Band 29 - Abenteuer auf Rügen

Die Kinderdetektive Ingo, Georg, Enzo und Lisa werden eingeladen, ihre Herbstferien auf der Ostseeinsel Rügen zu verbringen.

 

Trotz hochmoderner Sicherheitssysteme in den Ferienanlagen mehrt sich die Anzahl der Einbrüche, ohne dass ein Alarm auslöst.

 

Noch während die Kinderdetektive vom IGEL-Team nach Erklärungen dafür suchen, geraten sie in ein großes Abenteuer, wie sie es nicht erwartet hätten.

 

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Ein unbekanntes Flugobjekt

Der Morgen graute, ein kühler Herbstwind wehte durch die Stadt Bad Bergzabern. Ein molliger, schwarz gelockter Junge saß vor der Haustüre der Familie Seifert. Es war Enzo, der sehnsüchtig darauf wartete, dass seine Freunde endlich aufstehen und ihn zum Frühstück ins Haus bitten würden. Aufmerksam beobachtete Enzo die rötlichen und goldenen Blätter, die im Wind raschelnd durch die Einfahrt tanzten. Auf einmal flog ein dunkler Schatten über ihn hinweg. Erschrocken duckte er sich, schaute zum Himmel und entdeckte ein längliches Flugobjekt, das über den Vorgarten hinwegflog. Das rot-weiß geblümte Gebilde ähnelte einem fliegenden Teppich.

»Was ist denn das?«, fragte sich Enzo selbst und glaubte bereits zu wissen, was das sein könnte.

Er stand auf, lief durch die Einfahrt neben das Haus, um das Objekt zu verfolgen. Dieses schwebte langsam übers Hausdach und flatterte nun über dem Garten hinter dem Haus herum. Es drehte sich mehrmals um die eigene Achse und landete im Apfelbaum.

Die Haustür flog auf, ein blondes Mädchen kam heraus und rannte hinters Haus. »Guten Morgen, Enzo. Hast du meine Decke gesehen?«

»Morgen, Lisa«, erwiderte Enzo den Gruß. »Ach? Das ist deine Decke gewesen? Das hatte ich mir bereits gedacht.«

»Ja, der Wind hat sie mir aus den Händen gerissen, als ich sie zum Lüften über die Fensterbank legen wollte«, erklärte Lisa.

Enzo zeigte zum Apfelbaum. »Dort ist sie gelandet, nachdem der Wind sie über die Einfahrt und übers Haus getrieben hatte.«

»Komm mit und mach mir die Räuberleiter«, bat Lisa und rannte, gefolgt von Enzo zum Baum.

Enzo lehnte sich an den Stamm und faltete die Hände ineinander. Mit einem Schritt war Lisa oben im Baum und befreite ihre Decke aus den Zweigen.

»Was ist denn hier schon los?«, rief Georg, der mit Ingo um die Ecke kam.

»Macht ihr Frühsport oder was?«, amüsierte sich Ingo. »Wer klettert denn so früh am Morgen schon auf Bäumen herum?«

»Sehr lachhaft, Jungs!« Lisa sprang mit ihrer Decke vom Baum herunter ins Gras. »Sie ist mir entwischt, als ich sie zum Lüften übers Fenster legen wollte.«

Ingo zuckte mit den Schultern. »Tja. Es ist halt Herbst und die Winde sind tückisch.«

»Im ersten Moment dachte ich, es wäre ein Flugobjekt, das sich verirrt hätte«, gestand Enzo. »Beim näheren Hinsehen bemerkte ich aber, dass es sich um ein Wäschestück handeln muss. Als ich das süße Blümchenmuster erkannte, wusste ich sogar, dass es sich nur um Lisas Bettwäsche handeln kann.«

»Ich geb dir gleich, süßes Blümchenmuster, Enzo«, fauchte Lisa. »Geht ihr schon mal in die Küche, ich bringe schnell meine Decke rauf und komme gleich nach.«

Die Jungen gingen zur Küche und grüßten die Mutter, die an der Anrichte stand.

Kaum saßen sie am reichlich gedeckten Küchentisch, stürzte Lisa in den Raum. »Guten Morgen, Mama.«

»Guten Morgen, Lisa«, grüßte die Mutter zurück und füllte die Tassen mit Milch und Kakao auf.

Die Kinder ließen sich Brote mit Marmelade, Honig und Zuckerrübensirup schmecken. Dazu gab es heiße Milch und heiße Schokolade. Draußen stürmte es noch immer und goldenes Herbstlaub wirbelte durch die Luft.

