallen.«

»Nein, Mama«, wehrte sich Lisa. »Du kennst uns doch. Wir können uns selbst versorgen und selbst beschäftigen. Wir sind für niemanden eine Last.«

»Genau«, stimmte Georg zu. »Es ist so, als wären wir unsichtbar.«

»Also gut«, stimmte die Mutter zu. »Wenn Tante Sofia einwilligt, wird sie wohl nichts dagegen haben, und an mir soll es nicht liegen.«

Daraufhin kam ein verhaltenes »Dankeschön.« Denn noch wussten sie ja nicht, ob Enzos Tante überhaupt zusagen würde.

Die Kinder versammelten sich in Ingos Zimmer und legten sich am Fenster auf die Lauer, um Enzo abzupassen.

»Wo bleibt er nur so lange?«, jammerte Lisa. Am liebsten hätte sie sofort ihre Koffer gepackt und wäre abgereist. Werden sie überhaupt verreisen? Wird Enzos Tante dem Besuch zustimmen? Diese Ungewissheit machte Lisa nervös.

»Jetzt beruhige dich endlich, Lisa«, beschwichtigte Ingo. »Rechne einfach mit einer Absage von Tante Sofia. So fällt dir das Warten auch nicht mehr so schwer.«

»Er kommt!«, rief Georg.

Alle beobachteten, wie Enzo durch die Einfahrt zur Haustür lief. Seinem Gesicht konnten sie nichts entnehmen. Er schaute neutral. Weder ein Lächeln, noch Traurigkeit war zu erkennen. Im Flur vor der Zimmertür wurde Enzo von Lisa, Georg und Ingo empfangen.

Lisa bemerkte auf einmal seine trübe Miene. »Oh nein, ich wusste es. Sie will uns nicht bei sich haben!«

»Nein«, antwortete Enzo. »Tante Sofia muss über die Osterferien arbeiten.«

»Schade«, raunten Ingo, Georg und Lisa.

»Ihr wisst ja. Sie hat einige Putzstellen und gibt Italienischkurse«, erklärte Enzo mit leidendem Gesichtsausdruck, wobei sich seine schwarzen, buschigen Augenbrauen über seinen dunkelbraunen Augen senkten.

Getrübt setzten sich die Kinder aufs Bett.

Enzo räusperte sich. »Wäre eure Mutter eigentlich einverstanden gewesen?«

»Ja, aber wen interessiert das noch?«, brummte Georg.

Enzo zuckte mit den Schultern. »Da kann man nichts machen. Tante Sofia muss arbeiten.«

»Ja, leider«, klagte Lisa mit trauriger Miene.

»Ich sagte ihr aber, es würde uns nichts ausmachen«, erzählte Enzo weiter.

»Wie kannst du das sagen? Natürlich macht es uns was aus«, widersprach Ingo. »Ich hätte gerne die Osterferien dort verbracht.«

»Nein. Du hast mich falsch verstanden«, sagte Enzo. »Ich meinte, es macht uns nichts aus, wenn sie arbeiten muss. Wir können trotzdem kommen.«

Lisas Augen weiteten sich. »Was jetzt? Heißt das, wir dürfen doch zu ihr kommen?«

»Natürlich. Wir sind immer willkommen«, verkündete Enzo freudestrahlend. »Sie hat zwar wenig Zeit für uns, aber dennoch freut sie sich sehr über unseren Besuch.«

Lisa boxte Enzo im Spaß auf den Arm. »Du Schuft hast uns reingelegt. Ich muss zugeben, du warst sehr überzeugend.«

»Wir verbringen unsere Osterferien in Speyer!«, rief Georg außer sich vor Freude.

»Du bist der Beste, Enzo«, jubelte Ingo.

Schnell rannten die Kinder nach unten in die Küche und verkündeten der Mutter die freudige Nachricht. 

»Schön, Kinder«, freute sich Frau Seifert für die Kinder. »Wann soll es losgehen?«

Georg, Lisa und Ingo schauten Enzo fragend an. »Morgen früh! Morgen ist Samstag, euer Papa könnte uns fahren«, schlug Enzo vor.

»Gute Idee. Hoffentlich fährt er uns«, pflichtete Georg bei.

»Selbstverständlich wird er euch fahren«, versicherte die Mutter. »Ihr wisst, euer Vater kann euch diesen Wunsch nicht abschlagen, weil ihr die ganzen Osterferien mit langen Gesichtern herumsitzen würdet.«

Lisa kicherte. »Nein, wir würden mit dem Bus oder dem Zug fahren. Aber Papa fährt uns vielleicht auch nicht ganz ohne Eigennutz.«

Die Mutter verschränkte die Arme und schaute Lisa kritisch an. »Was willst du damit andeuten, Lisa?«

»Naja«, druckste Lisa herum. »Wenn wir weg sind, habt ihr das Haus zwei Wochen lang für euch alleine.«

Hatte Lisa recht? Und wie sie recht hatte. Frau Seifert liebte die Kinder, aber wenn sich diese langweilten, konnten sie wirklich den ganzen Tag durchs Haus wuseln, was einem den letzten Nerv rauben konnte.

