Band 11 - Ein neues Abenteuer

Ingo, Georg und Lisa sind eine Woche allein zu Hause.

 

Aber schon in der ersten Nacht wird Lisa durch ein lautes Stöhnen geweckt. 

 

Was steckt dahinter?

 

Natürlich wieder ein neuer Fall fürs IGEL-Team. Hals über Kopf stürzen sie sich in ein neues Abenteuer.

 

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Das Hochzeitsgeschenk

Blendend hell stahlen sich die Sonnenstrahlen durch den pinkfarbenen Vorhang in Lisas Schlafzimmer und trafen ihr sommersprossiges Gesicht. Ein sommerlich warmer Windhauch drang durch das aufgeklappte Fenster und blähte den Vorhang auf wie das Segel eines Schiffes auf stürmischer See. Melodisch zwitschernd begrüßten die Vöglein den Morgen. Lisa gähnte tief, streckte sich aus und blickte auf den Wecker. 

»Es ist Zeit zum Aufstehen«, sagte sie fröhlich.

Sie band ihr langes, blondes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen, schwang sich aus dem Bett, eilte aus dem Zimmer in den Flur und verschwand gegenüber im Badezimmer. Nach etwa 20 Minuten kehrte sie angezogen, frisch und munter in ihr Schlafzimmer zurück. Sie zog die Gardine beiseite, öffnete das Fenster und legte die Bettwäsche zum Lüften hinaus. Danach öffnete sie die Nachttischschublade, nahm einen gelben Briefumschlag heraus und schob ihn in die Gesäßtasche ihrer Bluejeans. Leise eine Melodie summend verließ sie ihr Zimmer und traf im Flur auf ihre beiden Brüder Georg und Ingo, die im selben Moment auch gerade aus ihren Schlafzimmern kamen.

»Hallo, guten Morgen«, begrüßten sie sich.

Auf Ingos Brillengläsern spiegelte sich das sonnenbeschienene Flurfenster. »Hast du den Umschlag?«, fragte er geheimnisvoll grinsend.

Lisa griff betont an ihre Gesäßtasche. »Klar doch!«

»Ich bin gespannt, wie sie darauf reagieren werden«, freute sich Georg.

Während sie die Stufen hinabstiegen, kam ihnen ein Duft von heißer Schokolade entgegen.

Lisa schnüffelte genüsslich. »Das werde ich die nächsten 7 Tage echt vermissen.«

»Wir auch«, gab ihr Georg recht.

Unten im Hausflur angekommen, sahen sie durch das Milchglas der Haustür die Umrisse ihres molligen Freundes Enzo. Er drückte sich fast die Nase an der Scheibe platt, dass man selbst seine dichten, schwarzen Locken durch das Glas erkennen konnte.

Georg, der wegen seiner Größe aussah wie 19, obwohl er erst 13 Jahre jung war, öffnete die Tür.

»Guten Morgen«, grüßten sie sich.

»Wartest du schon lange, Enzo?«, wollte Ingo wissen.

»Seit einer Ewigkeit. Ich bin am Verhungern«, übertrieb Enzo wie jeden Morgen, wenn er zum Frühstück rüberkam.

Enzo war Italiener, seine Eltern betrieben eine Pizzeria und hatten wenig Zeit, sich um ihn zu kümmern. Darum war er im Hause der Seiferts sozusagen ein Stammgast. Denn er verbrachte die meiste Zeit mit den drei Geschwistern der Familie Seifert.

Ingo schmunzelte. »Klar bist du am Verhungern. Warum habe ich überhaupt gefragt, wenn ich die Antwort bereits vorher wusste?«

Lisa zeigte auffällig auf ihre Gesäßtasche. »Hier ist der Umschlag, bevor du fragst.«

Gemeinsam gingen sie in die Küche, wo Frau Seifert bereits das Frühstück vorbereitet hatte. Wie jeden Werktag-Morgen war sie schon seit einigen Stunden wach. Sie frühstückte immer mit ihrem Mann, bevor der zur Arbeit ging. Danach bereitete sie das Frühstück für die Kinder vor.