»Was habt ihr euch für die Herbstferien vorgenommen?«, interessierte sich Frau Seifert. »Ich hoffe, ihr werdet nicht zu Hause herumlungern.«

»He, was heißt hier herumlungern?«, beschwerte sich Georg. »Wir lungern nicht herum. Wir finden eine Beschäftigung, keine Sorge, Mama. Wir werden nicht im Haus herumtollen oder dir vor Langeweile auf die Nerven gehen.«

»So ist es«, pflichtete Lisa ihrem Bruder bei. »Bestimmt haben wir bereits eine Nachricht bekommen, um einen Detektivfall zu lösen, oder wir haben einen Auftrag zum Laubfegen bekommen.« Ihr Blick schwenkte zu Ingo, der während des Frühstücks nebenbei in seinem Klapprechner las. »Und? Wie sieht es aus, Ingo? Haben wir eine Nachricht bekommen?«

Ingo kniff die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf. »Leider nein. Es ist wie verhext. Es ist schon ewig her, wo wir unseren letzten Detektivauftrag bekommen haben. Zum Laubfegen hat sich bisher auch noch niemand gemeldet.«

Die Mutter lächelte die Kinder an. »Ich hatte gestern mit Frau Liebknecht telefoniert.«

Ingo runzelte die Stirn. »Interessant. Aber es wäre vielleicht interessanter und hilfreicher, wenn wir wüssten, wer Frau Liebknecht ist.«

»Ihr kennt sie doch. Annemarie heißt sie«, sagte die Mutter irritiert.

Georg stutzte. »Ist das die Annemarie, die diese Ferienanlage auf der Insel Rügen hat, wo wir damals eingeladen waren?«

»Natürlich. Annemarie Liebknecht. Meine ehemalige Schulfreundin«, klärte Frau Seifert auf. »Ich dachte, ihr wüsstet, wie sie mit Nachnamen heißt?!«

»Nein. Sie hat sich uns damals nur als Annemarie vorgestellt«, erinnerte sich Lisa. »Wir hätten uns sonst gewiss an den Namen erinnern können.«

»Das kann ich bestätigen«, fügte Enzo hinzu.

»Es ist schön, wieder etwas von der Dame zu hören, aber das war doch bestimmt nicht der Grund, dass du uns das erzählen wolltest, oder?«, fragte Ingo neugierig. »Was ist mit Annemarie und wie geht es ihr?«

»Ihr geht es hervorragend«, antwortete die Mutter. »Sie fragte, ob ihr nicht eure Ferien bei ihr verbringen möchtet.«

»Was?«, schrie Lisa lauter als sie es beabsichtigt hatte. »Wirklich jetzt, Mama? Wir verbringen die Herbstferien auf Rügen? Ich dachte, du wolltest die nächsten vier Tage auf diese Gartenausstellung gehen?!«

»Das werde ich auch, damit ich als Gärtnerin über die neuste Technik im Gartenbau auf dem Laufenden bleibe«, berichtete die Mutter. »Ihr könnt doch alleine fahren?! So hätten euer Papa und ich mal etwas Zeit für uns und ihr könnt euch dort ungestört austoben.«

Tosende Freudenschreie hallten durchs gesamte Haus. Ferien auf Rügen und dazu noch ganz ohne Eltern. Das war fantastisch. Die Kinder konnten es noch immer nicht richtig glauben und freuten sich sehr darauf. Zu diesem Zeitpunkt ahnten sie nicht im Geringsten, welch großes und spannendes Abenteuer sie dort erwarten wird.

Zum Abschluss des Frühstücks trank jeder ein großes Glas Orangensaft mit einem kräftigen Schuss Karottensaft, um genügend Vitamine für den Tag zu tanken.

»Fahren wir mit dem Zug wie letztes Mal?«, wollte Lisa wissen.

»Ja, oder wolltest du laufen?«, scherzte Ingo. »Ich werde gleich im Internet den Fahrplan suchen, damit wir wissen, wann der Bus kommt und wann der Zug fährt.«

 

*****

 

 

Eine entspannte Zugfahrt

Inzwischen war es draußen bereits hell. Der kühle Herbstwind trieb silbergraue Wolken über den Himmel und fegte trockenes Laub durch die Straßen. Georg, Lisa und Ingo wirbelten durchs Haus und packten ihre Sachen für die bevorstehende Reise zusammen. Gerade stellten sie alles im Flur neben der Haustür bereit, da kam Enzo mit seinem Gepäck. »Können wir los?«, drängte er. »Haben wir auch alles?«

