Band 27 -Ein stürmisches Abenteuer

Die Kinder des IGEL-Teams Ingo, Georg, Lisa und Enzo werden als Detektive ins Hotel Mühlenruhe eingeladen, um einen Fall aufzuklären. Dort treibt nämlich ein geheimnisvoller Störenfried sein Unwesen. Ständig kommt es zu Unruhen durch Sabotage oder Diebstähle. Wer steckt dahinter? Die Kinderdetektive hegen einen kuriosen Verdacht und gehen der Sache auf den Grund. Schnell wird klar, so einfach lässt sich das Problem doch nicht lösen. Der Störenfried treibt weiterhin sein Unwesen, was sie geradewegs in ein aufregendes Abenteuer katapultiert.

 

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Ausflugsplanung

Ein herrliches Frühlingswetter begrüßte zusammen mit den tirilierenden Vöglein den Tag. Die Sonnenstrahlen erhellten den Vorgarten von Familie Seiferts Einfamilienhaus, in dem eine wahre Farbenpracht aus violetten, roten und gelben Knospen und Blüten herrschte. Ein lauer sanfter Wind wehte und ein angenehmer blumiger Duft lag in der Luft. Die Kinder saßen in der Küche beim Frühstück und ließen ab und zu ihre Blicke aus dem Fenster schweifen. Außer golden geröstetes Toastbrot, verschiedene Marmeladesorten, Honig und Zuckerrübensirup stand auch noch ein großer Korb bunter glänzender Ostereier auf dem Tisch bereit. Frau Seifert stand an der Anrichte und hatte ihr langes blondes Haar zu einem dicken Zopf zusammengebunden. An der gelben Kittelschürze mit bunten Obstmotiven putzte sie sich die Hände ab. Sie nahm einen Schneebesen und rührte in einer Schüssel einen Teig an.

Der mollige, schwarz gelockte Enzo saß am Tisch und stierte die blonde Lisa an, die seine Blicke regelrecht auf ihrer Haut spürte und wusste, warum er das tat, weil er sich bereits vor dem Frühstück mehrmals über sie lustig gemacht hatte. »Was gaffst du mich ständig so an? Jetzt hör auf, mich zu nerven.«

»Ich kann nicht. Deine Frisur sieht irgendwie witzig aus, seit du sie mit dieser Haarnadel hochgesteckt hast«, lachte Enzo. »Es ist sehr ungewohnt, weil du sonst deine Haare mit einem Gummi zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hast, aber das hier ist einfach nur lustig.«

»Ich habe wie immer einen Pferdeschwanz, nur, dass ich ihn mit einer Haarnadel hochgesteckt habe, das ist alles«, antwortete Lisa gekränkt. »Was soll daran so komisch sein, außer deiner merkwürdigen Reaktion?«

»Nichts ist komisch daran«, mischte sich die Mutter ein. »Enzo will dich doch nur provozieren. Habe ich recht, Enzo?«

»Nein, Frau Seifert, ehrlich. Lisa sieht aus wie Fräulein Rottenmeier aus den Heidi-Filmen, oder wie eine strenge Lehrerin«, amüsierte sich Enzo und kicherte.

»Du kannst dich noch so über mich lustig machen, die Haarnadel bleibt drin, denn mir gefällt es«, reagierte Lisa selbstsicher. »Auch wenn du dich auf den Kopf stellst, das nützt dir gar nichts.«

»Ja, Frau Lehrerin«, alberte Enzo und nahm sich ein rotes Ei aus dem Korb. »Die roten Eier sind immer noch die Besten.«

»Das sagst du jedes Jahr zu Ostern, Enzo«, erwiderte Lisa abfällig. »Das ist nur Einbildung, sonst nichts. Warum kapierst du das nicht endlich?«

»Ich finde die grünen Eier am Besten«, meldete sich der große Georg zu Wort. Georg war zwar erst dreizehn, sah aber aufgrund seiner Größe wie ein Neunzehnjähriger aus.

»Es ist wahrscheinlich Einbildung, trotzdem glaube ich, einen Unterschied zu schmecken«, äußerte sich Enzo.