»Guten Morgen, Mama«, grüßten Lisa, Georg und Ingo wie aus einem Mund.

»Guten Morgen, Frau Seifert«, grüßte auch Enzo.

Frau Seifert stand gerade am Toaster, wo sie die Toastscheiben anröstete. »Guten Morgen, Kinder.«

Die Kinder setzten sich an den Tisch, auf dem heiße Milch, Kakao, Erdbeermarmelade, Pfirsichmarmelade, Pflaumenmus und Honig bereitstand. Die Mutter stellte das Körbchen mit den Toastscheiben dazu und ging zurück zur Anrichte, wo sie Äpfel für einen Kuchen schälte. »Habt ihr nun was geplant für eure Sommerferien oder werdet ihr zu Hause bleiben?«

»Es ist schade, dass Papa nur eine Woche Urlaub bekommen hat«, bedauerte Georg. »Wir verbringen die Sommerferien zu Hause und werden Boot fahren, wandern, ins Schwimmbad gehen und was uns noch alles so einfällt.«

»Genau«, stimmte Ingo zu. »Hier gibt es genügend Möglichkeiten etwas zu unternehmen.«

»Ihr wollt wirklich zu Hause bleiben? Wenn ihr zu Enzos Tante nach Speyer fahren möchtet, würden wir es euch erlauben«, stellte die Mutter in Aussicht.

Enzo schüttelte den Kopf. »Ich möchte auch lieber diese Ferien in Bad Bergzabern bleiben.«

»Habt ihr nicht morgen euren Hochzeitstag, Mama?«, fragte Lisa scheinheilig, während sie sich ein Erdbeertoast schmierte.

Die Mutter lächelte. »Ja, so ist es.«

Enzo grinste frech. »Möchten Sie uns loswerden, Frau Seifert?«

Frau Seifert schaute Enzo erstaunt an. »Um Himmels willen. Nein?! Von mir aus könnt ihr zu Hause die Ferien verbringen.«

Ingo klappte seinen Laptop auf, aß nebenbei ein Pflaumenmustoast und trank seine heiße Schokolade. Enzo hatte sich einen Erdbeertoast, einen Pfirsichtoast und einen Honigtoast geschmiert und biss immer abwechselnd davon ab. Zwischendurch nippte er an seinem Kakao.

Georg bemerkte, wie sich Ingo in seinem Klapprechner vertiefte. »Gibt es etwas Neues, Ingo?«

Ingo schüttelte den Kopf, ohne seinen Blick zu heben. »Nein. Nur, dass das Museum in der Stadt Landau renoviert wird.«

Zufrieden und satt lehnten sich nach dem Frühstück alle zurück. Lisa legte den gelben Briefumschlag auf ihren Teller und zwinkerte den Jungs zu. Die Mutter stellte jedem zum Abschluss ein großes Glas kühlen Orangensaft auf den Tisch und entdeckte den Umschlag.

»Was ist das für ein Kuvert?«, wunderte sie sich.

»Das ist von uns, zu eurem Hochzeitstag«, erwähnte Georg.

»Was ist da drin?«

»Keine selbst gemalten Bilder wie früher. Diesmal ist es etwas Besseres«, verkündete Lisa strahlend.

Die Mutter schmunzelte und öffnete unter den wachsamen Kinderaugen den Umschlag. Ihre Augen wurden groß, ihre Finger zitterten und ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. »Meine Güte … ist das wirklich …?« 

»Ja«, bestätigte Ingo. »Das ist ein einwöchiger Urlaub in Österreich in einem Hotel mit Thermalbad für dich und Papa. Damit ihr einmal so richtig entspannen könnt.«

»Was habt … das war bestimmt nicht billig?!«, japste die Mutter nach Luft ringend.

