Band 25 – Der Störenfried im Hotel Mühlenruhe

Die Kinder des IGEL-Teams Ingo, Georg, Lisa und Enzo werden als Detektive ins Hotel Mühlenruhe eingeladen, um einen Fall aufzuklären. Dort treibt nämlich ein geheimnisvoller Störenfried sein Unwesen. Ständig kommt es zu Unruhen durch Sabotage oder Diebstähle. Wer steckt dahinter? Die Kinderdetektive hegen einen kuriosen Verdacht und gehen der Sache auf den Grund. Schnell wird klar, so einfach lässt sich das Problem doch nicht lösen. Der Störenfried treibt weiterhin sein Unwesen, was sie geradewegs in ein aufregendes Abenteuer katapultiert.

 

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Das Bootswettrennen

Graue Wolken hingen über der Pfälzer Kurstadt Bad Bergzabern. Wild tobte der Herbstwind und wehte die goldenen Blätter von den Bäumen. Ingo, Georg, Lisa und Enzo rannten auf der Wiese am Bach entlang, oder besser gesagt, neben ihren Schiffchen her, die sie kurz zuvor aus Styropor als Bootsrumpf, einem Trinkhalm als Mast und leuchtend grünen Klebezetteln als Segel gebastelt hatten.

»Ich hänge euch alle ab«, jubelte Ingo. »Der Sieg ist mein!«

So schien es tatsächlich. Es war zwar ein sehr knappes Wettrennen, aber Ingos Boot war schneller als die anderen. Wahrscheinlich, weil er den Rumpf aus Styropor keilförmig geschnitten hatte, was sie anderen nicht getan hatten. Doch es kam anders als gedacht. Denn bevor sich Ingo versah, geriet sein Boot in einen Wasserwirbel und drehte sich auf der Stelle um die eigene Achse wie ein Kreisel, während die anderen Schiffchen daran vorbeifuhren.

»Pech für dich, Ingo«, lachte der große Georg schadenfroh seinen zwölfjährigen Bruder aus. »Das war wohl nichts.« Georg war zwar erst dreizehn, sah aber aufgrund seiner Größe und seines Körperbaus aus wie neunzehn.

»Lacht nur. Ich hole euch gleich wieder ein«, drohte Ingo mit einem Lachen in der Stimme.

Er hob einen Zweig auf, lehnte sich über das Ufer und versuchte, das wirbelnde Boot aus dem Strudel zu befreien. Doch es kam, wie es kommen musste. Ingo rutschte auf dem matschigen Untergrund des Ufers aus und platschte mit einem kurzen aber gellenden Aufschrei ins kalte Wasser. Enzo, Georg und Lisa eilten ihm sofort zur Hilfe und zogen ihn raus.

»Gut, dass ich meine Brille nicht verloren habe«, krächzte Ingo triefend nass.

»Wir müssen nach Hause. Du musst so schnell wie möglich deine nassen Sachen ausziehen«, stellte der schwarz gelockte, mollige Enzo klar. »Bei dem kalten Wind wirst du schneller krank, als du gucken kannst.«

»Ihr habt recht. Ich friere bereits«, gestand Ingo und rieb sich fröstelnd die Oberarme. »Wer hat das Rennen eigentlich gewonnen?«

Georg zuckte mit den Schultern. »Niemand. Die Boote sind ohne uns davon gefahren.«

»Wen interessiert es, wer gewonnen hat?«, fragte die elfjährige, blonde Lisa mit Vorwurf in der Stimme. »Das ist doch jetzt Nebensache.« Sie sorgte sich sehr um ihren Bruder, dessen Klamotten klitschnass waren, und Haare nass am Kopf klebten.

Enzo kicherte und hielt sich die Hand vor den Mund. »Wenn Ingo gewusst hätte, dass das Wettrennen zur Nebensache wird, wäre er nicht so wagemutig seinem Boot hinterhergesprungen.«

Lisa und Georg grinsten, aber ihr Bruder Ingo schmollte. »Ich bin nicht hinterhergesprungen, das war ein Unfall.« Er zog seine nasse Jacke aus und Georg reichte ihm seine Jacke. Auf schnellstem Wege liefen sie durch den kühlen Herbstwind nach Hause.

