Band 35 - Ein überirdisches Abenteuer

Die vier Kinderdetektive Ingo, Georg, Enzo und Lisa lösen als IGEL-Team einen neuen Fall, der nicht von dieser Welt zu sein scheint ... Im Nachthimmel über der schmucken Kleinstadt Bad Bergzabern nähert sich ein grelles Licht. Surrend schwebt ein riesiges Flugobjekt über den Himmel. Autos halten an und Menschen haben Angst. Sirenen der alarmierten Feuerwehr- und Polizeiautos heulen durch die Nacht … Die vier Kinderdetektive liegen zu diesem Zeitpunkt in ihren Betten und bekommen von alldem nichts mit. Nachdem sie aber über die Schlagzeilen auf dieses nächtliche Ereignis aufmerksam geworden sind, forschen sie nach und begeben sich dabei in ein aufregendes Abenteuer.

 

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Der Glasgartenwettbewerb

Am zartblauen Himmel strahlte die Herbstsonne und legte einen warmen, goldenen Schimmer über die schmucke Kleinstadt Bad Bergzabern. Auf dem Rasen hinter dem Haus lagen die beiden Geschwister Lisa und Ingo auf einer Picknickdecke und waren in ihre Bücher vertieft. Ihr großer Bruder Georg saß daneben und baute an einem Modellflugzeug. Aus dem rotgoldenen Blätterdach des Kastanienbaumes nebenan hörte man das Gurren einer Taube, dann das Schreien einer Möwe und kurz darauf die Rufe eines Waldkauzes. Buntes Herbstlaub rieselte über die Köpfe der drei Kinder herab. Diese nahmen jedoch keine Notiz davon. Plötzlich drangen das Heulen eines Wolfes, das Brüllen eines Löwen und das Wiehern eines Pferdes aus dem Baum. Noch immer zeigten sich die Kinder desinteressiert.

»Lisa?«, sprach eine dumpfe Stimme aus dem Baum das Mädchen an. »Ich bin es, der Baum. Habe Spaß und klettere an meinen Ästen empor! Du wirst es nicht bereuen, da oben wartet nämlich ein schwarz gelockter Jüngling auf dich.«

Lisa schaute genervt zur Baumkrone und zog das Haargummi straff, welches ihren langen blonden Pferdeschwanz zusammenhielt. »Ist das derselbe Jüngling, der von mir Schläge bekommt, sobald ich rauf komme?«

»Was?« Ein rundes Jungengesicht blickte vom Baum herab. »Wenn das so ist, bleib lieber unten und lies weiter in deinem Buch. Georg und Ingo sollen auch unten bleiben. Bleibt alle drei unten und seid weiterhin öde Langweiler.«

»Ich denke, wir beenden die Lesestunde und kümmern uns um Enzo, bevor er zu weinen anfängt«, schlug Ingo sarkastisch vor. Er rückte seine Brille zurecht und schaute nach oben zu Enzo. »Wir finden sowieso keine Ruhe. Die ganze Zeit nervt er uns mit seinen Tierstimmenimitationen.«

»Hey. Ich bin ein Junge und weine nicht«, wehrte sich der mollige, schwarz gelockte Junge. »Mir war nur ein wenig langweilig und deshalb habe ich die Zeit genutzt, um euch ein bisschen zu ärgern, was ja im Grunde auch eine recht unterhaltsame Beschäftigung ist. Zudem habe ich ein bisschen meine Tierstimmen trainiert.«

»Ja«, bestätigte Ingo und fing an, alles zusammenzupacken. »Das war auch nicht zu überhören … Jeder von uns könnte sich seine eigene Hermetosphäre bauen. Wie findet ihr die Idee?«

»Hermetosphäre?« Enzo sprang vom Baum und landete mit einem Plumps im Gras. »Meinst du einen Flaschengarten, in dem sich eine Biosphäre bilden kann, weil er hermetisch beziehungsweise luftdicht verschlossen ist?«