»Ich auch«, schloss sich Georg an. »Es ist zwar nur ein kleiner Unterschied, aber ich meine auch einen zu schmecken.«

»Was soll das? Die Eierfarben sind geschmacksneutral, Leute! Das weiß doch jedes Kleinkind!« Lisas Mund wurde zu einer schmalen Linie und ihr Blick wanderte, in der Hoffnung auf Unterstützung, zu Ingo.

Doch der war in seinem Klapprechner vertieft und bekam von alldem nichts mit. 

»Ingo? Sag doch was«, forderte Lisa ihren Bruder auf.

»Bitte? Was soll ich sagen?«, fragte er ohne seinen Blick vom Display abzuwenden. »Ich habe euch leider gerade nicht zugehört und weiß nicht, worum es geht.«

»Welche Eier magst du am Liebsten, Ingo?«, fragte Georg geschickt, worauf Enzo, Lisa und Georg ihn sehr gespannt auf seine Antwort ansahen.

»Ich mag alle Ostereier gleich gerne, da gibt es keinen Unterschied«, sagte Ingo nebenbei.

»Ha!«, rief Lisa erfreut. »Habt ihr das gehört, Jungs? Es gibt keinen Unterschied.«

»Gibt es doch«, erwiderte Enzo.

Erst jetzt schaute Ingo auf und lugte über seine Brille hinweg. »Was ist denn mit euch los? Könnt ihr mich mal aufklären?«

»Georg und Enzo meinten, die Farben der Ostereier würden den Geschmack beeinflussen und ich …«

Ingo winkte ab. »Ach nicht schon wieder dieses Thema. Das haben wir doch jedes Jahr am Ostern, weil Enzo die roten Eier bevorzugt. Es ist so, dass die Farbe unser Geschmacksempfinden beeinflusst. Deshalb kann es sein, dass dem einen das rote, dem anderen das gelbe Ei besser schmeckt. Das ist eigentlich alles. Es ist einfach nur eine Sinnestäuschung. Schreibt es euch für nächstes Jahr bitte auf, bevor diese Diskussion erneut entfacht wird.«

»Ha! Ich sagte doch, es gibt einen Unterschied«, triumphierte Enzo. »Damit wäre die Sache ein für alle Mal geklärt.«

»Nicht wirklich. Der Unterschied findet nur in deinem Kopf statt, Enzo«, stellte Lisa klar. »Du hast doch gehört: Es liegt am Geschmacksempfinden der jeweiligen Person und ist eine Sinnestäuschung.«

»Das Wetter ist schön und frühlingshaft, Leute«, warf Ingo ein, nicht zuletzt, um das Thema zu wechseln. »Was haltet ihr von einem Zeltwochenende an einem Waldsee? Wir nehmen unser Schlauchboot mit und …«

»Hurra!«, jubelte Lisa. »Ich bin dabei! Das wird ein tolles Abenteuer. Ich liebe zelten und Bootsfahrten.«

»Wenn wir genügend Proviant mitnehmen, bin ich natürlich auch dabei«, stimmte Enzo zu. »Ohne Essen läuft bei mir aber gar nichts.«

»Das ist uns allen klar, Enzo«, neckte Lisa. »Wenn wir Proviant dabei haben, würdest du uns überallhin folgen, das ist doch ganz klar, denn du bist Enzo.«

»Mach dir wegen des Proviants keine Sorgen, Enzo«, meldete sich die Mutter zu Wort. »Ich werde euch genügend leckere Mahlzeiten einpacken.«

»Danke, Frau Seifert. Sie sind die Beste«, war Enzo sehr dankbar.

Enzo, Lisa und Ingo strahlten und freuten sich auf das bevorstehende Abenteuer sehr. Doch was war mit Georg los? Seine Miene war getrübt und er schien nicht so begeistert zu sein.

»Was hast du, Georg?«, hakte Enzo nach.

