Band 18 - Die Eichhörnchen von Teneriffa

Was ist denn da auf Teneriffa los? Ingo, Georg, Enzo und Lisa freuen sich auf schöne Ferien auf der Kanareninsel Teneriffa, als sie plötzlich schneeweiße Eichhörnchen entdecken, die es eigentlich gar nicht geben dürfte.

 

Als IGEL-Team versuchen sie, mit detektivischem Spürsinn das Geheimnis zu lüften. Bevor sie sich versehen, stecken sie in einem gefährlichen Abenteuer.

 

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Über den Wolken

 

Hoch über den Wolken schwebte ein Flugzeug über den tiefblauen Himmel in Richtung der Kanarischen Inseln. Die weiß glänzende Oberfläche des Flugzeugrumpfes reflektierte die grellen Sonnenstrahlen, die sich auch in den Fenstern widerspiegelten.

Die elfjährige Lisa saß bequem in ihrem Sitz und lugte hinüber zu ihrem beiden Brüdern. Der zwölfjährige Ingo blätterte technikinteressiert im Flugzeugprospekt und Georg, der zwar erst dreizehn war, aber aussah wie neunzehn, stierte nach vorne zum Mittelgang, wo die Flugbegleiterinnen den Essenswagen vorbereiteten. In der Sitzreihe gegenüber saß der zwölfjährige, mollige, schwarz gelockte Enzo, der für die drei Geschwister wie ein Bruder war. Er behielt ebenfalls die Flugbegleiterinnen im Auge und lauerte Lippen leckend darauf, dass endlich das Essen verteilt wird, dessen köstlicher Duft schon den ganzen Innenraum der Flugzeugkabine erfüllte.

»Ich freue mich wahnsinnig, die Ferien auf der Insel Teneriffa zu verbringen«, jubelte Lisa.

Ingo, der vor der Abreise wie immer gründlich im Internet recherchiert hatte, rückte seine Brille zurecht. »Die Kanarischen Inseln sind vor etwa zwölf Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität entstanden.«

Enzo erschauderte. »Es gibt dort einen Vulkan?«

Ingo schmunzelte. »Ja, der Vulkan Teide ist mit 3718 Metern Höhe sogar ein sehr großer Vulkan. Aber keine Sorge, er ist derzeit nicht aktiv.«

»Wie hoch? 3718 Meter?«, wiederholte Lisa beeindruckt. »Das ist ja höher als Deutschlands höchster Berg?«

Ingo nickte. »Ja, die Zugspitze ist nur 2962 Meter hoch.«

»Wie groß ist Teneriffa überhaupt?«, interessierte sich Georg.

»Teneriffa ist achtzig Kilometer lang und fünfzig Kilometer breit und hat ungefähr eine Million Einwohner«, erklärte Ingo. »207 Tausend davon leben in der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife.«

»Was so viel wie heiliges Kreuz von Teneriffa bedeutet«, ergänzte Enzo stolz, der als Italiener einige spanische Worte verstehen konnte.

»Übrigens«, warf Ingo ein. »Auf den Kanaren hat der Kanarienvogel seinen Ursprung.«

»Stimmt. Das hattest du erwähnt, als wir damals nach Gran Canaria geflogen sind«, erinnerte sich Lisa. »In welcher Stadt werden wir unsere Ferien eigentlich verbringen?«

»In Playa San Juan«, erklärte Ingo. »Die 7000-Einwohner-Ortschaft hat einen schönen Sandstrand.«

»Klasse«, freute sich Enzo. »Ich bin so froh, dass Frau Mohr uns eingeladen hat.«

»Apropos Einladung«, griff Georg das Thema auf. »Sie hat uns eingeladen wegen ihrer Hunde? Hat sie nicht erklärt, worum es dabei genau geht?«

»Leider nein«, bedauerte Ingo. »Sie sagte nur, es gäbe ein Problem wegen ihrer Hunde.«

»Da bin ich mal gespannt, welches Problem das ist«, konnte Enzo es kaum noch erwarten.

Lisa schob sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und lehnte ihren Kopf an die Flugzeugscheibe. »Es muss wirklich gewaltig sein, wenn sie uns extra deswegen eingeladen hat und uns den Flug bezahlt.«

»Hat Frau Mohr eigentlich etwas über unsere Unterkunft erzählt?«, stellte Georg die brisante Frage.