»Exakt das habe ich gemeint«, bestätigte Ingo. »Das Wasser verdunstet und läuft an den Wänden des Glases herab. Die Pflanzen bilden Sauerstoff und verrottende Pflanzenteile bilden CO2, welches die Pflanzen zum Leben benötigen. Das Klima im Glasbehälter regelt sich ganz von selbst und man muss sich um nichts kümmern.«

»Das klingt nach Spaß.« Georg packte die Teile seines Modellflugzeugs in die Kiste. »So ein Ding würde gut auf meinen Schreibtisch passen. Besonders gut finde ich, dass man sich nicht ständig darum kümmern muss, weil es sozusagen wartungsfrei ist.«

»Das ist eine tolle Idee, Ingo! Ich möchte ein großes Glas«, rief Lisa erfreut. »Weißt du, wie man einen solchen Garten baut, oder hast du eine Anleitung dafür?«

»Das ist kein Problem, ich weiß, wie es geht«, antwortete Ingo schmunzelnd. »Vor wenigen Wochen habe ich nämlich im Internet nachgesehen, da gibt es viele tolle Anleitungen. Weil ich so begeistert davon war, habe ich Mama gebeten, die großen und schönen Gläser für uns aufzuheben und zu sammeln.«

»Fantastisch«, jubelte Enzo und klatschte freudig in die Hände. »Du hast ja bestens vorausgeplant und an alles gedacht. Wer den schönsten Garten hat, gewinnt!«

»Oh ja«, jubelte Lisa. »Wir veranstalten einen kleinen Wettbewerb. Ich werde gewinnen, weil ich den schönsten Flaschengarten anlegen werde!«

»Aber nur vielleicht, meine Liebe«, stellte Enzo Lisas Worte in Zweifel.

»Wer gewinnt, das wird sich zeigen, Leute«, verkündete Ingo fröhlich.

Die Kinder packten alles rasch zusammen und eilten ins Haus. Gerade noch lagen sie gemütlich auf dem Rasen und genossen die Sonnenstrahlen und jetzt konnten sie es kaum noch erwarten, endlich ihren Flaschengarten zu gestalten. Umgehend besorgten sie die notwendigen Utensilien aus der Küche, die aus großen Gläsern, Schüsseln, Esslöffeln und Zeitungspapier bestanden. Sie legten die Werkbank im Geräteschuppen mit Zeitungspapier aus und stellten die Gläser drauf. Die Schüsseln füllten sie mit Kies, Sand, Erde, Moos und einigen anschaulichen, würzig duftenden Wildkräutern aus dem Garten auf. In kurzer Zeit stand alles auf der Werkbank bereit.

»Anfangs bedecken wir den Boden des Glases mit Kies, damit sich keine Staunässe ansammeln kann«, erklärte Ingo. »Danach wird eine dünne Schicht Sand aufgetragen.«

»Wird gemacht, Chef«, scherzte Lisa.

Mit dem Esslöffel schaufelten sie Kies und Sand in ihre Gläser. Danach gaben sie frische Erde darüber. Folgend setzten sie das Moos, die Wildkräuter und interessante Steine ein, sodass ein schöner Minigarten entstand. Zuletzt träufelten sie ein wenig Wasser hinein und verschlossen ihre Gläser fest. Fasziniert bewunderten sie ihre Gärtchen, die wie kleine Urwälder aussahen, und lobten sich gegenseitig.

»Ich denke, wir sind uns einig, dass alle gewonnen haben«, sagte Lisa und die Jungen stimmten nickend zu.

»Es hätte auch schön ausgesehen, wenn wir eine kleine Christbaumkugel oder kleine Figuren reingetan hätten«, sagte Lisa.