»Wir haben alles und sind bereit«, tönte Georg feierlich. »Mama hat uns Proviant eingepackt und ein paar Leberwurst- und Käsestullen für unterwegs zubereitet.«

»Mama hat auch Annemarie Liebknecht angerufen, dass sie uns am Bahnhof abholen soll«, informierte Lisa. »Jetzt ist es neun Uhr. Bis wir dort sind, wird es heute Nacht elf Uhr werden.«

Enzos rollte mit den Augen. »So spät? Ojemine. Das wird aber eine lange Reise.«

»Das ist egal«, meinte Ingo. »Wir können im Zug ein wenig schlafen.«

Die Kinder waren total aufgedreht. Sie verabschiedeten sich von Frau Seifert und machten sich auf den Weg zum Busbahnhof. Von Bad Bergzabern aus fuhren sie mit dem Bus nach Neustadt, wo sie in den Zug umstiegen. Dort hatten sie ein eigenes gemütliches Zugabteil zur Verfügung. Sie schoben die Tür zu, verstauten ihr Gepäck in den Ablagen und machten es sich auf den weich gepolsterten Sitzbänken bequem.

Ingo schaute auf seinem Notizblock nach. »Bis zur Stadt Bergen auf der Insel Rügen sind es vierzehn Stunden. Dazu kommen noch mal fünfundzwanzig Minuten, die wir von Bergen bis zum Zielort Glowe mit dem Auto brauchen, so wie letztes Mal. Es sind insgesamt ungefähr neunhundertfünfzig bis tausend Kilometer.«

»Wenn ich an die lange Fahrt denke, tun mir jetzt schon die Knochen weh«, lamentierte Georg, der aufgrund seiner Größe gewisse Nachteile hatte, so lange sitzen zu müssen.

Die Kinder beobachteten aus dem Zugfenster die vorbeiziehende Landschaft. Bäume, Wiesen, Felder und Wälder waren in herbstlichen Rot-, Gold- und Brauntönen gefärbt, was prachtvoll und märchenhaft aussah. Am silbergrauen Himmel wirbelten leuchtend bunte Drachen herum. Es waren Adler, Schmetterlinge und andere wunderschöne Figuren in allen Formen, Farben und Größen dabei. Einige zogen eine Kreisbahn, andere flogen Schlangenlinien und manche schienen nur so dahinzuschweben. Hinter einem Hügel auf einer saftig grünen Wiese standen fröhliche Kinder, die begeistert die Lenkschnüre zogen, um ihre Drachen so kunstvoll wie möglich durch die Luft gleiten zu lassen. Ihre Haare waren vom Wind zerzaust. Die Kleinsten von ihnen hatten Schwierigkeiten, sich bei dem heftigen Wind auf den Beinen zu halten. Aber alle hatten sichtlich riesigen Spaß. Georg, Lisa, Ingo und Enzo betrachteten die Flugdrachen so lange, bis sie in ein Waldstück fuhren und die Sicht von den Bäumen verdeckt wurde.

Der Zug fuhr über die Gleise und näherte sich in jeder Sekunde dem Zielort. Die Kinder spielten Karten bis zur Mittagszeit. Danach aßen sie ihre Leberwurststullen mit Senf und als Beilage Essiggürkchen. Zum Trinken hatte jeder eine Thermoskanne heißen und gesüßten Früchtetee dabei. Nach der Mahlzeit, so gegen 1 Uhr am Mittag, waren sie müde geworden und schlummerten ein.

*

Der Zug donnerte über die Schienen durch die herbstliche Landschaft und die Stunden zogen dahin. Plötzlich wurde die Tür des Zugabteils aufgeschoben. »Wamm!«

Die Kinder schreckten aus dem Schlaf und sahen einen älteren Herrn mit Hut, der sie perplex anschaute. »Oh, tut mir leid, das war das falsche Abteil«, entschuldigte er sich.

»Das ist nicht schlimm, das kann jedem passieren«, erwiderte Georg, worauf der Herr freundlich nickte und peinlich berührt die Tür zuschob.