Georg winkte ab und rang sich ein Lächeln ab. »Okay, was soll‘s? Wir haben eh keinen Auftrag bekommen. Ein Detektivauftrag wäre mir nämlich lieber gewesen als ein Zeltausflug.«

»Uns doch auch«, erwiderte Ingo. »Aber was sollen wir sonst noch unternehmen? Wir haben bereits alles versucht, was in unserer Macht steht. Wie es aussieht, gibt es derzeit eben weniger Straftaten in unserer Umgebung, was der Grund für diesen Auftragsmangel ist.«

Lisa bestätigte nickend. »Eigentlich sollten wir darüber froh sein. Schließlich ist es unser Ziel, die Verbrecher zu minimieren. Die sinkende Anzahl der Verbrechen sind die Auswirkungen unserer guten Arbeit, die wir als Detektive geleistet haben.«

»Wir hatten jedenfalls alles versucht, Aufträge zu bekommen. Weiter können wir das nicht mehr beeinflussen«, bestärkte Enzo. »Mehr als unsere Flyer und unsere Visitenkarten verteilen, können wir im Moment nicht machen. Vielleicht findet auch jemand von außerhalb unsere Webseite und wir haben einen Auftrag in unseren E-Mails, sobald wir vom Zeltausflug zurückkommen?!«

»Natürlich nehmt ihr nur ungefährliche Aufträge an«, bemerkte die Mutter vorsichtshalber.

»Klar«, sagten alle wie aus einem Mund.

»Wir nehmen immer nur ungefährliche Aufträge an, Mama«, stellte Ingo klar. »Wir konnten wir nichts dafür, wenn es nachher doch gefährlich wurde. Außerdem waren wir stets vorsichtig.«

»Das können wir klären, sobald wir einen Auftrag haben«, erwiderte Lisa. »Jetzt ist erst mal zelten angesagt.«

»Na, auf was warten wir noch, Leute?«, drängte Georg plötzlich motiviert. »Genießen wir ein paar wunderschöne Tage bei herrlichem Frühlingswetter an irgendeinem See.«

»Es ist nicht irgendein See«, korrigierte Ingo. »Wir fahren zum Seehof. Ich habe uns dort schon mal ein nettes Plätzchen übers Internet ausgesucht. Der See liegt im Dahner Felsenland und wir können mit den Rädern dorthinfahren.«

»Das klingt echt nach Spaß, Leute«, jubelte Lisa. »Wir machen eine Radtour durch die Wälder, zelten an einem See und fahren mit dem Boot raus. Genauso habe ich mir die Osterferien vorgestellt.«

»Und nicht zu vergessen, wir bekommen deftigen Proviant eingepackt«, ergänzte Enzo. »So habe ich mir die Ferien auch vorgestellt. Das wird ein großes Abenteuer werden.«

Ein großes Abenteuer? Ja, das sollte es in der Tat werden. Enzo ahnte gar nicht, wie recht er damit hatte, und welche mysteriöse Ereignisse ihnen zu diesem Zeitpunkt noch bevorstanden.

Zum Abschluss des Frühstücks tranken sie wie jeden Morgen ein großes Glas kühlen Orangen-Karottensaft, um genügend Vitamine für den Tag zu tanken. Danach flitzten sie im Haus herum und bereiteten alles für den Ausflug vor. Sie packten ihre Sachen und ihre Ausrüstungen zusammen und stellten alles in der Garage bereit. Um die Fahrräder startklar zu machen, pumpten sie die Fahrradreifen auf, ölten die Ketten, die Lager der Radachsen, die Pedale und die Brems- und Schalthebel. Zuletzt schnallten sie das Gepäck auf die Gepäckträger, verstauten einen Teil in den Packtaschen und den Rest in ihren Rucksäcken.

»Das hätten wir«, meinte Ingo, als alles erledigt war.

Abreisebereit stürmten die Kinder in die Küche, um sich von der Mutter zu verabschieden. Doch es kam anderes, als gedacht und die Abreise sollte sich verschieben.

»Seit ihr etwa schon fertig?«, stutzte Frau Seifert, als die Kinder in die Küche kamen.

»Ja, wir wollten uns schnell verabschieden«, teilte Georg mit.