Als sie die Einfahrt durchquerten, entdeckte Lisa eine Postkarte, die zur Hälfte aus dem Briefkasten lugte. »Eine Grußkarte? Ist jemand im Urlaub, den wir kennen?« Sie zog die Karte raus und starrte sie wenige Sekunden lang an. »Da ist eine Wassermühle drauf.«

»Nimm sie mit rein«, forderte Georg. »Ingo muss sich umziehen und sich aufwärmen. Wir lesen die Karte nachher in Ruhe. Das ist bestimmt nur Werbung.«

Lisa steckte die Karte ein, dann eilten sie ins Haus und huschten die Treppen hinauf in Ingo Zimmer. Ingo kramte frische Wäsche aus dem Schrank und flitzte ins Badezimmer, wo er heiß duschte und danach sein Haar trocken föhnte.

Unterdessen gingen Enzo, Lisa und Georg in die Küche, bereiteten Kakao zu und richteten einen Teller mit Frau Seiferts selbst gebackenen Keksen her, die sie aus der großen blechernen Keksdose holten. Durch das Fenster konnten sie Frau Seifert sehen, die mit einer Hand gerade frische Kräuter im Garten pflückte und mit der anderen Hand ihr langes blondes Haar festhielt, das im Wind wild tanzte.

»Das ist gut, so erfährt Mama wenigstens nicht, was Ingo zugestoßen ist«, erwähnte Georg.

»Ja, es wäre ihm bestimmt sehr peinlich«, lachte Lisa.

»Ich möchte nicht vom Thema ablenken, aber hier duftet es irgendwie nach Bratapfel«, sagte Enzo und schaute zum Backofen. »Lecker! Da ist ein Kuchen im Ofen.«

Georg und Lisa schauten ebenfalls durch die Ofenscheibe. »Das ist aber ein Stollenkuchen und kein Apfelkuchen«, stellte Lisa fest.

»Jedenfalls duftet er köstlich«, meinte Georg, dem das Wasser im Mund zusammenlief.

Mit dem Servierbrett voller Leckereien kamen die drei Kinder kurz danach in Ingo Zimmer.

»Die heiße Schokolade wird Ingo nach dem unfreiwilligen und kalten Bad guttun«, zeigte sich Georg fürsorglich.

»Ja, mir auch«, erwiderte Enzo und leckte sich die Lippen. »Auch die Kekse werden mir sehr guttun, da bin ich mir absolut sicher.«

»Du bist aber nicht in den Bach gefallen«, erinnerte Lisa. »Oder haben wir was verpasst?«

»Dürfte ich nur essen und trinken, wenn ich in einen Bach falle, wäre ich längst verhungert und verdurstet«, wies Enzo kritisch hin.

»Falsch«, neckte Lisa. »So wie ich dich kenne, würdest du vierundzwanzig Stunden am Tag in den Bach springen, nur um essen und trinken zu dürfen.«

»Ich fürchte, du hast mich durchschaut«, sagte Enzo, worauf Lisa und Georg lachten.

Ingo kam vom Badezimmer und schnüffelte im Zimmer herum. »Hier duftet es irgendwie nach Schokolade.«

»Das ist vollkommen richtig, Ingo. Wir haben hier eine Kleinigkeit vorbereitet«, antwortete Lisa und zeigte auf das Tablett mit den vier Tassen und der Keksschüssel. »Gut, dass du nicht länger im Bad zugebracht hast, sonst hätte sich Enzo nämlich alles selber einverleibt.«

»Ich fürchte, du hast mich erneut durchschaut«, kicherte Enzo.

»Ihr habt doch hoffentlich Mama nichts erzählt?«, sorgte sich Ingo.

Georg winkte ab. »Keine Sorge, das bleibt unter uns. Mama war gerade im Garten.«

»Gut, ich danke euch dafür, ich will nicht als Tollpatsch dastehen«, ärgerte sich Ingo über sich selbst.

»Das war doch nur ein dummer Unfall«, tröstete Lisa ihren Bruder. »Niemand wird dich als Tollpatsch bezeichnen.«

Sie setzten sich aufs Bett, schlürften ihren Kakao und knabberten Kekse dazu. »Danke für eure schnelle Reaktion, als ich in den Bach gefallen war«, bedankte sich Ingo aufrichtig.

»Auf uns ist eben Verlass«, versicherte Enzo.