Draußen dämmerte es und die Lichter im Zugabteil leuchteten bereits. Enzo reckte und streckte sich und gähnte tief. »Wie spät ist es denn?« Er schaute auf seine Armbanduhr. »Oje, das dauert noch Stunden, bis wir endlich dort sind.«

»Ja, es ist gleich fünf Uhr«, kommentierte Lisa. »Spielen wir Karten oder machen wir einen Spaziergang durch den Zug?«

»Wir sollen einen Spaziergang machen und hier unser Gepäck alleine lassen? Nein, danke«, lehnte Georg ab. »Stellt euch mal vor, es würde jemand all unsere Sachen stehlen?! Unsere Ferien wären völlig ruiniert.«

»Nach dem Essen können wir Karten spielen.« Ingo und kramte in seinem Rucksack herum. Er zog vier Sternenkarten heraus und reichte sie den anderen. »Apropos Karten. Hier gebe ich euch schon mal eure Sternenkarten. Wir könnten in den späten Abendstunden auf Sternenkunde gehen, so wie beim letzten Mal, als wir auf Rügen waren.«

»Danke«, sagten alle gleichzeitig. Sie nahmen die Karten entgegen und musterten sie interessiert. Doch nach einer viertel Stunde war das Interesse verflogen und sie steckten sie in ihre Rucksäcke.

»Ohne den Sternenhimmel können wir mit den Karten momentan nichts anfangen«, seufzte Lisa. »Ich freue mich aber bereits auf den Sternenausflug, den wir unternehmen werden. Es macht unheimlich viel Spaß, entspannt auf einer Decke im Gras zu liegen, mit dem Fernglas den Himmel zu beobachten und dabei sogar noch etwas zu lernen.«

»Ich freue mich ebenfalls«, sagte Enzo. »Aber ich freue mich auch auf das nächtliche Picknick, welches wir beim Sternenausflug einlegen werden. Es gibt doch nichts Schöneres, als in einer sternenklaren, kühlen und frischen Nacht ein herrliches Picknick zu veranstalten, dabei ein dampfend heißes Getränk zu genießen und einen Happen zu essen.«

»Hoffentlich ist das Wetter dort gut, damit wir auch zelten gehen können«, bangte Ingo. »Es wäre schade, wenn wir unsere Zeltausrüstung umsonst mitgenommen hätten.«

»Mach dir keine Sorgen«, tröstete Lisa. »Wir werden zwei Wochen dort sein. Da werden sicherlich drei bis vier Tage dabei sein, in denen das Wetter zum Zelten gut geeignet ist.«

»Haben wir eigentlich einen bestimmten Platz, wo wir zelten wollen?«, hakte Enzo nach. »Bestimmt hast du doch was geplant, Ingo?!«

»Freilich«, antwortete Ingo zufrieden grinsend. »Diesmal wollen wir die Insel gründlich erkunden. In allen Gegenden, die von unserem Ferienhaus zu weit weg sind, werden wir zelten. So können wir uns alles in Ruhe ansehen und geraten am Abend nicht unter Zeitdruck, nur weil es dunkel wird. Wir nächtigen in unseren Zelten und können morgens nach dem Frühstück ganz gemütlich bei Tageslicht zum Ferienhaus zurückwandern.«

»Das klingt nach Abenteuer und Spaß«, freute sich Georg. »Sandstrände, felsige Steilküsten, dichte Wälder, Seen und Moore werden wir erkunden. Ich kann es kaum noch erwarten.«

»Mir geht es genauso«, schloss sich Lisa an. »Es wird fantastisch werden.«

Bald wurde es draußen dunkel und die Kinder packten ihre Brotzeit aus. Sie aßen Käsestullen und Kirschtomaten. Zum Trinken gab es Apfelsaftschorle, die sie sich vor der Abreise selbst gemixt und in ihre Trinkflaschen gefüllt hatten.

Nach dem Essen entschieden sich die Kinder für ein bisschen Bewegung. Georg und Ingo liefen durch den Zug, während Enzo und Lisa auf das Gepäck aufpassten. Anschließend machten Lisa und Enzo einen Verdauungsspaziergang bis zum Ende des Zuges und zurück. Dann spielten sie Karten, danach schlummerten sie noch ein wenig. Während sie schliefen, verging die Zeit wie im Flug. Erst gegen elf Uhr am Abend, als der Zug im Zielort Bergen einfuhr, wurden sie von den hellen Lichtern am Bahnsteig aufgeweckt.

»Wir haben es fast geschafft«, prustete Ingo erleichtert. »Hier ist für uns Endstation. Wir haben nur noch eine Autofahrt von knapp 25 Minuten vor uns.«

»Gut, ich kann kaum noch sitzen«, freute sich Georg und sprang vom Sitz auf.

Wie auf der Flucht nahmen sie ihr Gepäck und verließen den Zug. Eine Dame mit langen schwarzen Haaren erwartete sie am Bahnsteig. Es war Annemarie Liebknecht, die sie von ihren letzten Ferien auf Rügen kannten.

