Band 10 - Die Jagd nach dem Phantom

Ein neuer Fall für Lisa, Georg, Enzo und Ingo. Als sie ein E-Mail von einer Frau bekommen, die dringend ihre Hilfe braucht, werden die Kinderdetektive erneut als IGEL-Team aktiv.

Großmutter, Mutter und Tochter werden von einem Unbekannten bedroht.

Doch warum?

Wer verbirgt sich hinter dem Phantom?

Die Polizei ist machtlos. Jetzt kann nur noch das IGEL-Team helfen.

Werden sie es schaffen den Fall zu lösen?

Schnell wird klar … der Täter ist schlau und es wird nicht leicht sein, ihn zu überführen.

 

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Ein neuer Auftrag

 

Georg saß auf der Fensterbank in Ingos Zimmer und lugte aus dem Fenster in den frühlingshaften Vorgarten, wo prächtig blühende Oleander den Rasen umsäumten. Gedankenversunken beobachtete er die Vögel, die im hellgrün leuchtenden Blätterdach des Kastanienbaumes umherflogen. Georg war erst dreizehn, sah aufgrund seiner körperlichen Statur aber aus wie neunzehn. Noch immer hallten ihm die Worte seines Bruders Ingo in den Ohren, der gerade davon gesprochen hatte, dass ihnen als Detektive ein neuer Auftrag bevorstand, der soeben per E-Mail eingetroffen war.

Georgs Blick wanderte zurück ins Zimmer, wo der zwölfjährige Enzo und die elfjährige Lisa auf dem weißen, hochflorigen Teppich am Fußboden saßen. Der rundliche, schwarz gelockte Enzo wirkte neben der zierlichen, blonden Lisa noch molliger, als er ohnehin bereits war.

Lisa und Enzo vergruben ihre Finger in dem wolligen Teppich und beobachteten Ingo, der hoch konzentriert mit seinem Klapprechner auf den Knien auf seinem Bett saß und dabei seine Lippen bewegte. Das Display spiegelte sich in seiner Brille, über die er geheimnisvoll hinweg blickte.

»Jetzt lies uns endlich das Mail vor, Ingo!«, wurde Lisa ungeduldig. »Um was geht es bei dem Auftrag?«

»Ja, beeil dich und mach es nicht so spannend«, konnte es auch Enzo nicht mehr erwarten.

Georgs blaue Augen verengten sich, was ihn gefährlich aussehen ließ. »Nun mach schon, Ingo!«

Ingo räusperte sich und schien die Aufmerksamkeit zu genießen. »Das Mail ist von Frau Ludwig. Sie wohnt vorübergehend mit ihrer Tochter Melissa bei ihrer Mutter in Annweiler. Seit vier Tagen werden sie von einem Unbekannten bedroht, aber die Polizei kann ihnen nicht weiterhelfen, weil Frau Ludwig und deren Tochter den vermummten Mann mit dem schwarzen Mantel und dem Hut nicht identifizieren konnten. Deshalb hat uns die Frau nun eingeladen. Wir sollen die Sache aufklären und dem Ganzen ein Ende setzen.«

»Ein vermummter Mann mit schwarzem Mantel und Hut?«, wiederholte Enzo erschaudernd.

»Hey, das ist ein Phantom«, rief Georg, wobei man aus seiner Stimme die Unternehmungslust heraushören konnte.

»Schreibt sie auch, um welche Art von Bedrohung es sich handelt?«, interessierte sich Lisa, der sich bei dem Gedanken an diese Gestalt die Nackenhaare sträubten.

Ingo rückte seine Brille zurecht und nickte. »Natürlich hat sie darüber geschrieben. Sie bekommen Drohbriefe, der Mann klopfte mal am Fenster und wurde öfter in der Nacht im Garten gesehen.«

Enzos Neugier war größer als die Furcht. Begeistert klatschte er in die Hände. »Das klingt nach einem maßgeschneiderten Auftrag für uns.«

»Genau«, schloss sich Georg an. »Das ist ein perfekter Fall fürs IGEL-Team.«

Lisa stellte die alles entscheidende Frage, worauf alle gewartet hatten. »Toll, dass wir eingeladen wurden. Hat Frau Ludwig eigentlich auch erwähnt, wo wir schlafen werden?«

Georg und Ingo kannten ihre Schwester nur zu gut und es war klar, sie würde für nichts in der Welt mit ihnen und dem italienischen Nachbarsjungen Enzo in einem Zimmer schlafen. Wenn Lisa aufgrund der Zimmerproblematik diesen interessanten Auftrag absagen würde, wären die Osterferien für alle gehörig vermiest.

