Band 15 - Ein eisiges Abenteuer

Lisa, Enzo, Ingo und Georg freuen sich sehr. Die Weihnachtsferien haben begonnen und es schneit kräftig. Alles sieht anfangs nach geruhsamen Ferien aus, aber das soll sich schnell ändern. Denn schon sehr bald bekommen die Kinder als IGEL-Team eine Einladung aus Österreich. In einem Kurhotel tragen sich eigenartige Dinge zu, deren Ursache sie auf den Grund gehen sollen. Touristen werden bestohlen und die Gegenstände verschwinden wie von Geisterhand aus dem Hoteltresor, obwohl die Angestellten aufgrund der Diebstähle beim Verlassen des Hotels strengstens kontrolliert werden.

Wie schaffen es die Täter, die Beute aus dem Tresor zu entwenden, und wie schleusen sie diese trotz strengster Kontrolle aus dem Hotel?

Das IGEL-Team begibt sich auf Spurensuche und gerät dabei in ein gefährliches Abenteuer.

Kann das IGEL-Team die Diebstahlserie aufklären und der Gefahr entfliehen?

 

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Endlich Weihnachtsferien

Die elfjährige Lisa saß auf der Eckbank in der Küche, umklammerte ihre Tasse mit der dampfend heißen Schokolade und sah über ihre Schulter hinweg aus dem Fenster. Dicke Schneeflocken rieselten vom grauen Himmel herab, landeten an der Fensterscheibe und sanken langsam zum Fenstersims hinab. Der weiße Bretterzaun, der Rasen und die Büsche des Vorgartens waren dick mit Schnee bedeckt. Auch die Straße lag unter einer dicken, festgefahrenen Schneedecke, und selbst der frisch geräumte Gehweg war schon wieder zugeschneit.

Angenehm warme Heizungsluft stieg hinter der Eckbank empor und wärmte Lisa den Rücken. Aus dem Backofen strömte ein herrlicher Duft nach Weihnachtsplätzchen, der den ganzen Raum erfüllte. Frau Seifert stand an der Anrichte mit einem weißen Küchenschurz bekleidet und dosierte mit einer Tortenspritze den Kokosmakronenteig auf die Oblaten, welche sie zuvor auf einem mit Backpapier vorbereiteten Backblech ausgelegt hatte. Lisa drehte sich zum Tisch, strich sich eine lange blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und biss in ihren knusprigen Toast mit Erdbeermarmelade. 

Lisas Bruder, der dreizehnjährige Georg, den man aufgrund seiner Größe und Statur oft auf neunzehn Jahre schätzte, sah über Lisa hinweg zum Fenster. »Es schneit ohne Ende.«

Lisas zweiter Bruder, der zwölfjährige Ingo, sah über den oberen Rand seiner Brille hinweg in das Display des Klapprechners. Wie immer war er so abgelenkt, dass er um sich herum gar nichts mitbekam. So kannten sie ihn. Er las viel und seine Interessen waren vielseitig. Als Pfadfinder hatte er auch einige Tricks auf Lager. Er war ein hervorragender Denker mit handwerklichem Geschick.

»Ja, Georg. Das Wetter ist echt klasse. So wünscht man sich den Winter«, stimmte der zwölfjährige, schwarz gelockte Enzo zu.

Enzo Vangelista gehörte nicht zur Familie der Seiferts. Er war Italiener und wohnte in der Nachbarschaft. Seine Eltern betrieben eine eigene Pizzeria, waren immer mit ihrer Pizzaküche und dem Lokal beschäftigt und hatten daher wenig Zeit für ihn. Aus diesem Grund hielt sich Enzo die meiste Zeit bei den Seiferts auf. Er kam immer vor dem Frühstück zu seinen Freunden und blieb bis zum späten Abend. Lisa, Georg und Ingo waren wie Geschwister für ihn, ebenso würden sie auch nicht mehr auf Enzos Anwesenheit verzichten wollen. Weil Enzo mollig und oft hungrig war, liebte Lisa es, ihn aufgrund dessen zu ärgern. Aber dies geschah auch umgekehrt. Lisa war sehr sportlich, aber die Kleinste und Schlankste unter ihnen, was wiederum Enzo dazu veranlasste, sich über sie lustig zu machen. Enzos Spezialität war es, täuschend echt Tierstimmen nachzuahmen, was ihnen in schwierigen Situationen oft aus der Klemme geholfen hatte.