»Grüßt euch, Kinder. Es ist klasse, dass ihr gekommen seid«, grüßte die Dame. »Hattet ihr eine gute und angenehme Anreise?«

»Danke, unsere Reise war sehr angenehm. Vielen Dank für die Einladung, auch wenn Sie diese wohl eher unserer Mutter zuliebe getätigt haben«, neckte Georg. »Habe ich recht?«

»Ich habe es für eure Eltern getan, damit sie sich entspannen können und aber auch für euch, Kinder«, stellte die Frau klar. »Es hat euch doch damals gefallen hier? Oder etwa nicht?«

»Doch, natürlich«, erwiderte Enzo. »Uns hat es sogar sehr gefallen. Vielen Dank für die Einladung.«

»Bekommen wir eigentlich dasselbe Ferienhäuschen wie letztes Mal?«, vergewisserte sich Lisa, die bereits Angst hatte, sie müsse mit den Jungen in einem Zimmer schlafen, was sie niemals und unter keinen Umständen getan hätte.

»Ihr bekommt nicht dasselbe, aber ein ähnliches Häuschen«, erklärte die Dame.

Die Kinder folgten ihr zum Auto und luden ihre Sachen ein. Dann ging die Fahrt durch die dustere Nacht los. Es war windig und manchmal erschütterte ein starker Windstoß das Auto. Doch Frau Liebknecht lenkte sofort dagegen und hielt den Wagen gut auf der Straße. Die Autolichter beleuchteten die Fahrbahn und um sie herum war alles dunkel.

Ingo zeigte aus dem Fenster. »Seht mal, das Meer!«

Man erkannte nur eine dunkle Fläche und einen Streifen am Horizont, der sich kaum vom nachtschwarzen Himmel abhob.

»Viel kann man leider nicht erkennen«, bemerkte Georg.

»Was soll‘s«, meinte Enzo. »Wir haben ja die nächsten zwei Wochen Zeit, alles bei Tageslicht anzuschauen.«

»Und das werden wir auch«, rief Lisa voller Vorfreude.

 

*****

 

 

Das Ferienhäuschen

Es war abends nach elf Uhr, als sie in eine kleine mit Straßenlampen beleuchtete Ortschaft einfuhren. Zu dieser späten Stunde waren weder Menschen noch Fahrzeuge unterwegs und der Ort wirkte wie ausgestorben. Frau Liebknecht steuerte konzentriert den Wagen, bog einige Male ab und durchfuhr enge Seitengassen.

»Wir sind hier. Das ist Glowe«, kommentierte die Gastgeberin. »Nur noch ein Stück auswärts, dann kommen wir an die Ferienanlage.«

»Toll, sobald wir ankommen, müssen wir erst mal etwas Essbares zusammenstellen«, forderte Enzo mit knurrendem Magen. »Das Abendbrot ist bereits Stunden her.«

»Das ist nicht nötig, ihr bekommt etwas von mir«, verkündete Frau Liebknecht, was in Enzos Ohren wie Musik klang. »Doris hat mich gebeten, euch für heute Essen bereitzustellen, weil ihr so spät ankommt. Aus diesem Grund bereitet euch meine Haushälterin gerade Salzkartoffeln mit Brokkoligemüse und Frikadellen zu. Wenn wir ankommen, wird sie es euch gleich rüber zum Ferienhäuschen bringen.«

»Frau Seifert ist die Beste«, rief Enzo erfreut. »Vielen Dank, Annemarie«, bedanke er sich für alle.

»Ja, das ist typisch Mama«, amüsierte sich Lisa. »Immer hat sie Angst, wir würden verhungern.«

Nichtsdestotrotz bedankten sich die Kinder und freuten sich auf die warme Mahlzeit sehr. Denn mittlerweile waren alle mächtig hungrig geworden.

»Das ist aber die Ausnahme, weil wir so spät ankommen und alle Geschäfte bereits geschlossen haben«, informierte Georg. »Ab morgen werden wir selbst kochen, so wie letztes Mal.«

»Wie ihr wollt.« Frau Liebknecht fuhr aus dem Ort hinaus und hielt neben einer Streuobstwiese an. Zwischen den Bäumen schimmerten die Außenbeleuchtungen der Ferienanlage hindurch.

Die Dame stieg aus und half den Kindern mit ihrem Gepäck, welches sie über einen schmalen Weg durch die Wiese trugen. Erst nach etwa hundert Metern sahen sie die Ferienanlage, die aus mehreren einstöckigen Häuschen mit Strohdächern bestand.

»Wie schön, diese wunderschönen Häuschen wiederzusehen, die wie Lebkuchenhäuschen aussehen?!«, freute sich Lisa.