»Ja, das war doch klar«, erwiderte Lisa. »Dafür sind wir ein Team.«

Georg nickte. »Obwohl wir dich eigentlich erst nach dem Wettrennen aus dem Bach fischen wollten.« Dafür kassierte er fragende Blicke. »Das war ein Scherz, Leute!«, offenbarte Georg, womit er ein schallendes Gelächter auslöste.

 

 

 

 

Die geheimnisvolle Postkarte

Nachdem die Kinder ihren heißen Kakao ausgetrunken hatten und ihnen wohlig warm war, zog Lisa die Postkarte aus ihrer Gesäßtasche und schaute sich zuerst das Bild noch einmal an. »Eine Wassermühle.« Sie drehte die Karte um und ihr Blick erstarrte.

»Was ist mit dir los? Von wem ist die Karte?«, wunderte sich Ingo.

»Wir sollen uns bei Rosalinde Lenz melden und auf keinen Fall anrufen«, antwortete Lisa.

»Wer ist Rosalinde Lenz? «, erkundigte sich Georg stirnrunzelnd. »Von was redest du?«

Lisa reichte die Karte rum. »Wir wurden eingeladen, unsere Ferien im Hotel Mühlenruhe zu verbringen, weil dort ein Störenfried sein Unwesen treibt.«

Nachdem Enzo und Georg die Karte gelesen hatten, bekam Ingo sie in die Hände.

»Liebes IGEL-Team«, las Ingo vor. »Wir haben hier im Hotel Mühlenruhe ein gravierendes Problem. Ein Störenfried treibt seit einigen Wochen im Hotel sein Unwesen. Wir laden euch ein, eure Herbstferien hier zu verbringen und hoffen, dass ihr den Störenfried schnappen werdet. Meldet euch aber bitte nur bei mir. Gruß Rosalinde Lenz.«

»Klasse«, jubelte Enzo freudestrahlend. »Wir verbringen die Herbstferien in einer Wassermühle.«

»Das ist wirklich klasse. Ich liebe Mühlen«, freute sich Georg. »Ich bin schon auf die Technik der Mühle sehr gespannt und werde alles ganz genau auskundschaften.«

»Eine Wassermühle? Auch das noch. Wir sollten gut aufpassen, dass uns Ingo nicht ins Wasser fällt«, scherzte Lisa, worauf Georg und Enzo herzhaft lachten.

Ingo zog den Mundwinkel schief. »Genug jetzt. Ihr hattet euren Spaß. Was ist ein Störenfried in diesem Fall?«

»Das ist jemand, der immer stört«, antwortete Enzo. »Wusstest du das nicht?«

»Das ist uns klar«, entgegnete Georg. »Ingo wollte wahrscheinlich wissen, welche Störungen er verursacht.«

»Ja, genau das wollte ich«, bestätigte Ingo. »Wenigstens hätte Rosalinde ein paar Vorfälle dazuschreiben können, damit wir wissen, um was es bei der Sache überhaupt geht.«

»Das werden wir wohl erfahren, sobald wir dort sind«, jubelte Lisa fröhlich.

»Das Mühlenhotel befindet sich bei dem Ort Haßloch, etwa achtundvierzig Kilometer von hier entfernt. Mit den Fahrrädern bräuchten wir ungefähr 2,5 Stunden«, verkündete Ingo, als er an seinem Klapprechner nachgesehen hatte. »Die Mühle liegt ein wenig Abseits und ist umgeben von Wald und Wiesen.«

»Achtundvierzig Kilometer schaffen wir locker«, war Lisa zuversichtlich. »Wir legen auf halber Strecke eine Picknick-Pause ein, dann kommt es uns nicht ganz so weit vor.«

»Für Picknick-Pausen bin ich immer zu haben«, scherzte Enzo.

»Jawohl!« Georg sprang vom Bett auf und ballte voller Tatendrang die Fäuste. »Wir haben einen Auftrag als IGEL-Team und werden dem Störenfried von Hotel Mühlenruhe das Handwerk legen!«

»Das werden wir«, riefen alle wie im Chor.

»Jetzt sollten wir Mama darüber informieren, dass wir unsere Ferien in Haßloch verbringen werden. Enzo muss ebenfalls seinen Eltern Bescheid sagen«, sagte Ingo.