Frau Seifert schüttelte jedoch den Kopf. »Ihr könnt noch nicht gehen?! Ihr müsst warten, bis ich euren Kuchen fertig habe. Es wäre schade um den schönen Käse-Mandarinen-Kuchen, wenn er nicht aufgegessen wird. Er schmeckt am Besten, solange er frisch ist. Sobald er fertig und abgekühlt ist, könnt ihr ihn euch einpacken und zu eurer Reise aufbrechen.«

»Ausgerechnet heute«, seufzte Lisa. »Wir hatten uns mit dem Packen extra so beeilt, um rechtzeitig loszufahren.«

»Es tut mit leid, Kinder«, entschuldigte sich die Mutter. »Als ich den Teig anrührte, wusstet ihr doch selbst noch nicht, dass ihr zelten gehen wollt. Seid bitte so lieb und wartet noch ein bisschen. Ja?«

»Käse-Mandarinen-Kuchen? Natürlich warten wir, Frau Seifert«, willigte Enzo freudig ein. »Auf Ihren leckeren Käse-Mandarinen-Kuchen würde ich Wochen oder gar Jahre warten.«

Das war wirklich kein Witz. Enzo wartete gerne, während die anderen wie auf glühenden Kohlen saßen und ungeduldig den Backofen beobachteten. Die Küche war mit einem herrlichen Vanille ähnlichen Duft erfüllt, den der Kuchen verbreitete und der ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Nach etwa dreißig Minuten kam der Kuchen aus dem Ofen und danach musste er noch abkühlen. 

Schließlich schnitt ihn die Mutter in Stücke und verstaute diese in Kunststoffdosen. »So. Nun habt ihr euren Kuchen und könnt euch auf den Weg machen. Ab mit euch!«

Ingo, Georg und Lisa sprangen auf, doch Enzo blieb am Tisch sitzen und schaute in Richtung Uhr. »Nun ist es aber unrentabel, vor dem Mittagessen aufzubrechen.«

»Enzo hat recht«, stimmte Frau Seifert zu. »Ihr könntet nach dem Mittagessen fahren.«

»Dann brauchen wir auch nicht mehr zu gehen«, schmollte Georg.

»Jetzt haben wir so lange gewartet, da kommt es auf eine Stunde mehr auch nicht mehr an«, bemerkte Lisa.

»Macht euch doch keinen Stress, Leute«, beruhigte Ingo. »Wir haben keinen Zeitdruck und haben alle Zeit der Welt. Es ist völlig egal, ob wir mittags oder abends ankommen. Wir haben Ferien und können bei Bedarf auch einen Tag länger bleiben, es spielt überhaupt keine Rolle.«

Seine Worte zeigten Wirkung, denn Lisa und Georg wirkten augenblicklich entspannt und lehnten sich auf der Eckbank zurück. Sie spielten Stadt-Land-Fluss, um ihr Gedächtnis zu trainieren und damit die Zeit verging. Das Warten hatte sich wirklich gelohnt, denn zum Mittagessen gab es Brötchen mit sauren Heringen und Zwiebelringen belegt. Es schmeckte ihnen einfach köstlich und war gesund dazu. Sie waren echt froh, gewartet zu haben.

»Wusstet ihr, dass Heringe sehr gesund sind?«, fragte Ingo und rückte seine Brille zurecht. »Es sind nicht nur wichtige Vitamine enthalten, sondern auch sehr viel an gesunden Omega 3 Fettsäuren. Das hilft unter anderem gegen Rheuma, Durchblutungsstörungen und stärkt die Abwehrkräfte.«

»Vor allem schmeckt es sehr lecker«, äußerte sich Enzo.

»Was für dich wohl das Wichtigste ist«, neckte Lisa, worauf alle lachten.

 

 

 

 

 

Fahrt ins Dahner Felsenland

Nach dem Mittagessen waren die Kinder endlich startklar und nun hätte sie nichts und niemand mehr aufhalten können. Sie schulterten ihre Rucksäcke, holten ihre schwer bepackten Fahrräder aus der Garage und fuhren los. Das Wetter war fabelhaft. Es war sonnig, angenehm warm und es wehte ein leichter Wind. Die Kinder durchfuhren die Stadt und folgten dem Radweg, der direkt neben der Landstraße durch den Wald führte. Es herrschte eine angenehme Ruhe und wenig Verkehr. Die Nadeln und Blätter der Bäume leuchteten unter den einfallenden Sonnenstrahlen in verschiedenen Grüntönen. Melodisches Vogelgezwitscher und das leise Summen der Bienen bildeten eine natürliche Geräuschkulisse. Die frische Luft duftete nach Baumharz, Tannen und Moos. Über ihnen lag das schützende Blätterdach und aus dem dunklen Unterholz leuchteten rote und braune Pilze hervor. Weiße, gelbe und bunte Schmetterlinge flatterten in den Büschen umher.