Brisant deswegen, weil Lisa auf keinen Fall mit den Jungen in einem Zimmer schlafen würde. So ging auch Lisas Blick sofort zu Ingo, der zögerlich mit den Schultern zuckte. »Sie hat nichts von der Unterkunft erwähnt.«

»Na klasse«, fauchte Lisa.

»Musstest du jetzt damit anfangen, Georg?«, rügte Enzo, dem Lisas getrübte Laune sehr missfiel.

Georg winkte verharmlosend ab. »Lasst uns lieber bereden, was wir auf Teneriffa unternehmen werden.«

»Wir gehen schwimmen«, schlug Enzo vor.

»Und wir gehen wandern«, fügte Georg hinzu.

»Aber wir dürfen unsere Ausrüstung nicht vergessen, wenn wir wandern gehen. Es ist nämlich sehr gefährlich auf den Kanarischen Inseln in den Bergen zu wandern«, mahnte Ingo.

»Warum sollte das gefährlicher sein, als in Deutschland zu wandern?«, grummelte Lisa.

Ingo grinste schief, was den Anschein erweckte, dass er auf diese Frage gewartet hatte. »Weil es kilometerlange, unwegsame Strecken gibt, wo kein einziger Baum wächst. Der Weg ist steinig, anstrengend und birgt Verletzungsgefahren. Zudem sind Schattenplätze rar und die Sonne ist um ein Vielfaches stärker als in Deutschland. Man kann sich den Fuß verknacksen, einen Sonnenstich bekommen und innerlich austrocknen, dann macht der Kreislauf schlapp und man wird gnadenlos in der Sonne verbrennen, wenn nicht vorher die Nacht anbricht und man in der Dunkelheit einen Abgrund hinunterstürzt.«

Lisa runzelte die Stirn. »Das klingt wirklich verlockend«, sagte sie ironisch.

Ingo lächelte. »Wenn wir jedoch unsere Ausrüstung mitnehmen, kann uns gar nichts passieren.«

Endlich wurde das Essen ausgeteilt. Es gab Fleischklöße mit weißer Soße, dazu grünes Bohnengemüse und Kartoffelbrei. Als Nachtisch stand ein Kirschjoghurt auf dem Tablett. Zum Trinken bestellen sich alle einen Orangensaft. Während Lisa, Georg und Ingo noch die Aluminiumfolien von ihren Tellern entfernten, war Enzo schon am Essen.

Lisa grinste Enzo schelmisch an. »Iss nicht so viel, sonst wird das Flugzeug zu schwer und wir müssen notlanden.«

»Dafür isst du um so weniger, Hungerhaken«, konterte Enzo, worauf alle lachten.

Nach dem Essen lehnten sich alle zufrieden und satt in ihre Sitzen zurück und warteten, bis die leeren Tabletts eingesammelt wurden, was auch bald geschah.

 

 

*****

 

 

Ankunft auf Teneriffa

 

Nach insgesamt dreieinhalb Stunden Flugzeit, knapp 3500 Kilometer später, senkte sich die Maschine hinunter zum Atlantik und landete wenig später auf spanischen Insel Teneriffa. Vor Freude jauchzend eilten die vier Kinder aus dem Flugzeug durch den Terminal zur Gepäckhalle, wo viele Touristen mit ihren Kindern auf ihr Gepäck warteten. Bald kamen die Koffer übers Transportband angefahren. Lisa hielt den Gepäckwagen fest und Georg lud die Sachen auf. Enzo lief voraus und schob den Wagen nach draußen in die Vorhalle, wo aus der Menschenmenge eine Frau auftauchte. Ihr blondes Haar hatte die, etwa Ende 40-Jährige, zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

»Hallo, IGEL-Team. Ich bin Frau Mohr«, stellte sie sich vor und lächelte, wobei sich um ihre Augen kleine Fältchen bildeten.

Ein weißgelb geblümtes Sommerkleid umhüllte ihre zierliche Figur. An ihren sonnengebräunten Armen, Beinen und an ihrem tiefbraunen Gesicht, sah man ihr sofort an, dass sie bereits lange auf der sonnigen Insel lebte.

»Hallo, Frau Mohr, ich bin Enzo«, grüßte Enzo die Gastgeberin und zeigte mit einer fließenden Handbewegung über seine Freunde. »Das sind Lisa, Ingo und Georg.«

»Ich kenne euch aus eurer Webseite«, erwiderte die Frau. »Schön, dass ihr endlich hier seid.«

»Sie haben uns eingeladen, weil es ein Problem mit Ihren Hunden gibt?«, wollte Ingo unverzüglich mehr in Erfahrung bringen.