Wie bei jedem Frühstück hatte Enzo auch an diesem Tag seine vier Toastscheiben penibel vorbereitet, bevor er mit dem Essen anfing. Eine Scheibe mit Pflaumenmus, eine mit Himbeergelee, eine mit Erdbeermarmelade und eine Scheibe mit Honig. Erst jetzt fing er an zu essen.

»Wir könnten im Vorgarten einen schönen, großen Schneemann bauen«, kam Lisa die Idee.

»Wir könnten aber auch eine Schneeballschlacht machen«, erwiderte Georg.

»Wie alt seid ihr? Drei?«, scherzte Enzo. »Wir suchen uns im Wald eine schöne steile Lichtung und fahren Ski und Schlitten.«

»Ich muss ungern zugeben, Enzos Idee ist gut«, antwortete Lisa erheitert.

»Natürlich ist die Idee gut«, lenkte Enzo ein. »Den Schneemann können wir ja trotzdem bauen, wenn du unbedingt willst.«

»Das machen wir«, freute sich Lisa. »Die Schneeballschlacht werde ich auch machen. Du musst ja nicht mitmachen, Enzo. Es reicht, wenn ich dich als Zielscheibe benutze.«

»Ha«, lachte Enzo. »Dazu musst du mich erst einmal treffen.«

»Bei deiner Körperfülle kann ich werfen, wohin ich will. Ich kann dich nie verfehlen«, neckte Lisa.

»Bis du deinen spindeldürren Arm mit dem schweren Schneeball gehoben hast, bin ich längst über alle Berge«, konterte Enzo lachend.

»Darf ich euch mal stören?«, redete Georg dazwischen. »Wie wäre es, wenn wir ohne Ingo gehen?«

Sofort hob Ingo den Kopf. »Was ist mit mir?«

»Ach. Guten Morgen, Ingo«, grüßte Georg. »Schön, dass du auch wieder bei uns bist. Wir hatten gerade den Tag geplant.«

»Was habt ihr geplant?«, wollte Ingo wissen.

»Wir bauen einen Schneemann, machen eine Schneeballschlacht und fahren Schlitten und Ski«, erklärte Lisa.

Ingo senkte seinen Kopf zum Display. »Okay.«

»Das klingt nicht gerade begeistert«, wunderte sich Georg.

 

 

*****

 

Der Schneeräumdienst

Die Mutter stellte wie jeden Morgen den Kindern vier große Gläser Orangensaft auf den Tisch, damit sie zum Abschluss des Frühstücks ausreichend Vitamine für den Tag bekamen.

»Werdet ihr dieses Jahr die Weihnachtsferien zu Hause verbringen?«, fragte Frau Seifert, die befürchtete, die Kinder könnten sich langweilen und den ganzen Tag unruhig durchs Haus wuseln.

»Klar bleiben wir hier«, antwortete Lisa, wobei in ihrer Stimme etwas Bedauern mitschwang.

Georg nickte zustimmend. »Wir können hier auch viel unternehmen.«

Ingo klappte seinen Rechner zu. »Schade. Wie es scheint, muss ich wohl alleine nach Österreich fahren und meine Ferien in einem Kurhotel mit Thermalbädern verbringen.«

Georg, Lisa und Enzo sahen Ingo mit großen Augen an.

Dieser lächelte zufrieden. »Wir haben soeben eine Einladung von einem österreichischen Kurhotel bekommen«, fügte er lächelnd hinzu, worauf Enzo, Georg und Lisa ohrenbetäubend laut jubelten.

Die Mutter sah Ingo fragend an. »Wirklich? Wie kam es denn zu dieser Einladung?«

Ingo blickte nachdenklich zum Fenster, wo draußen immer noch dicke Schneeflocken herabrieselten. »Wir dürfen dort kostenlos die Ferien verbringen, wenn wir um das Hotel herum den Schnee wegräumen.«

Frau Seifert hob als Ausdruck von Ungläubigkeit die Augenbrauen. »Ihr sollt Schnee wegräumen? Wie kommen diese Leute ausgerechnet auf euch?«

»Wir haben einen Winterdienst auf unserer Homepage angeboten«, schaltete sich Enzo dazwischen. »Wir bieten an, Schnee wegzuräumen.«

Misstrauisch kniff die Mutter die Augen zusammen. »So, so, einen Winterdienst. Kann ich diese Homepage mal sehen?«

»Natürlich«, antwortete Ingo, klappte seinen Rechner auf und klickte die Webseite an, wo die Kinder tatsächlich ihre Dienste als Schneeräumer in der Ferienzeit anboten.