»Als wir vorhin in der Küche den Kakao zubereitet hatten, war sie draußen im Garten«, erinnerte Georg. »Gehen wir raus und erzählen es ihr.«

»Was sollen wir sagen, warum wir ins Hotel eingeladen wurden, ohne ihr das mit dem Auftrag zu erzählen?«, grübelte Lisa. »Das würde sie bestimmt nicht erfreuen. Sie würde sich unnötige Sorgen um uns machen, wenn wir ihr von diesem Störenfried erzählen würden.«

»Ich hab' s. Wir sagen, wir sind als Sicherheitsdetektive dort eingeladen und sollen uns nur die Räumlichkeiten anschauen«, schlug Georg vor.

»Das ist grandios«, war Ingo von Georgs Idee begeistert, als gerade die Tür aufging und Frau Seifert herein lugte. »Was ist grandios, Kinder?«

»Es … es ist grandios. Wir dürfen unsere Herbstferien im Hotel Mühlenruhe in Haßloch verbringen, weil wir als Sicherheitsdetektive eingeladen wurden. Wir müssen nur das Hotel auf Sicherheitsmängel überprüfen«, erklärte Georg.

Frau Seifert lächelte. »Das ist großartig, Kinder. Wann soll es losgehen und wie kommt ihr da hin?«

»Wir fahren mit den Rädern«, teilte Ingo mit. »Wahrscheinlich werden wir gleich morgen früh losfahren, damit wir zeitig dort sind.«

»Gut. Ich bin eigentlich reingekommen, weil ich euch sagen wollte, dass ich schnell Milch für den Kartoffelbrei einkaufen muss«, informierte die Mutter.

»Oje, die haben wir für unseren Kakao aufgebraucht. Tut mir leid«, entschuldigte sich Enzo. »Ich muss jetzt sowieso nach Hause und meine Eltern über die Einladung informieren. Ich bringe einen Beutel Vollmilch mit. Wir haben im Lager der Pizzeria mehr als genug.«

»Das wäre prima, Dankeschön, mein Junge«, erwiderte Frau Seifert. »In dem Fall bin ich in der Küche und bereite das Abendessen zu, falls ihr mich braucht.«

In der nächsten Stunde packten die Kinder ihre Sachen zusammen und trugen sie in die Garage. Sie ölten die Ketten ihrer Fahrräder, pumpten die Reifen auf und verstauten das Gepäck in den Packtaschen und auf den Gepäckträgern.

»So, nun ist alles für die Abreise bereit«, sagte Lisa feierlich.

Nach getaner Arbeit, es dämmerte bereits, gingen die Kinder rauf in Ingos Zimmer, um sich die Zeit bis zum Abendessen zu vertreiben.

Ingo setzte sich an seinen Schreibtisch und knipste die Lampe an. »Ich habe noch eine kleine Überraschung für dich, Enzo.«

»Für mich?« Enzo schaute Ingo mit großen braunen Augen an. »Was soll das sein und warum? Habe ich etwa Geburtstag?«

»Nein, ich habe es in einem Internet-Shop gefunden und dachte mir, das wäre für dich genau das Richtige.«

Ingo zog die Schreibtischschublade auf und nahm ein zylinderförmiges Objekt heraus. Es war silbrig, etwa so dick wie ein Besenstiel und so lang wie eine Hand breit ist. Mit einer ausladenden Handbewegung überreichte er es Enzo.

»Was ist das?«, fragte Enzo und musterte irritiert das mysteriöse Teil in seiner Hand.

»Das ist ein Energiezylinder. Er wird deinen Hunger wie von Zauberhand verschwinden lassen«, erklärte Ingo melodisch.

Kritisch beäugte Enzo dieses Ding und kratzte sich dabei nachdenklich an seinem schwarzen Lockenkopf. »Du veräppelst mich doch! Das ist der Griff eines Regenschirms!«

»Was?«, fragte Ingo perplex. »Auf keinen Fall. Ich sagte doch, ich habe diesen Energiezylinder im Onlineshop gekauft! Der hatte sehr gute Bewertungen und da musste ich zugreifen. Anscheinend ist er sehr beliebt und sehr viele Leute haben damit eine erfolgreiche Diät gemacht.«

Lisa nickte. »Das ist etwas Esoterisches. So wie ein Glücksbringer oder Heilsteine.« 

Enzo grinste schief. »So? Wenn das so ist, kannst du mir sicher zeigen, wo du ihn gekauft hast, Ingo?! Ich würde die Bewertungen sehr gerne lesen.«

Ingo grinste selbstsicher. »Selbstverständlich kann ich dir das zeigen, Enzo.«

Er tippte auf seinem Klapprechner, rief einen Onlineshop auf und suchte nach dem Energiezylinder. Doch die Suche ergab null Treffer.