»So ist es«, bestätigte die Frau und lief eilig voraus in Richtung Parkplatz zum Auto. »Ich werde euch gleich alles genau erklären. Wie war euer Flug?«

»Danke, es war sehr schön«, antwortete Lisa, als sie durch eine große Glastür nach draußen traten, wo sie von herrlich warmen Sonnenstrahlen empfangen wurden.

Ingo sah zum tiefblauen Himmel. »Das Wetter ist fantastisch.«

Frau Mohr nickte. »In der Tat. Obwohl ich schon über achtzehn Jahre hier lebe, liebe ich das Wetter immer noch.«

Sie kamen am Auto an und Georg half Frau Mohr, das Gepäck in den Kofferraum zu laden. »Um was geht es bei der Geschichte mit den Hunden, Frau Mohr?«

»Also … mein Mann und ich, wir betreiben ein Wellnessstudio und sind von morgens bis abends von zu Hause weg. Als wir vor wenigen Wochen nach der Arbeit heimkamen, hatte jemand unsere Hunde rausgelassen. Es war sehr ärgerlich und wir brauchten den ganzen Abend, um sie einzufangen«, berichtete Frau Mohr aufgebracht.

»Sie sind sicher, dass sie jemand rausgelassen hat?«, vergewisserte sich Enzo, während sie in den Wagen stiegen.

Die Gastgeberin nickte. »Ja, es ist offensichtlich, weil der Ausbruchsschutz am Tor entfernt wurde.«

»Ausbruchsschutz?«, wiederholte Lisa.

»Ja, die Hunde könnten ohne Weiteres durch das Gitter des Eisentors schlüpfen. Darum haben wir als Schutz eine Matte aus Kunststoff angebracht«, klärte die Frau auf.

»Haben Sie einen Verdacht, wer es gewesen sein kann?«, wollte Ingo wissen.

»Leider«, bedauerte Frau Mohr. »Wahrscheinlich waren es unsere Nachbarn.«

»Wie kommen Sie zu diesem Verdacht?«, hakte Enzo nach.

»Wenn wir den ganzen Tag weg sind, kann es vorkommen, dass ab und zu mal die Hunde bellen. Wir glauben, unsere Nachbarn sind mittlerweile vom Hundegebell genervt und getrauen sich nicht, uns darauf anzusprechen. Deshalb lassen ihren Frust auf diese Weise ab.«

»Das wäre zwar sehr unverschämt und hinterlistig, aber das ist durchaus ein gutes Motiv. Sprechen Ihre Nachbarn deutsch?«, interessierte sich Georg.

»Ja, sie sind vor drei Monaten aus der Schweiz nach Teneriffa gekommen«, erwiderte Frau Mohr. »Eigentlich verstehen wir uns sehr gut und unterhalten uns oft über den Zaun hinweg.«

Dann herrschte für einige Minuten Stille, während die Frau den Wagen auf der Landstraße oberhalb der Steilküste entlangsteuerte. Zur rechten Seite ragten hohe Palmen und große Kakteen aus dem sandigen Boden, der in der Sonne funkelte und glitzerte wie Diamanten. Auf der linken Seite offenbarte sich ein wundervoller Ausblick übers tiefblaue Meer. Boote mit bunten Segeln ließen sich im Wind gemächlich dahintreiben.

Enzo, Lisa, Georg und Ingo starrten wie hypnotisiert aus den Autofenstern und konnten es gar nicht mehr erwarten, endlich auszusteigen und die Landschaft zu erkunden.

Bald erreichten sie den Ort San Juan, der aus einer Ansammlung von malerisch bunten Flachdachgebäuden bestand. Ein paar Straßen weiter kamen sie an einem Bungalow an.

Frau Mohr parkte den Wagen am Straßenrand vor einem hohen weißen Bretterzaun. »Hier wären wir.«

Die Kinder luden ihr Gepäck aus und folgten der Frau durch das Eisentor, an dem eine dunkelgrüne Kunststoffmatte befestigt war.

»Die Hunde halten sich nur im Hof auf. Die Kunststofflamellen haben wir angebracht, damit sie nicht ausbrechen können. Sie würden sonst einfach durch die Gitterstäbe schlüpfen«, erläuterte Frau Mohr noch einmal.