Der Mutter huschte ein Lächeln übers Gesicht. »Das ist hervorragend. Ich freue mich für euch.«

Die Anspannung war so groß, dass es die Kinder nicht mehr länger auf den Stühlen hielt. Sie sprangen auf und hüpften jubelnd in der Küche umher.

Enzo eilte nach Hause, um seinen Eltern die freudige Nachricht zu verkünden und seine Koffer zu packen. Unterdessen gingen Lisa, Georg und Ingo nach oben und packten ebenfalls ihre Koffer.

»Das ging ja schnell«, freute sich Georg. »Gerade erst gestern Abend haben wir die Webseite mit dem Winterdienst eingerichtet und heute haben wir schon einen Auftrag.«

»Ja«, stimmte Lisa zu. »So schnell hätte ich auch nicht damit gerechnet.«

Ingo sah seine Geschwister müde lächelnd an und Georg stutzte. »Was ist los, Ingo? Was hat dieser Blick zu bedeuten?«

»Lass mich raten«, zischte Lisa. »Das Hotel hat sich gar nicht für den Winterdienst bei uns gemeldet?!«

Ingo grinste breit und nickte. »Natürlich nicht. Seit einigen Wochen werden im Hotel Bergsicht Gäste bestohlen und daher wird das gesamte Personal jedes Mal beim Verlassen des Hotels durchsucht. Aber die Gegenstände sind und bleiben verschwunden, berichtete mir der Hotelbesitzer Herr Schlüter.«

»Hurra«, jubelte Lisa. »Wir fahren in ein Hotel, um einen Fall zu lösen.«

»Spitze! Wir haben einen neuen Fall als IGEL-Team«, ergänzte Georg fröhlich.

»Wie könnten die Diebstähle vor sich gehen?«, überlegte Lisa. »Wird das Diebesgut möglicherweise über einen Geheimgang abtransportiert?«

Georg blickte geheimnisvoll in die Runde. »Vielleicht ist der Täter auch gar nicht unter dem Personal zu finden?«

Die Tür flog auf und Enzo kam herein. »Alles erledigt. Meine Koffer stehen unten im Flur.« Er setzte sich auf den Fußboden auf den hochflorigen, weißen Flokati. »Das ist unglaublich. Der erste Auftrag für unseren Winterdienst, das ist wirklich schnell gegangen.«

»Fehlanzeige, Enzo«, neckte Lisa. »Wir wurden als IGEL-Team eingeladen, um eine Diebstahlserie aufzuklären.«

»Was?« Enzo schluckte. »Ich dachte, …«

»Falsch gedacht«, unterbrach Georg. »Das war nur eine Ausrede, damit sich unsere Eltern keine Sorgen machen.«

»Hurra, wir haben einen neuen Fall!«, jubelte Enzo. »Puh, das war gerade noch mal gut gegangen. Ich hatte echt befürchtet, wir müssten uns beim Schneeschippen abschuften, während die übrigen Hotelgäste einen entspannten Urlaub verbringen.«

»Apropos Urlaub«, sagte Ingo. »Da wir die nächsten zwei Wochen in Urlaub sind, werde ich das Angebot des Winterdienstes aus der Homepage herausnehmen.« Er setzte sich an seinen Schreibtisch, klappte den Rechner auf und machte sich an die Arbeit, die Seite zu löschen.

Währenddessen setzte sich Lisa auf die Fensterbank und schaute hinunter in den Vorgarten, der unter einer glitzernden, weißen Schneeschicht bedeckt war. Immer noch tanzten dicke Schneeflocken vom Himmel herab und die Straße war noch immer zugeschneit.

»Das ist so zauberhaft«, schwärmte sie.

Georg stand neben Ingo am Schreibtisch. Eine Hand vergrub er in der Hosentasche, mit der anderen Hand drehte er nervös am Leuchtglobus herum.

Enzo lag inzwischen auf dem Flokati und stützte seinen Kopf auf beide Hände. »Suchst du Österreich, Georg?«, fragte er scherzhaft, worauf Lisa und Ingo lachten.