»Du wolltest mich reinlegen, ich wusste es doch gleich«, triumphierte Enzo. »Es ist doch der Griff eines Regenschirms.«

»Keineswegs, Enzo«, reagierte Ingo energisch. »Wie gesagt, der Zylinder hatte sehr viele und gute Bewertungen. Er ist wahrscheinlich schon ausverkauft und deshalb nicht mehr erhältlich. Ich habe gerade noch rechtzeitig zugegriffen, darüber kannst du echt froh sein.«

»Ja, das klingt logisch«, gab Georg zu. »Probieren schadet ja nicht, Enzo.«

»Ich glaube zwar nicht an einen solchen Hokuspokus, aber na gut. Ich werde es versuchen«, war Enzo einverstanden. Er musterte den Zylinder und steckte ihn in seine Hosentasche. »Danke, Ingo.«

»Gerne«, erwiderte Ingo lächelnd.

»Da bin ich wirklich gespannt, ob das Teil gegen Enzos Hungerattacken ankommt«, amüsierte sich Lisa.

»Ich glaube es nicht«, erwiderte Enzo. »Wie sollte mich dieses Ding satt machen?«

Die Kinder machten eine halbe Stunde Detektivtraining, bis Frau Seifert zum Essen rief. Herr Seifert war bereits in der Küche und grüßte die Kinder, die den Gruß erwiderten. Herr und Frau Seifert tischten das Essen auf, während sich die Kinder an den Tisch setzten. Zur Vorspeise gab es eine kräftige Hühnersuppe bestreut mit geriebener Muskatnuss, frischer Petersilie und frischem Schnittlauch vom Garten. Als Hauptspeise gab es Kartoffelbrei, Sauerkraut und Kasseler. Allen schmeckte es hervorragend. Zum Nachtisch hatte die Mutter eine große Schüssel süßen Quark mit saftigen Pfirsichstückchen vorbereitet, die im Nu leer war.

Nach dem Essen zogen sich die Kinder in Ingos Zimmer zurück, wo sie mit ihren Gedächtnistrainingskarten spielten. Circa eine Stunde danach hörten sie Schritte im Flur. Die Tür öffnete sich und Frau Seifert stand mit einem Tablett in der Hand im Zimmer. Ich habe euch einen Schlummertrunk gemacht und dazu gibt es für jeden ein Stück Rührkuchen mit saftigen Apfelstückchen.«

Enzo sprang gleich jauchzend auf, nahm ihr das Tablett aus der Hand und stellte es auf dem Schreibtisch ab. »Danke, Frau Seifert. Sie sind die Beste. Ich liebe Honigmilch und Apfelkuchen.«

Die Kinder ließen sich die heiße Milch mit Honig und den Apfelkuchen schmecken. Danach spielten sie noch eine Stunde Karten und Enzo verabschiedete sich und ging nach Hause. Georg, Lisa und Ingo gingen auch zu Bett, um für den nächsten Tag fit zu sein. Durch die Schlaf fördernde Wirkung der Honigmilch schliefen alle trotz der Aufregung vor der bevorstehenden Radtour und dem großen Detektivauftrag rasch ein.

 

 

 

 

Eine stürmische Radtour

Es war noch kühl und dunkel in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages und im Hause der Seiferts brannte bereits das Licht. Ingo und Lisa saßen auf dem weißen Flokati in Ingos Zimmer und warteten darauf, bis Georg aus dem Badezimmer kommt. Nach wenigen Minuten kam Georg endlich zur Tür herein.

»Okay, wir sind heute echt früh dran«, sagte Lisa. »Deshalb schleichen wir uns runter und bereiten das Frühstück vor. Vielleicht haben wir Glück und Enzo ist bis dahin schon da.«

Leise öffneten sie die Zimmertür und gingen im Gänsemarsch hintereinander auf Zehenspitzen die Treppen hinab.