»Das haben wir von unserem IGEL-Team Konto bezahlt. Es ist ein Geschenk von uns allen«, erklärte Enzo.

»Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll?«, freute sich die Mutter. »Ich danke euch, Kinder.« Sie bedankte sich bei allen nacheinander mit einer herzlichen Umarmung.

»Ihr könnt gleich morgen früh losfahren«, kommentierte Ingo.

»Ja«, freute sich die Mutter. »Wenn ich den Apfelkuchen gebacken habe, werde ich gleich die Koffer packen. Papa wird sich auch sehr darüber freuen.«

»Es soll dort sehr schön sein«, bemerkte Ingo. »Ich habe das Hotel übers Internet gebucht. Die Bewertungen sind Spitzenklasse.«

»Werdet ihr während unser Abwesenheit zurechtkommen?«, vergewisserte sich die Mutter.

Lisa winkte überheblich ab. »Na klar, Mama. Du kennst uns doch.«

»Morgen wollten wir eigentlich die Gartenarbeit erledigen«, fiel Frau Seifert ein. »Aber das können wir auch heute Abend noch machen.«

»Wir übernehmen das«, versprach Georg. »Wir können das genauso gut wie du und Papa.«

»Das müsst ihr nicht, Kinder«, widersprach die Mutter.

Doch die Kinder ließen sich nicht davon abhalten und setzten sich schließlich durch.

 

***

 

Bei strahlendem Sonnenschein kamen Enzo, Ingo, Georg und Lisa hinaus in den Garten.

Enzo schaute sich zuerst einmal kritisch um. »Denkt ihr, wir bekommen den Rasen so hin, wie eure Eltern ihn immer pflegen?«

Lisa zuckte mit den Schultern. »Warum nicht? Hast du Zweifel daran?«

»Na ja«, antwortete Enzo unsicher. »Eure Mutter ist immerhin eine gelernte Gärtnerin und ihre Erwartungen werden hoch sein?!«

»Wir schaffen das schon«, war Ingo zuversichtlich. »Zuerst werden wir den Vorgarten in Angriff nehmen, danach den Garten hinterm Haus.« Er holte hinten im Obst- und Gemüsegarten den mechanischen Rasenmäher aus dem Geräteschuppen und brachte ihn zum Vorgarten.

Georg nahm ihm den Rasenmäher aus der Hand. »Ich werde den Rasen mähen.«

»Gut«, war Ingo einverstanden. »Dann werde ich die Rasenkanten mit der Akkuheckenschere schneiden.«

»Ich befreie die Blumenbeete vom Unkraut«, meldete sich Lisa freiwillig.

Enzo vergrub die Hände in den Hosentaschen. »Was soll ich machen? Zuschauen?«

Ingo gab ihm den Laubrechen. »Du kannst die Rasenkanten zurückhalten, während ich schneide, damit wir keinen Igel verletzen, falls sich einer im hohen Gras verstecken sollte.«

»Das kann ich machen«, erklärte sich Enzo bereit.

Die Aufgaben waren verteilt und das Team machte sich an die Arbeit. Georg fuhr mit dem Handrasenmäher über das knöchelhohe Gras, während Enzo die Rasenkanten herunterdrückte, damit sie Ingo mit der Heckenschere schneiden konnte. Lisa zupfte die Wildkräuter aus den Blumenbeeten. Obwohl es noch recht früh am Morgen war, war es bereits ziemlich warm, denn die Sonne brannte gnadenlos vom wolkenlosen Himmel nieder.

Nach über einer Stunde war der Vorgarten fertig und die Kinder schauten ihr Werk zufrieden an. 

»Prima. Das haben wir gut gemacht. Dann gehen wir jetzt nach hinten in den Nutzgarten«, wollte Georg keine Zeit verlieren.