»He, ich gebe dir gleich«, raunte Georg schief grinsend.

»In welchem Ort befindet sich das Hotel eigentlich?«, wollte Lisa wissen.

»Es ist das Hotel Bergsicht in Lermoos«, erklärte Ingo. »Das ist nur sechs Kilometer von der Zugspitzbahn entfernt.«

»Die Zugspitze? Toll«, meinte Enzo. »Da könnten wir endlich mal den höchsten Berg besuchen.«

Ingo rückte seine Brille zurecht. »Die Zugspitze ist mit knapp 3 Kilometern der höchste Berg von Deutschland. Aber der Großglockner ist mit knapp 3,8 Kilometern der höchste Berg von Österreich. Leider sind es über dreihundert Kilometer von Lermoos bis zum Großglockner.«

»Das ist mächtig weit«, staunte Georg. »Aber wenigstens zur Zugspitze könnten wir problemlos fahren.«

Enzo wälzte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Teppich hin und her und hielt sich dabei den Bauch.

Lisa lachte schadenfroh. »Oh, seht mal! Da ist wie immer jemand am Verhungern.«

Ingo holte einen Müsliriegel aus der Schreibtischschublade und reichte ihn Enzo, wie er es immer tat, wenn Enzo eine seiner berühmten Heißhungerattacken hatte.

»Danke, Ingo. Du hast mir das Leben gerettet«, übertrieb Enzo und verschlang gierig den Riegel.

Ingo war sozusagen der Wächter über Enzos Müsliriegel und nahm auch bei jedem Ausflug genügend davon mit, weil Enzo selbst keine Müsliriegel mitnehmen könnte, da er sie sonst im Nu alle aufessen würde.

Lisa ließ sich kontrolliert von der Fensterbank rutschen. »Ich weiß nicht, was ihr macht, Leute. Ich sitze nicht hier rum und warte, bis wir morgen endlich abreisen werden. Damit die Zeit schneller vergeht, beschäftige ich mich damit, einen Schneemann zu bauen.«

Enzo sprang auf. »Ich bin dabei. Lasst uns einen Schneemann bauen.«

»Na dann los«, sagte Georg. »Ich gehe in die Küche und besorge eine Möhre, die wir als Nase benutzen können.«

»Und ich suche in der Garage nach etwas, das wir als Hut verwenden können«, gab Ingo hinzu.

Sie schlüpften in ihre Jacken und flitzten die Treppen hinunter. Georg ging in die Küche und besorgte Bohnen und eine Möhre.

Lisa, Enzo und Ingo stürmten hinaus in den knöchelhohen Schnee, der unter ihren Schuhsohlen beim Laufen knarrte. Noch immer rieselten dicke Schneeflocken vom Himmel herab. Georg kam mit dem Material nach draußen, nahm die Schneeschaufel und schob in einem Rutsch den Weg zwischen Straße und Haustür frei. Lisa und Enzo formten den so entstandenen Schneehaufen zu einer Kugel. Georg räumte die Einfahrt frei, damit Ingo das Garagentor öffnen konnte, um einen Eimer zu holen, der dem Schneemann als Zylinder dienen sollte. Gemeinsam formten sie drei kleiner werdende Kugeln und setzten diese aufeinander.

»So, nun kommt der Hut«, sagte Ingo und setzte den Eimer obendrauf.

Die Möhre nutzten sie als Nase und mit trockenen Bohnen formten sie Mund, Augen und Jackenknöpfe des Schneemannes. Zufrieden schauten sie sich ihr Werk an.

Lisa kniff die Augen zusammen. »An irgendjemand erinnert mich der Schneemann.«

Enzos Miene wurde grimmig. »An dich selbst, weil er so blass ist?«

»Nein. An dich, Enzo«, lachte Lisa. »Er ist dir wie aus dem Gesicht geschnitten.«

Sofort beugte sich Enzo runter und formte einen Schneeball. Lisa trat einige Schritte zurück und kicherte. »Du wagst es nicht!«

Bevor sie zu Ende gesprochen hatte, traf sie der Schneeball am Arm und zersprang in tausend Stücke. Lisa formte ebenfalls einen Schneeball und traf Enzo an der Stirn.