Die Mutter sah großzügig über Lisas Bemerkung hinweg. »Habt ihr eure Koffer gepackt?«

»Nein, noch nicht«, rief Lisa aufgeregt. »Das müssen wir noch tun.«

»Ja, geht eure Koffer packen. Bis ihr so weit seid, ist das Nachtessen fertig«, verkündete Frau Seifert.

Die Kinder stürmten durch den Hausflur. »Hurra! Wir fahren zu Tante Sofia«, riefen alle fast gleichzeitig.

Georg, Ingo und Lisa rannten die Treppe hinauf und Enzo eilte zum Packen nach Hause. Nur etwa dreißig Minuten später standen alle Koffer gepackt im Hausflur für die Abreise bereit.

Im selben Moment ging die Tür auf und Herr Seifert kam herein. »Nanu? Guten Abend, Kinder. Geht’s auf Reise?«

»Guten Abend«, grüßten alle gleichzeitig, 

»Enzos Tante aus Speyer hat uns über die Osterferien eingeladen. Morgen früh dürfen wir kommen«, verkündete Lisa freudestrahlend.

Der Vater schmunzelte. »Soll ich euch fahren?«

»Ja, das wäre echt nett. Danke, Herr Seifert«, erwiderte Enzo.

»Kein Problem, Kinder«, meinte Herr Seifert.

»Danke, Papa«, riefen Ingo, Georg und Lisa wie aus einem Mund.

Herr Seifert winkte ab. »Keine Ursache.«

»Händewaschen! Das Essen ist fertig«, rief die Mutter aus der Küche.

Kaum war ihr Ruf verhallt, saßen alle hungrig am Tisch und aßen gierig leckeren Nudelauflauf mit Erbsen und Möhren. 

»Wir könnten in Speyer so wie letztes Mal einen Reitausflug im Reffenthal machen«, freute sich Lisa.

»Ich habe das Schlauchboot und die Schwimmwesten eingepackt. Wir können auf dem Badesee eine Bootsfahrt machen«, stellte Ingo in Aussicht.

»Oh Mann. Ich freue mich richtig auf die Ferien«, freute sich Enzo ebenfalls. »Soll ich das Kochen diesmal übernehmen?«

»Das ist gut gemeint von dir, aber wir kochen gemeinsam«, erwiderte Georg.

»Ich hätte aber ebenso alleine kochen können«, stellte Enzo klar.

»Nein! Wenn du kochst, landet mehr in deinem Magen als im Kochtopf«, neckte Lisa, worauf alle lachten.

Zum Nachtisch gab es eine große Schüssel Obstsalat - bestehend aus Erdbeeren, Ananas, Apfelstücken und Mandarinen. Als alles aufgegessen war, gingen die Kinder in Ingos Zimmer und beobachteten Ingo, der im Internet recherchierte. 

»Ich schreibe alle Straßennamen von Speyer auf, wo in letzter Zeit durch den angeblichen Meteoritenschauer die Fenster zersprungen sind«, erwähnte Ingo nebenbei.

»Wie lange geht das schon so?«, hakte Enzo nach.

»Es hat vor drei Wochen angefangen und passiert alle drei Tage«, teilte Ingo mit, ohne seinen Blick vom Bildschirm abzuwenden.

»Hoffentlich werden wir nicht von einem Meteoriten getroffen«, befürchtete Lisa.

Georg lachte. »Das wäre wie ein Sechser im Lotto, wenn nicht, noch viel unwahrscheinlicher.«

»Georg hat recht«, stimmte Ingo zu. »Ich denke, wir müssen uns keine Sorgen machen und ich bin mir absolut sicher, das Phänomen ist menschengemacht.«

Enzo fuhr sich mit der Hand über seinen schwarzen Lockenkopf. »Hoffen wir, dass du dich nicht irrst.«

Ingo druckte die Liste mit den Straßennamen aus und schob sie in eine Klarsichthülle.

Lisa sah sich die Liste an. »Wie soll uns das weiterbringen?«

»Wir könnten uns die Straßen genauer anschauen?!«, nahm Georg die Antwort vorweg.

»Ja, zum Beispiel«, stimmte Ingo zu.

»Ich denke immer noch, dass ein Glaser dahintersteckt, der sich mit der ganzen Aktion Arbeit beschaffen will«, teilte Enzo seinen Verdacht mit.

Lisa rümpfte nachdenklich die sommersprossige Nase. »Oder es erlaubt sich nur jemand einen Scherz, um die Menschen zu erschrecken.«

»Das wäre aber ein teurer Scherz«, meinte Georg. »Darüber kann bestimmt keiner lachen.«

Ingo zog seine Brille ab und polierte die Gläser an seinem T-Shirt. »Das sind alles Ferndiagnosen. Wir wissen mehr, wenn wir dort sind.«

Den Rest des Abends spielten die Kinder Memorykarten, um ihr Gedächtnis zu trainieren. Noch vor 22 Uhr am Abend ging Enzo nach Hause und die anderen legten sich schlafen.

 

 

*****