Hinter dem Haus knieten sich alle nieder und jäteten zwischen den Kräutern, Obst und Gemüsepflanzen das Unkraut. 

Urplötzlich ließ sich Enzo rückwärts auf die Erde plumpsen. »Ich kann nicht mehr. Mein Magen rebelliert«, jammerte er.

»Ich bin schon unterwegs«, rief Ingo, eilte ins Haus und kam kurz danach mit einem Müsliriegel nach draußen. »Ich weiß, ich habe dir das Leben gerettet«, nahm Ingo Enzos Worte vorweg.

»Genau, das hast du«, antwortete Enzo dankbar. »Dankeschön.«

Das war typisch für Enzo. Jedes Mal wenn er Hunger bekam, veranstaltete er ein Drama. Ingo sorgte dann dafür, dass Enzo etwas zu essen bekommt. Enzo selbst hätte sich keine Notrationen mitnehmen können, da er sie wahrscheinlich alle auf einmal gefuttert hätte.

Lisa, Ingo und Georg sahen zu, wie Enzo den Riegel binnen Sekunden verschlang. Anschließend lockerten sie den Erdboden mit der Hacke etwas auf. Zum Schluss bewässerte Georg die Beete mit dem Wasserschlauch.

Kurz vor Mittag kamen sie nass geschwitzt nach vorne in den Vorgarten. Lisa bewässerte die Blumenbeete mit dem Schlauch und schloss diesen anschließend am Rasensprenger an.

Ingo begutachtete seine schmerzenden Hände. »Oje. Das gibt Schwielen.«

Auch Georg, Enzo und Lisa betrachteten ihre geschundenen Hände und entdeckten Blasen.

»Bei mir gibt es auch Schwielen«, klagte Lisa. »Nächstes Mal ziehen wir Gartenhandschuhe an.«

»Die Idee wäre gut gewesen«, stimmte Georg zu. »Wäre dir das nur vorher eingefallen.«

Enzo machte ein jammervolles Gesicht. »Meine Hände brennen wie Feuer und ich habe einen Bärenhunger.«

»Diesmal liegst du mit deinem Hungergefühl richtig«, bemerkte Lisa grinsend. »Es ist auch schon Zeit fürs Mittagessen.«

»Ich geh schnell heim, duschen, mich umziehen und bin sofort bei euch«, sagte Enzo und eilte die Straße hinunter zum Nachbarhaus.

Das taten die drei Geschwister ebenfalls. Gerade als sich Lisa, Georg und Ingo frisch gemacht hatten und die Treppen der oberen Etage herunterkamen, kam Enzo zur Haustür rein.

Gemeinsam betraten sie die Küche, wo die Mutter den Mittagstisch vorbereitet hatte.

»Ich glaube, ich träume«, freute sich Enzo, als er die Frikadellen und den Gurkensalat auf dem Tisch sah.

»Ihr habt es euch nach der harten Arbeit und dem tollen Geschenk mehr als verdient«, lobte Frau Seifert. »Ich habe euch für die nächsten Tage einiges zum Essen vorbereitet. Im Kühlschrank sind noch Frikadellen und eine Schüssel Nudelsalat. Im Gefrierfach findet ihr einen Beutel Gulaschsoße, einen Beutel Hackfleischsoße und außerdem Schweinekoteletts. Die Koteletts sind allerdings noch roh, die müsstet ihr euch selbst anbraten.«

Lisa schüttelte den Kopf. »Aber, Mama! Das wäre doch nicht nötig gewesen. Wir wären sicher nicht verhungert! Ihr seid nur sieben Tage weg?!«

»Danke, Frau Seifert«, bedankte sich Enzo. »Ich finde, es war nötig.«

»Danke, Mama«, bedankten sich auch Lisa, Ingo und Georg.