Ingo wollte und konnte das nicht zulassen. Genervt hob er die Augenbrauen. »Das mit dem Zimmer ist jetzt zweitrangig, Lisa.«

Lisas Miene verfinsterte sich umgehend, doch Georg reagierte sofort. »Keine Sorge, Lisa. Wir werden uns auf einen Schlafplatz einigen können. Falls nur ein Zimmer zur Verfügung stehen sollte, wirst du es bekommen. Enzo, Ingo und ich, wir würden notfalls im Wohnzimmer schlafen. Nicht wahr, Leute?«

»Meinetwegen«, stimmte Ingo zu.

»Ja, wir finden ganz bestimmt eine Lösung, mit der wir alle zufrieden sein werden«, beruhigte auch Enzo.

Grübelnd rückte Ingo seine Brille zurecht. »Viel wichtiger ist es, wie wir Mama und Papa beibringen sollen, dass wir in Annweiler ein Phantom jagen wollen.«

Enzo fuhr sich mit der Hand durch den schwarzen Lockenkopf. »Hm. Wir sagen einfach, wir wollen über die Osterferien in der Nähe von Annweiler zelten.«

»Hey, die Idee ist gut«, lobte Georg. »Obwohl erst Frühling ist, sind die Temperaturen angenehm und man könnte tatsächlich bereits zelten.«

»Ja, die Idee könnte glatt von mir sein«, stimmte auch Ingo zu.

Lisa tätschelte Enzo anerkennend die Schulter. »Du hast dich selbst übertroffen, Enzo.«

»Danke, merke dir das und halte es dir immer vor Augen«, scherzte Enzo und alle lachten.

Georg erhob sich von der Fensterbank. »Dann gehen wir mal zu Mama und erklären ihr unser Vorhaben.«

»Und ich flitze schnell rüber, erzähle meinen Eltern von unserem geplanten Zeltausflug und bringe gleich meine Zeltausrüstung mit«, erklärte Enzo und verließ hurtig das Zimmer.

Ingo, Georg und Lisa betraten wenige Minuten danach die Küche. Auf dem Herd stand ein großer silbriger Topf mit Eiern, dessen gläserner Deckel auf dem heißen, wabernden Wasserdampf klappernd tanzte.

»Hier kochen Eier. Wo ist Mama?«, dachte Lisa laut.

Ingo sah aus dem Fenster, wo Frau Seifert im Garten mit einer Gießkanne zugange war. »Mama ist draußen und gießt das Kräuterbeet.«

»Ich gehe raus und verkünde ihr unsere Ausflugspläne«, meldete sich Georg freiwillig. »Inzwischen könnt ihr beide unsere Zeltausrüstungen aus der Garage holen.«

»Wird gemacht, Chef«, freute sich Lisa.

»Bis nachher«, sagte Ingo und ging mit Lisa in die Garage, wo sie die Campingsachen aus dem Regal kramten.

Lisa legte die Utensilien auf dem Boden bereit. »Hier sind die Schlafsäcke und die Zelte.«

Ingo nahm Seile aus dem Regal. »Hier sind die Seile. Die Taschenlampen, Funkgeräte und Trillerpfeifen sind oben in meinem Zimmer.«

Lisa blickte Ingo fragend an. »Wozu brauchen …?«

»Hey«, unterbrach Ingo. »Wir machen nicht wirklich einen Zeltausflug. Wir haben einen Auftrag zu erledigen. Hast du das etwa vergessen?«

»Ach«, winkte Lisa ab. »Na klar. Ich war so auf die Ausrede mit dem Zelten fixiert und hatte es tatsächlich einen Augenblick lang vergessen.«

Georg kam aufgeregt zur Garage gerannt. »Ich habe es Mama gesagt.« Auf seiner Stirn standen senkrechte Falten, die nichts Gutes erahnen ließen.