»Das ist wahr«, stimmte Georg zu. »Ein kleiner Modellflieger hätte sich darin auch gut gemacht.«

Vorsichtig nahmen sie ihre Gläser von der Werkbank. »Bringen wir diese tollen Prachtstücke an ihren Platz«, sagte Georg. »Vielleicht werde ich demnächst noch etwas reintun, um es ein bisschen aufzumotzen.«

Sonderbare Schlagzeilen

Ingo stellte sein Glas beiseite und begann, das Zeitungspapier zusammenzurollen, das ihnen als Schmutzunterlage gedient hatte. »Ich räume gleich ein bisschen auf.« Plötzlich verharrte er und starrte wie vom Donner gerührt auf das Zeitungsblatt.

»Was hast du, Ingo?«, wurde Georg stutzig. »Hast du ein Gespenst gesehen?«

»Das nicht, aber hört euch mal diese sonderbare Schlagzeile an!«, stammelte Ingo. »Gestern Nacht gegen 23:45 Uhr gingen bei der Polizei und Feuerwehr etwa vierzig Anrufe von besorgten Bürgern ein. Diese wollen über dem südlichen Stadtteil von Bad Bergzabern ein unidentifizierbares Flugobjekt kurz UFO gesehen haben. Das runde Objekt soll einen Durchmesser von mindestens 50 Metern gehabt haben, war mit zig Lichtern bestückt und gab ein brummendes Geräusch von sich. Weder Feuerwehr noch Polizei konnten diese Sichtung bestätigen, obwohl Radare und Hubschrauber zum Einsatz kamen. Die Kriminalpolizei geht deshalb davon aus, es könnte sich um ein Wetterphänomen in Form von Wolken oder Kugelblitzen gehandelt haben.«

»50 Meter Durchmesser?«, rief Georg erstaunt. »Das ist ja riesig! Was kann das gewesen sein? Meint ihr, es war wirklich nur eine Wolke oder ein Blitz?«

»Das denke ich nicht«, zweifelte Enzo. »Vierzig Leute können doch wohl einen Blitz oder eine Wolke von einem Flugobjekt unterscheiden, oder? Angeblich hatte es doch zig Lichter und man hörte ein brummendes Geräusch. Das kann nur ein Flugobjekt gewesen sein.«

»Hurra!«, jubelte Lisa schrill und tänzelte umher. »Wir haben einen neuen Fall! Lasst uns herausfinden, was das war. Die Zeitung ist von gestern, was bedeutet, dass das vorgestern passiert war. Es wird höchste Zeit, dass sich jemand um die Sache kümmert.«

Ingo lächelte verzückt und rückte seine Brille zurecht. »Um den Fall aufzuklären, haben wir noch zu wenige Informationen. Deshalb werden wir heute Mittag mal im Süden der Stadt ganz unauffällig herumspazieren. Vielleicht haben wir Glück und können etwas entdecken.«

»Wir fragen die Anwohner, ob sie etwas gesehen haben«, schlug Lisa vor. »Sie können uns bestimmt sagen, woher dieses Objekt gekommen und in welche Richtung es geflogen ist.«

Georg wirkte sehr aufgeregt und man konnte ihm die Abenteuerlust regelrecht ansehen. »Lasst uns schnell unsere Flaschengärten wegbringen, damit wir die Sache besprechen können.«

Das taten sie auch umgehend. Alle waren in heller Aufregung und freuten sich auf den neuen Fall, der ihnen gewiss ein schönes Abenteuer bescheren wird – da waren sie sich absolut sicher. Ingo, Georg und Lisa eilten in ihre Zimmer und stellten die Gläser auf ihre Schreibtische. Enzo rannte nach Hause und stellte seinen Glasgarten ebenfalls auf seinen Schreibtisch. In Windeseile kehrte er zu den Seiferts zurück und stürmte in Ingos Zimmer, wo Lisa, Georg und Ingo bereits auf ihn gewartet hatten.

»Da bist du ja endlich«, neckte Lisa. »Hast du zwischendurch noch ein 3-Gänge-Menü gefuttert?«

»Hey«, keuchte Enzo noch außer Atem. »Ich machte, so schnell ich konnte. Ein 3-Gänge-Menü? Schön wär's. Es kam euch nur so lange vor, weil ihr auf mich gewartet habt.«