»Keine Ursache, Kinder. Leider müsst ihr euch eure Fruchtsäfte selbst besorgen. Die reichen nicht für eine Woche.«

»Das ist kein Problem«, versicherte Georg. »Du kennst uns. Wir können uns gut selbst versorgen. Versuche einfach, abzuschalten und uns zu vertrauen.«

Mit Genuss aßen die Kinder ihren Gurkensalat und ein mit Frikadellen belegtes Schwarzbrot, während die Mutter nach draußen ging und sich das Ergebnis der Gartenarbeit ansah. 

Zufrieden lächelnd kam sie nach einer kurzen Weile zurück. »Das habt ihr sehr gut gemacht, Kinder«, war sie begeistert und stellte jedem zur Belohnung ein Stück des frisch gebackenen Apfelkuchens hin, worauf ein entzücktes Raunen durch die Runde ging.

Nach dem Essen gingen die Kinder in Ingos Zimmer, ruhten sich von der Gartenarbeit aus und spielten danach Memory. Anschließend unternahmen sie eine Radtour durch die umliegenden Ortschaften und kamen pünktlich zum Abendessen nach Hause. Nach dem Essen spielten sie in Ingos Zimmer Stadt-Land-Fluss, bis es Zeit zum Schlafen war.

 

 

*****

 

 

Ein aufregender Tag

 

Der nächste Morgen ließ nicht lange auf sich warten, denn die Nacht verging rasend schnell. Die Kinder hatten sich früher zum Frühstück verabredet, damit sie dieses gemeinsam mit den Eltern einnehmen konnten, bevor diese abreisen mussten. Gleich nach dem Frühstück luden die Seifert-Eltern ihre Gepäckstücke ins Auto, verabschiedeten sich und fuhren los. Die Kinder standen an der Haustür und winkten ihnen hinterher.

Ingo rieb sich die Hände. »Das hätten wir.«

»Was hätten wir?«, wunderte sich Lisa. »Es hört sich fast so an, als ob du was geplant hättest?!«

»Ach was«, entgegnete Ingo. »Ich habe nichts geplant. Wir lassen die Tage einfach auf uns zukommen.«

»Ihr wisst, Jungs, dass wir nun für alles hier verantwortlich sind«, erinnerte Lisa. »Wir müssen uns ab heute selber um unser Mittagessen und um das Abendessen kümmern.«

»Ja, leider. Ab morgen früh auch um das Frühstück«, fügte Enzo bedauernd hinzu.

»Na und?« Georg zuckte gleichgültig mit den Schultern. »Das meistern wir problemlos, Leute.«

»Jetzt gehen wir erst einmal ins Schwimmbad«, schlug Lisa vor. »Wie findet ihr das?«

»Das ist eine gute Idee«, waren die Jungs mit ihr einer Meinung.

Sie füllten ihre Trinkflaschen mit Traubensaftschorle und packten sie in die Kühltasche ein. Danach packten sie ihre Badesachen zusammen und fuhren mit den Fahrrädern ins Freibad. Die Schwimmbecken und die Liegewiesen waren fast menschenleer.

Georg breitete die bunt karierte Decke im Gras nahe des Schwimmbeckens aus. »So früh am Morgen ist wenig los hier.«

»Die meisten Kinder schlafen um diese Uhrzeit noch«, gab Lisa hinzu.

Ingo warf einen Blick auf seine Armbanduhr. »Leute, es ist auch erst kurz nach 9 Uhr?!«

»Meine Güte, wir haben unseren Proviant vergessen«, erschrak Enzo.

»Nein«, lachte Lisa. »Wir müssen zu Hause essen, weil Mama uns anrufen wird, sobald sie im Hotel angekommen ist.«

»Wir haben keinen Proviant mitgenommen?« In Enzos Miene spiegelte sich ein Anflug von Verzweiflung. »Aber, wenn ich …«

»Für den Notfall, wenn du Hunger bekommst, habe ich Müsliriegel dabei, falls du das gerade sagen wolltest«, unterbrach Ingo.