»Oh nein. Sie hat es uns nicht erlaubt«, nahm Ingo die Antwort vorweg.

Im selben Moment kam Enzo voll bepackt mit Zelt, Rucksack und Schlafsack durch die Einfahrt in Richtung Garage gelaufen. Die düsteren Gesichter seiner Freunde bemerkte er sofort. »Was ist los mit euch?«

Lisa schmollte. »Vergiss den Auftrag, Enzo. Mama hat uns den Zeltausflug verboten.«

»Was?«, reagierte Georg überrascht. »Nein. Sie hat es erlaubt, aber wir dürfen erst morgen fahren, weil sie einen Hefeteig für einen Streuselkuchen vorbereitet hat und die Paprika für heute Abend für Spaghetti mit kalter Paprikasoße püriert hat.«

Enzo, Lisa und Ingo sahen sich erstaunt an, ihre Gesichter entspannten sich und erstrahlten zu einem Lächeln.

»Mensch, Georg«, fauchte Lisa. »Natürlich werden wir erst morgen fahren. Wer hat was davon gesagt, dass wir sofort fahren wollen?«

Georg schaute Lisa verblüfft an. »Ach so? Ich dachte …«

»Enzo! Schlage Georg bitte eine rein«, bat Lisa im Spaß.

Enzo starrte den einen Kopf größeren Georg an, der ihn schief von oben herab angrinste. »Versuche es mal, Kleiner!«

»Wer ich?«, lachte Enzo. »Das würde ich nie tun!«

Lisa grinste und schlug Georg auf den Oberarm. »Alles muss man selber machen.«

Georg spitzte nachdenklich die Lippen. »Du hast Glück, dass du ein Mädchen bist.«

»Leute!«, mischte sich Ingo ein. »Können wir jetzt weitermachen oder seid ihr noch nicht fertig mit euren Albereien?«

»Klar! Lasst uns unsere Detektivausrüstung richten«, stimmte Lisa zu, als gerade die Mutter ums Haus gelaufen kam.

»Äh … hallo, Mama«, stotterte Ingo, der sich nicht sicher war, ob die Mutter Lisas letzte Worte gehört hatte.

»Hallo, Kinder«, erwiderte die Mutter. »Mir wäre es lieber, wenn ihr erst Morgen fahren würdet, weil ich sonst zu viel Paprikasoße für heute Abend vorbereitet habe. Außerdem könnt ihr dann auch von dem Streuselkuchen mitnehmen, den ich nachher backen werde und ein paar Ostereier, die ich gerade färbe.«

»Streuselkuchen?«, wiederholte Enzo und leckte sich die Lippen. »Ich liebe Streuselkuchen, Frau Seifert.«

»Wir lieben auch Streuselkuchen, aber du, Enzo, du liebst eigentlich alles, was man essen kann«, bemerkte Lisa neckisch und löste damit Gelächter aus.

 

***

 

Die Kinder richteten ihre Ausrüstung für den Ausflug her und stellten alles im Flur neben der Haustür bereit. Bis zum Abendessen machten sie einen Spaziergang durch ihre Heimatstadt Bad Bergzabern.

Nach dem Essen begaben sie sich in Ingos Zimmer, das für die Kinderdetektive eigentlich eine Art Konferenzraum war. Dort trafen sie sich immer für Besprechungen, für Ermittlungsprotokolle oder Planungen, wenn sie als IGEL-Team einen Fall aufzuklären hatten. Um ihre Gedächtnisse zu trainieren und gut auf den neuen Fall vorbereitet zu sein, spielten sie, wie vor jedem neuen Auftrag, bis zum späten Abend Memory. Gegen 22 Uhr verabschiedete sich Enzo und ging nach Hause. Lisa und Georg zogen sich in ihre Schlafzimmer zurück und eine Stunde später schliefen alle tief und fest.

 

 

*****

 

 

Fahrt nach Annweiler

 

Georg schreckte aus dem Schlaf, als er ein klackendes Geräusch am Fenster hörte. Die Sonne schien auf den blauen Vorhang und tauchte das Schlafzimmer in ein angenehm bläuliches Licht. Georg streckte sich stöhnend und krächzend aus, setzte sich auf die Bettkante und versuchte, sich mit den Fäusten die Müdigkeit aus den Augen zu reiben.