»Das kannst du dir aber nicht von ihr gefallen lassen«, stellte sich Ingo auf Enzos Seite. »Ich helfe dir.«

»Ich bin schon da, Schwesterherz«, rief Georg und kam Lisa zur Hilfe.

Kichernd, lachend und herumtollend machten sie eine Schneeballschlacht, die sich gewaschen hatte. Die ganze Zeit über schneite es ununterbrochen und die Feuchtigkeit kroch durch die Strickmützen. Lisa konnte kaum noch Schneebälle formen, weil ihre Hände vom kalten Schnee bereits ganz steif geworden waren. Georg, Enzo und Ingo erging es nicht anders. Erst nachdem sich die Kinder ausgetobt hatten und langsam zur Ruhe kamen, spürten sie, wie unangenehm kalt es war.

Ingo bibberte vor Kälte. »Lasst uns nach drinnen gehen, um uns aufwärmen.«

Sie klopften sich den Schnee von den Jacken und Mützen, gingen ins Haus und hängten die Sachen an der Garderobe auf. Zitternd vor Kälte eilten sie nach oben in Ingos Zimmer, wo sie es sich auf dem flauschigen, weißen Flokati unter dem Fenster vor dem Heizkörper bequem machten.

Georg eilte zur Tür. »Ich besorge uns ein heißes Getränk.«

»Das ist eine tolle Idee«, lobte Ingo.

Lisa lehnte sich mit dem Rücken an den warmen Heizkörper. »Ja, das wird uns wärmen.«

Nach zehn Minuten kam Georg mit einer großen Thermoskanne, vier Bechern und einer Kunststoffbox zurück ins Zimmer. Er stellte die Kanne und die Box auf den Fußboden. »Eine Kanne Schwarztee und eine Dose leckere Kekse«, erklärte er, worauf ein erfreutes Raunen durchs Zimmer tönte.

Sie füllten die Becher, tranken ihren dampfend heißen Schwarztee und knabberten dazu Kekse. Es war sehr gemütlich. Draußen schneite es immer noch und der sanfte aber eisige Wind trieb die Schneeflocken an die Fensterscheibe. Lisa, Ingo, Georg und Enzo saßen vor der wärmenden Heizung und ließen sich Tee und Kekse schmecken und spürten, wie sich eine wohlige Wärme in ihnen ausbreitete.

Lisa schlürfte genüsslich ihren aromatisch duftenden Tee. »Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür.«

»Hoffentlich ist es in Österreich nicht auch so kalt«, meinte Enzo und erntete dafür fragende Blicke. Dann fing er an, herzhaft zu lachen. »Das war ein Witz, Leute. Ich weiß, dass es in Österreich mindestens genauso kalt ist wie hier. Nicht umsonst gibt es dort so viele beliebte Skigebiete.«

Lisa quietschte vor Freude. »Oh Mann. Ein Kurhotel in Österreich. Ich freue mich schon sehr auf unsere Ferien.«

»Das wird echt klasse«, freute sich auch Georg.

»Denkt daran, Leute: Wir sind nicht zum Vergnügen dort eingeladen, sondern wir haben einen Fall aufzuklären«, erinnerte Ingo.

»Hast du eigentlich eine Idee, wie wir vorgehen könnten, um den Täter zu schnappen?«, wollte Enzo von Ingo wissen.

Ingo rückte seine Brille zurecht und nickte. »Klar habe ich mir inzwischen Gedanken darüber gemacht. Wir legen einen Köder aus, und wenn der Dieb anbeißt, schnappt die Falle zu.«

»Toll«, sagte Lisa ironisch. »Geht es auch detaillierter? Du willst wohl nicht einen Wurm auslegen, oder?«

»Natürlich nicht«, antwortete Ingo mit einem triumphierenden Lächeln. »Wir müssen Mamas Mobiltelefon mitnehmen. Wir legen es ins Zimmer und warten einfach, bis es gestohlen wird.«

»Hey, das klingt echt zu einfach«, war Enzo begeistert.

»Du sagtest, die Beute ist nicht aufzufinden, trotz Durchsuchung des Personals?«, hakte Lisa nach.

Georg nickte. »Ja, so hat es der Hotelbesitzer geschrieben.«

Lisa kratzte sich nachdenklich an der Stirn. »Vielleicht wurde die Beute gar nicht aus dem Hotel entwendet? Es könnte doch sein, dass der Täter sein Diebesgut im Gebäude versteckt und wartet, bis die Luft rein ist, um es dann ungestört aus dem Haus zu bringen?!«

»Du meinst, die Beute lagert irgendwo im Hotel, bis Gras über die Sache gewachsen ist?«, vergewisserte sich Enzo.