»Das wollte ich wirklich sagen«, gab Enzo zu. »Danke, Ingo.«

»Jungs! Lasst uns endlich ins Wasser gehen!«, drängte Lisa, rannte über den Rasen zum Schwimmbecken und sprang kopfüber ins kühle Nass.

Georg und Enzo folgten ihr und sprangen hinterher. Enzo landete auf dem Bauch. Eine Wasserfontäne spritzte empor. Ein schriller Pfiff ertönte. 

»Oh nein. Der Bademeister«, rief Lisa erschrocken. 

Sie hatte recht, denn ein gebräunter Mann im weißen T-Shirt und weißer kurzer Hose näherte sich ihnen mit grimmiger Miene und zeigte auf ein Schild am Beckenrand. »Könnt ihr nicht lesen? Es ist verboten, vom Beckenrand zu springen!«

»Aber wir sind doch die Einzigen im Schwimmbecken«, widersprach Georg. »Folglich haben wir damit auch keine Badegäste belästigt?!«

»Es ist grundsätzlich verboten«, wurde der Mann laut. »Haltet euch gefälligst an die Regeln, sonst fliegt ihr raus!«

»Okay, es tut uns leid und es kommt nicht mehr vor«, entschuldigte sich Lisa für alle.

Erleichtert sah sie ihm nach, wie er zu seinem Stuhl zurückkehrte, wo er sich in seine Zeitung vertiefte.

»Mann, der hat aber eine miese Laune«, bemerkte Georg und tauchte ab.

»Wo bleibt eigentlich Ingo?«, interessierte sich Enzo.

»Da kommt er«, antwortete Lisa und zeigte zu Ingo, der gerade mit einigen Sachen in den Händen über den Rasen auf das Schwimmbecken zukam.

Am Beckenrand blieb er stehen und legte die Artikel ab. »Ein Tauchring, unsere Taucherbrillen, der Wasserball und meine wasserdichte Stoppuhr«, kommentierte er.

Georg tauchte gerade auf. »Ingo, komm ins Wasser!«

»Ich bin schon unterwegs«, antwortete Ingo, zog seine Brille ab, legte sie zu den Tauchartikeln und sprang über das Einmeterbrett nasezuhaltend und mit den Füßen voran ins Wasser.

Georg lachte laut. »Du springst wie ein Mädchen, Mann. Hättest wenigstens kopfüber springen können.«

Lisa stieg aus dem Becken, schritt aufs Einmeterbrett und sprang kopfüber ins Wasser. »So springt ein Mädchen«, stellte sie klar, wofür sie respektvolle Blicke erntete.

Zusammen schwammen sie einige Bahnen hin und her. Dann tauchten sie gemeinsam am Grund des Beckens entlang, bis sie schließlich auftauchten. Nach und nach füllte sich das Schwimmbad mit Badegästen. Immer mehr Kinder tobten und immer mehr Erwachsene lagen entspannt auf der Wiese und sonnten sich.

Ingo warf den tellergroßen Ring ins Wasser, der langsam auf den Boden des Schwimmbeckens hinabsank. »Lisa?«, forderte er auf und griff zur Stoppuhr.

Lisa setzte ihre Taucherbrille auf, tauchte hinab und kam nach wenigen Sekunden mit dem Ring nach oben.

Enzo und Georg klatschten Applaus und Ingo nickte respektvoll. »Das war eine gute Zeit.«

Danach tauchten Georg, dann Enzo und zuletzt auch Ingo nach dem Ring. Alle hatten es binnen weniger Sekunden geschafft, was eine erstaunliche Leistung war.

»Wir werden immer besser«, sagte Georg. »Das ist keine Herausforderung mehr für uns. Selbst Enzo, der sonst immer Probleme mit der Tiefe hatte, ist heute echt in Bestform.«

Enzo nickte und lächelte selbstzufrieden. »Ja, es war gar kein Problem für mich.«