»Ja, das ist klar«, erkannte Ingo. »Der Abstand zwischen den Stäben ist sehr groß.«

»Und Sie haben uns gerufen, weil jemand diese Lamellen entfernt hat und Sie vermuten, es seien Ihre Nachbarn gewesen?!«, fasste Georg den Sachverhalt noch einmal zusammen.

»Ganz genau«, bestätigte Frau Mohr.

Enzo kniete sich vor dem Tor nieder. »Die Matte ist mit Schnüren befestigt.«

»Wir sehen uns das später genauer an. Lasst uns erst einmal unsere Unterkunft begutachten«, drängte Lisa ungeduldig.

»Ja, folgt mir«, bat Frau Mohr und ging voraus.

Durch den mit Kakteen bewachsenen, sandigen Vorgarten führte ein Weg aus silbergrauen Steinplatten direkt zum weißen Flachdachgebäude, wo er sich zu Stufen des höher gelegenen Eingangs und zur Seite des Hauses verzweigte.

»Euer Appartement liegt da hinten«, informierte Frau Mohr.

Die Kinder folgten ihr über einen schmalen Weg, der zwischen dem Haus und der hüfthohen Mauer des Nachbargrundstücks, auf der ein weißes Holzgitter montiert war, entlangführte.

Ingo lugte auf das mit Rasen bewachsene Nachbargrundstück, wo ein Bungalow stand. »Wohnen diese besagten Nachbarn hier?«

Frau Mohr schüttelte den Kopf. »Nein, die neuen Nachbarn wohnen auf der anderen Seite des Hauses. Mit diesen Nachbarn verstehen wir uns sehr gut, seit sie vor vier Jahren hier eingezogen sind. Die Frau ist Schriftstellerin und Hobbywebdesignerin. Sie hat uns sogar unsere Webseite für unser Wellnessstudio erstellt. Der Mann ist Rentner und kümmert sich um den Haushalt.«

Mit großen Augen sah Enzo zum Nachbargrundstück, das unter anderem mit bunt blühenden Hibiskuspflanzen, Oleander, Birkenfeigen und Aloe-Vera-Pflanzen prachtvoll aussah. »Und gärtnern können sie auch.«

»Ja, es ist eine wahre Blütenpracht«, stimmte Lisa zu.

Sie kamen an eine dunkelbraune Holztür, die seitlich ins Haus führte.

»Hier ist euer Appartement«, sagte Frau Mohr feierlich.

»He, klasse. Wir haben sogar unseren eigenen Eingang«, freute sich Georg.

»Ja, das Appartement ist vom oberen Wohnbereich getrennt, das heißt, es gibt keine Verbindung«, berichtete die Gastgeberin, als plötzlich tiefes Hundegebell zu hören war.

»Meine Güte, die Hunde müssen ganz schön groß sein«, meinte Enzo und behielt recht, denn im selben Moment kamen zwei große Hunde um die Ecke geschossen und rannten genau auf die Eindringlinge zu.

»Perla! Luna! Seid brav«, schrie Frau Mohr, worauf die Hunde sofort neben ihrer Besitzerin wohlerzogen stehen blieben. Sie zeigte auf die beiden Hunde. »Die Braune heißt Luna und die Weiße mit dem braunen Hinterteil heißt Perla, weil sie schwarze, perlenähnliche Punkte im Gesicht hat.«

»Im Italienischen heißt Luna Mond und Perla heißt Perle«, übersetzte Enzo stolz.

»Im Spanischen heißt es genauso«, war Frau Mohr von Enzos Spanischkenntnissen beeindruckt.

»Hallo, Luna und Perla«, grüßte Lisa die Vierbeiner liebevoll.

»Die sind ziemlich groß. Machen die was?«, fragte Enzo unsicher.

Frau Mohr winkte lachend ab. »Nein. Die sehen nur so gefährlich aus, aber in Wirklichkeit sind sie sehr schüchtern und lieb und könnten keiner Fliege etwas zuleide tun.«

Lisa streichelte sanft die beiden Hunde, die freudig handschleckend zurückgrüßten. Auch Ingo, Enzo und Georg streichelten die Hunde, die zurückgrüßten, worauf die Sache in einer regelrechten Schleckorgie ausartete, die mit lautstarkem Wuffen und heftigem Schwanzwedeln noch verstärkt wurde.

 

 

*****