»Ja«, bestätigte Lisa. »Deshalb verlief die Personalkontrolle bisher erfolglos.«

»Alles ist möglich, Leute«, stellte Ingo klar. »Darum sollten wir erst einmal das Hotel erkunden und das Personal unter die Lupe nehmen.«

Frau Seifert klopfte an die Zimmertür. »Kommt ihr zum Mittagessen?«

»Klar doch«, rief Enzo, der mittlerweile wieder einen Bärenhunger hatte. Er stürmte sofort hinaus, holte Frau Seifert noch auf der Treppe ein und war vor ihr in der Küche.

Nach und nach kamen Lisa, Ingo und Georg dazu und setzten sich an den Küchentisch, wo Enzo bereits händereibend auf das Essen wartete. Die Mutter servierte einen deftigen Nudelauflauf mit Paprikastücken und geriebenem Käse. Binnen weniger Minuten war die Auflaufform ratzeputz leer und die Kinder waren satt.

»Mama?«, fing Georg an. »Wir bräuchten dein Mobiltelefon.«

»Wozu?«, interessierte sich die Mutter.

»Wir wollen es mit in die Ferien nehmen«, fügte Lisa hinzu.

»Ihr seid doch sonst so gegen Mobiltelefone, weil die angeblich so abhängig machen?«, wunderte sich die Mutter.

»Wir wollen mal eine Ausnahme machen«, erklärte Ingo.

»Na schön. Ihr könnt mein altes Telefon mitnehmen. Da sind noch ein paar Euro Guthaben drauf«, bot die Mutter an.

»Prima«, freute sich Enzo. »Wir bringen es auch unversehrt zurück.«

»Unversehrt? Das möchte ich doch schwer hoffen«, antwortete Frau Seifert lächelnd, worauf alle lachten.

Lisa sah aus dem Fenster. Mittlerweile schneite es nicht mehr, aber der Vorgarten und die Straße waren dick mit Schnee bedeckt. »Es hat aufgehört zu schneien?!«

»Klasse. Lasst uns einen Verdauungsspaziergang machen«, schlug Georg vor.

Enzo, Lisa und Ingo waren von der Idee begeistert. So machten sie einen Spaziergang durch die Stadt Bad Bergzabern, deren Straßen, Gärten und Hausdächer unter einer glitzernden Schneedecke begraben waren. Es sah aus wie Zuckerguss und wirkte sehr unecht und die Häuser erinnerten an Lebkuchenhäuschen. Es war einfach nur zauberhaft. Sie liefen auf dem Gehweg entlang der Straße zur Innenstadt in Richtung Park.

Erwachsene waren in der Stadt nur wenige unterwegs, aber dafür umso mehr Kinder, die Schneeballschlacht machten, Schneemänner bauten und steile schneebedeckte Seitengassen jauchzend mit dem Schlitten herunterfuhren. Nur ganz mutige Autofahrer getrauten sich, im Schritttempo auf der Hauptstraße zu fahren. Die Stadt war wie ausgewechselt und kaum wiederzuerkennen. Wo sonst emsige Geschäftsleute und Stadtbummler unterwegs waren, waren nur noch spielende und herumtollende Kinder zu sehen, die sich an der Schneepracht erfreuten.

Lisa, Enzo, Georg und Ingo kamen bald darauf im Park an. Viele Spaziergänger waren mit ihren Hunden unterwegs. Die Tiere rannten und purzelten bellend und schwanzwedelnd im Schnee herum.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang durch den Park und durch die Stadt kamen die Kinder nach Hause. Zuerst einmal wärmten sie sich auf dem Flokati vor der Heizung in Ingos Zimmer auf. Bald gab es auch schon Abendessen. Frau Seifert hatte Salzkartoffeln mit Spiegelei und Spinat aufgetischt. Es war sehr lecker und die Teller waren in null Komma nichts leer. Zum Nachtisch aß jeder einen roten, saftigen Apfel. Den Rest des Abends spielten sie in Ingos Zimmer Karten, bis es Schlafenszeit war und Enzo sich verabschiedete und nach Hause ging.

 

 

*****