Georg sah hinter dem Milchglas der Haustür einen Schatten. »Wie es scheint, ist Enzo schon da?!«

Er öffnete die Tür und tatsächlich stand Enzo wie jeden Morgen draußen und wartete, bis ihm seine Freunde die Tür öffneten und ihn zum gemeinsamen Frühstück reinließen. Enzos Eltern betrieben eine Pizzeria und hatten wenig Zeit, daher verbrachte der italienische Junge aus der Nachbarschaft jede freie Minute bei den drei Geschwistern der Familie Seifert.

»Guten Morgen Leute«, grüßte Enzo. »Ihr seid heute aber früh wach. Aber das ist gut für mich, ich bin nämlich bereits am Verhungern.«

»Sei leise, Enzo«, zischte Lisa. »Unsere Eltern schlafen noch und wir wollen sie nicht aufwecken.«

»Wirklich?«, fragte Enzo und zog dabei misstrauisch die Augenbrauen hoch. »Wer ist dann in der Küche, weil das Licht brennt und Geräusche aus dem aufgeklappten Fenster zu hören sind?«

Verwundert sahen die Kinder in Richtung Küchentür. Enzo kam herein, gemeinsam gingen sie in die Küche, wo ihnen ein herrlicher Duft nach heißer Schokolade entgegen kam. Sie trauten ihren Augen nicht. Der Tisch war reichlich gedeckt mit Erdbeermarmelade, Kirschkonfitüre, Zuckerrübensirup und einem Glas Honig. Zudem standen ein Körbchen voller golden gerösteter Toastscheiben, eine Kanne Pfefferminztee, heiße Milch und Kakao bereit.

»Guten Morgen, Kinder«, grüßte Frau Seifert, die gerade an der Anrichte tätig war.

»Guten Morgen«, grüßten alle zurück.

»Wieso bist du so früh wach, Mama?«, wunderte sich Ingo.

»Ich kenne euch doch. Mir war klar, dass ihr heute früher aus den Federn kommt, weil ihr vor lauter Aufregung nicht mehr schlafen könnt«, antwortete die Mutter augenzwinkernd. »Ohne ein kräftiges Frühstück lasse ich euch nicht aus dem Haus.« Frau Seifert zeigte auf den Korb, der auf der Anrichte stand. »Außerdem habe ich euch eine Kleinigkeit für die Reise eingepackt.«

Warum überraschte das die Kinder nicht? Naja, das war typisch für Frau Seifert. Sie sorgte sich immerzu, die Kinder könnten nicht genug zu Essen bekommen und müssten hungern, wenn sie außer Haus übernachten. Die Kinder waren sich nie sicher, ob sie das tat, weil sie froh war, dass sie wegfuhren, oder, ob sie es aus Fürsorge tat. Naja, vielleicht ein bisschen von beiden. Nur ungern hätten Herr und Frau Seifert das Haus während der Herbstferien voller gelangweilter Kinder gehabt, die unruhig den ganzen Tag im Haus herumtollen und Türen zuschlagen.

»Sie sind die Beste, Frau Seifert«, freute sich Enzo.

Wie die Raubtiere fielen die Kinder über das Frühstück her. Zum Abschluss trank jeder ein großes Glas Orangen-Karotten-Saft, um genügend Vitamine für den Tag zu tanken.

Nach dem Frühstück verabschiedeten sie sich, nahmen ihren Proviantkorb und brachen noch bei Dämmerung auf. Frisch und munter fuhren sie mit ihren voll bepackten Fahrrädern der Morgenröte entgegen. Die gelb- und orangefarbenen Wolken zogen immer schneller über den rot leuchtenden Morgenhimmel. Eine halbe Stunde danach fachte ein kühler Wind auf, der sich nach wenigen Kilometern zu einem bedrohlichen Sturm entfaltete. Kurz vor einem Waldstück wurde es sehr stürmisch. Die Kinder konnten sich nicht mehr auf den Rädern halten, so sehr sie sich auch bemühten.

»Okay, es hat keinen Wert mehr, weiterzufahren. Wir werden stürzen, wenn wir nicht aufpassen«, sagte Lisa und stieg von ihrem Fahrrad ab.