Lisa nahm ein paar tiefe Atemzüge, der würzigen Tannenluft. »Es ist so herrlich im Wald. Ich bin echt froh, dass wir keinen Detektivauftrag bekommen haben, sonst würden wir jetzt nicht zum Zelten fahren. Das wäre uns alles entgangen.«

»Bitte was?«, reagierte Georg vorwurfsvoll. »Wie kannst du das sagen? Es geht doch nichts über einen Detektivauftrag?! Wir sind das IGEL-Team und es ist unser größtes Hobby, Kriminalfälle zu lösen.«

»Das sehe ich genauso«, mischte sich Ingo ein. »Dennoch wird es uns guttun, auch mal abzuschalten und die Natur zu genießen. Umso besser und effektiver können wir beim nächsten Auftrag arbeiten.«

»Ich finde, ein Zeltausflug ist ebenso abenteuerlich wie ein Detektivauftrag«, fügte Enzo freudig hinzu. »Dazu ist es sogar weniger gefährlich.«

»Nun gut. Irgendwie muss ich euch recht geben«, offenbarte Georg. »Ein Abenteuer zwischendurch kann nichts schaden. Ich freue mich auf die Bootsfahrt im See.«

»Ich auch«, schloss sich Enzo an. »Mir macht der Ausflug riesigen Spaß.«

Die Kinder radelten in Richtung Dahner Felsenland. Der Radweg führte die ganze Zeit durch den schattigen Wald und einige Male an lichtdurchfluteten Blumenwiesen vorbei, deren Blütenpracht wie leuchtende bunte Farbtupfen wirkten.

Eine Stunde später wurde Enzo plötzlich langsamer und bildete das Schlusslicht der Gruppe. »Leute? Tut mir leid, ich kann nicht mehr«, stöhnte er und hielt an.

Georg, Lisa und Ingo hielten ebenfalls an. Ingo kramte gleich einen Müsliriegel aus seinem Rucksack und hielt ihn seinem Freund entgegen, wie er es immer tat, sobald Enzo eine Hungerattacke bekam. »Bitteschön, Enzo.«

»Danke«, freute sich Enzo. »Du hast mir das Leben gerettet.«

Lisa, Georg und Ingo sahen zu, wie Enzo den Riegel gierig verschlang.

»Wenn du so weiter futterst, siehst du eines Tages wie Bibendum aus«, lachte Lisa.

»Wer ist Bibendum? Ist das jemand aus deiner Klasse?«, interessierte sich Georg. »Das ist aber ein merkwürdiger Name?!«

»Es gibt keinen Bibendum, das hat Lisa gerade eben erfunden, weil ihr vor lauter Boshaftigkeit nichts Besseres eingefallen war«, war Enzo sicher.

»Falsch gedacht, Enzo«, warf Ingo ein. »Bibendum oder auch kurz Bib genannt, ist der Name des Michelin-Männchens, die Werbefigur des Reifenherstellers Michelin.«

»Ich bin beeindruckt, Ingo«, staunte Lisa. »Das stimmt tatsächlich, ich hatte es nämlich kürzlich erst gelesen.«

Ingo grinste selbstzufrieden und rückte seine Brille zurecht. »Danke, Lisa. Ich wusste das schon länger.«

»Du bist selber ein Bibendum, Lisa. Ach nein! Du siehst aus wie eine sommersprossige Spargelstange mit Hochsteckfrisur«, gab Enzo Konter, worauf alle lachten.

»Bist ja nur neidisch auf meine neue Frisur, Wuschelkopf«, neckte Lisa.

Schließlich setzten sie ihren Weg fort und näherten sich bald dem Ziel. Je näher sie dem See kamen, desto schattiger und dunkler wurde es. Der Himmel war voller grauer Wolken, als sie die helle Wasseroberfläche durch die Bäume schimmern sahen und einen Moment später am Ufer ankamen.

»Das ist der Seehofweiher«, informierte Ingo stolz darauf, ein so schönes Plätzchen zum Zelten gefunden zu haben. »Der See ist so breit wie ein Fußballfeld, so lang wie fünf Fußballfelder und hat eine Tiefe von drei Metern.«