Erneut klackte es. Mit zwei großen Schritten stapfte Georg zum Fenster, zog den Vorhang zurück und blickte hinunter. Enzo stand im Garten und winkte ihm zu.

Georg öffnete das Fenster. »Was ist los, Enzo?«

»Wie lange wollt ihr noch schlafen?« Enzos Stimme klang vorwurfsvoll.

»Oje, ausgerechnet heute mussten wir verschlafen. Wir kommen sofort, Enzo«, antwortete Georg.

Sofort stürmte er in den Flur, klopfte erst an Lisas, danach an Ingos Zimmertür und verschwand ins Badezimmer.

Als er aus dem Bad herauskam, begegnete ihm Lisa. »Es wird auch Zeit. Ich dachte, du willst im Badezimmer übernachten.«

Nach Lisa ging Ingo ins Badezimmer. Lisa und Georg standen derweil im Flur und warteten auf ihren Bruder, der kurz danach auch aus dem Bad kam.

»Danke, Georg, dass du uns geweckt hast. Jetzt aber schnell«, drängte Ingo. »Weiß eigentlich jemand, wie spät es ist?«

Lisa zuckte mit den Schultern. »Darauf hatte ich vor lauter Eile gar nicht geachtet.«

»Ich ebenso wenig«, gestand Georg. »Hoffentlich ist es nicht so spät.«

»Ich verstehe nicht, dass Mama uns nicht geweckt hat«, meinte Lisa vorwurfsvoll. »Sie weiß doch, dass wir heute Morgen verreisen wollen?!«

Die Geschwister kamen gemeinsam die Treppen herunter, wo sie Enzos Umrisse durch das Milchglas der Haustür erkannten.

Lisa öffnete die Tür. »Guten Morgen, Enzo.«

Enzo lächelte. »Guten Morgen, ich dachte, ihr hättet verschlafen, weil ich heute früher da war und sehr lange warten musste.«

»Was heißt, du dachtest?«, war Georg perplex. »Sind wir etwa nicht spät dran?«

»Nein, ihr seid sogar zehn Minuten früher als sonst«, offenbarte Enzo. »Aber ich war heute früher da. Ich habe sogar euren Vater gesehen, als er heute Morgen zur Arbeit gefahren ist. Ich bin sehr früh aufgestanden, habe einen Mordshunger und hätte es keine Sekunde länger ausgehalten.«

»Was?«, konnte es Lisa nicht glauben. »Du hast uns früher aus dem Bett geworfen, weil du Hunger hast?« 

Enzo senkte schuldbewusst den Kopf. »Äh … ja?«

Lisas Mund formte sich zu einer schmalen Linie. »Ich müsste Enzo eine reinhauen. Könnte mich nachher jemand daran erinnern?«

»Warum hast du nicht am Küchenfenster geklopft?«, fragte Ingo. »Mama ist doch immer früh in der Küche, um das Frühstück vorzubereiten, sie hätte dich sofort reingelassen.«

Enzo runzelte die Stirn. »Wozu? Das hätte mir nichts gebracht. Ich kann ja nicht ohne euch frühstücken.«

»Warum haust du ihn nicht gleich, Lisa?«, lachte Georg.

»Erst muss ich frühstücken und zu Kräften kommen«, kicherte Lisa.

Zusammen betraten sie die Küche, wo Frau Seifert bereits das Frühstück vorbereitet hatte. »Guten Morgen, Kinder.«

»Guten Morgen, Mama«, grüßten Lisa, Georg und Ingo gleichzeitig.

»Guten Morgen, Frau Seifert«, grüßte Enzo im melodisch vergnügten Ton.

»Ihr seid aber heute früh«, bemerkte Frau Seifert.

»Ja«, antwortete Ingo. »Enzo hat uns aufgeweckt, weil er Hunger hat.«

»Das war keine Absicht«, wehrte sich Enzo. »Ich dachte wirklich, ihr hättet verschlafen.«

»Das macht nichts«, beschwichtigte die Mutter. »Das Frühstück ist sowieso längst fertig.«

Sie setzten sich an den Tisch, wo geröstete Toastscheiben, Honig und verschiedene Marmeladesorten bereitstanden. Frau Seifert füllte die Tassen mit heißer Milch und heißer Schokolade auf. Die Kinder frühstückten, während Ingo wie immer neben dem Essen in seinem Klapprechner vertieft war. 

Die Mutter füllte währenddessen die Brotboxen mit Schinkenbrotschnitten und sauren Gürkchen auf. Danach wickelte sie die Streuselkuchenstücke in Küchenpapier ein und füllte die Thermoskannen mit Früchtetee auf. Schließlich stellte sie noch eine Kunststoffdose mit bunt gefärbten Ostereiern, knallrote Äpfel und eine Dose selbst gebackene Kekse dazu.

»Hier ist euer Proviant«, kommentierte sie.

»Dankeschön«, sagten alle wie aus einem Mund.

»Wie lange wollt ihr eigentlich wegbleiben?«, erkundigte sich die Mutter.

»Wir haben noch keine Ahnung. Vielleicht eine Woche oder zwei Wochen?«, meinte Lisa.

Auf dem Gesicht der Mutter spiegelte sich ein Anflug von Sorge. »So lange? Was wollt ihr zwei Wochen lang essen?«

»Mach dir keine Sorgen, Mama«, beschwichtigte Georg. »Wir nehmen genug Geld mit und werden uns im Supermarkt etwas kaufen.«

»Ja«, bestätigte Ingo, der kurz von seinem Klapprechner aufblickte. »In Annweiler gibt es viele Supermärkte.«

»Ist es eigentlich nachts nicht zu kalt, um in den Zelten zu schlafen?«, war die Mutter besorgt.

»Nein, Frau Seifert«, antwortete Enzo. »Wir haben gut gefütterte Schlafsäcke, mit denen wir ohne zu frieren, sogar im tiefsten Schnee schlafen könnten.«

»Das sage ich nur sehr ungern«, alberte Lisa. »Aber Enzo hat zufällig recht.«

Zum Abschluss des Frühstücks trank jeder ein großes Glas Orangensaft, um Vitamine für den Tag zu tanken. Danach packten sie ihren Proviant ein, verabschiedeten sich von der Mutter und machten sich voll bepackt auf den Weg durch Bad Bergzabern zum Busbahnhof.

Angenehm warm schien die Sonne vom tiefblauen und wolkenlosen Himmel herab. Auf den Straßen herrschte in den Morgenstunden noch wenig Verkehr. Es war sehr still und man hörte nur die Gummiräder der Koffer, die über die Pflastersteine des Gehweges holperten.

Am Busbahnhof angekommen, blickte Ingo auf den ausgehängten Fahrplan. »Der Bus nach Annweiler fährt in zwanzig Minuten.«

Lisa setzte sich auf die hölzerne Bank. »Okay! Setzen wir uns und beobachten die Leute. Das finde ich immer so interessant.«

Enzo, Ingo und Georg setzten sich dazu. Sie beobachteten, wie Busse anhielten, Leute einstiegen und wegfuhren. Als ihr Bus endlich einfuhr, stiegen sie ein und setzten sich ganz hinten auf die Rückbank. Bald startete die Fahrt in Richtung Annweiler.

Lisa, Georg und Enzo beobachteten die vorbeiziehende Landschaft, während Ingo in seinem Klapprechner las. »Der erste kraftstoffbetriebene Linienbus fuhr im Jahre 1895 in Nordrhein-Westfalen. Wusstet ihr das?«

»Klar, natürlich«, erwiderte Lisa, womit sie von Georg, Ingo und Enzo verblüffte Blicke erntete.

Doch dann fing sie an zu kichern. »Natürlich nicht! Woher sollen wir das wissen?«

Georg und Enzo lachten, aber Ingo zuckte mit den Schultern. »Weiß nicht, zum Beispiel aus Wikipedia?«

»Ich weiß nur, dass ein Pferd fünfzehn Pferdestärken haben kann«, rühmte sich Lisa.

»Das stimmt«, bestätigte Ingo. »Das hatte ich auch mal gelesen. Allerdings wurde das bei Rennpferden gemessen.«

Georg, Lisa und Enzo blickten aus dem Fenster, während der Bus über die Landstraße durch den Wald fuhr.