Band 36 - Eiskalt erwischt

Diesmal plant Familie Seifert, die freien Tage über Weihnachten in einem Wellnesshotel in Bayern zu verbringen. Selbstverständlich darf auch der Nachbarsjunge Enzo mitfahren. Die vier Kinder Ingo, Georg, Enzo und Lisa freuen sich sehr. Es kommt noch besser, denn weil die Eltern verhindert sind, dürfen die Kinder sogar voraus fahren. Dort angekommen, erfahren sie, dass Diebe im Hotel ihr Unwesen treiben. Als Detektiv-Team gehen sie auf Ermittlungstour und erleben ein spannendes Abenteuer.

 

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Eine sensationelle Nachricht

Es war einfach nur fantastisch. Gerade hatten die Weihnachtsferien begonnen und schon rieselten die ersten Schneeflocken vom Himmel herab und setzten weiße Farbtupfer in die grau wirkende Landschaft. Die Kinder Ingo, Georg, Enzo und Lisa befanden sich in Ingos Zimmer und überlegten, was sie wohl in den Weihnachtsferien unternehmen könnten.

Lisa sah zufällig aus dem Fenster. »Hurra!«, rief sie und tanzte durchs Zimmer. »Es schneit, Jungs.«

Georg, Ingo und Enzo eilten zum Fenster, spähten hinaus und jubelten vor Freude.

»Hoffentlich bekommen wir dieses Jahr weiße Weihnachten«, hoffte Ingo. »Letztes Jahr war es nur kalt und grau. Sobald Schnee liegt, sieht alles gleich viel heller und freundlicher aus.«

»Auf jeden Fall«, war Enzo derselben Meinung. »Eine glitzernde Schneedecke sieht aus wie ein weißer Teppich voller Diamanten. Ich liebe es.«

Georg schaute verzückt aus dem Fenster. »Da können wir nur hoffen, dass der Schnee auch liegen bleibt.«

Plötzlich klopfte es an der Zimmertür und eine Frau kam herein. Sie trug eine apfelgrüne Kittelschürze und hatte ihr langes blondes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. In den Händen hielt sie ein Tablett mit dampfenden Tassen und einer Schüssel voller Weihnachtsgebäck. »Hallo, Kinder. Ich habe euch heiße Schokolade und ein wenig Gebäck mitgebracht.«

»Danke, Mama«, riefen Georg, Lisa und Ingo wie aus einem Munde.

»Ich liebe Sie, Frau Seifert«, freute sich Enzo. Das war wieder typisch für ihn, denn wenn es ums Essen ging, neigte der Junge ständig zu Übertreibungen.

Die Mutter stellte das Tablett auf der Kommode ab. »Falls ihr mich sucht, ich bin in der Küche.« Grinsend und von fragenden Blicken verfolgt, verließ sie den Raum.

»Weshalb hat sie das gesagt?«, wunderte sich Ingo. »Warum sollten wir sie suchen?«

»Das frage ich mich auch«, meinte Georg nachdenklich. »Das hat sie noch nie gesagt?! Es ist sehr verwunderlich. Und habt ihr gesehen, wie komisch sie gegrinst hat?«

»Oje, hoffentlich wird sie nicht krank«, sorgte sich Lisa um ihre Mutter. »Ihr Verhalten ist wirklich merkwürdig.«

»Ihr macht euch viel zu viele Sorgen, Freunde«, beruhigte Enzo und nahm sich einen Kakao und einen Lebkuchen vom Tablett. »Bestimmt hofft sie, wir planen, die Ferien woanders zu verbringen. Damit hätte sie über Weihnachten Ruhe vor uns. Deshalb sagte sie, wir würden sie in der Küche finden … Lasst es euch lieber schmecken und denkt nicht weiter darüber nach. Der Lebkuchen ist köstlich.«

»Enzo hat recht«, stimmte Lisa zu und nahm sich ebenfalls eine Tasse und einen Keks. »Bestimmt hofft sie, wir würden über Weihnachten wegfahren, um mit Papa das Haus allein zu haben.«

Ingo zuckte mit den Schultern. »Da hat sie leider Pech gehabt. Wir werden nämlich Weihnachten wahrscheinlich zu Hause verbringen. Aber uns kann man deshalb keinen Vorwurf machen. Wir hatten alles versucht aber leider ohne Erfolg.«

»Ja. Nach Neustadt können wir leider nicht, weil Tante Luise Besuch aus Venedig bekommt und unser Rebenhaus über Weihnachten auch vermietet ist«, bedauerte Enzo. »Nach Speyer können wir auch nicht, da Tante Sofia selbst über Weihnachten wegfährt. Dieses Jahr haben wir wirklich Pech gehabt.«

»Naja«, sagte Lisa gleichgültig. »Zu Hause ist es doch auch sehr schön.«

Die Kinder genossen den heißen Kakao und knabberten Plätzchen dazu. Ständig schauten sie aus dem Fenster und beobachteten die herabrieselnden Schneeflocken. Nach einer Weile waren die Kekse fast leer, als auf einmal im Inneren am Boden der Schüssel ein giftgrüner Zettel zum Vorschein kam.

»Was ist denn das?«, stutzte Ingo. »Sag bloß, Mama hat da einen Hund draufgemalt.«

Georg hob die Augenbrauen. »Wieso einen Hund?«

Ingo rückte seine Brille zurecht. »Es gibt doch die Redewendung, jemand sei auf den Hund gekommen. Es gibt mehrere Deutungen, woher diese stammt. Eine davon ist, dass man früher sein Geld in einer Holzkiste aufbewahrt hat. An deren Boden im Inneren war ein Hund aufgemalt. Wurde die Kiste leer, dass man den Hund am Boden sehen konnte, war man auf den Hund gekommen.«

Lisa nahm den Zettel aus der Schüssel. »Das mit dieser Redewendung ist sehr interessant, aber da ist kein Hund, da steht was drauf: Überraschung, liebe Kinderlein!!! Nehmt euch nichts vor, denn wir werden mit der Bahn nach Bayern in ein Wellnesshotel fahren, wo wir 14 Tage lang über Weihnachten Ferien machen werden. Enzo darf natürlich auch mitkommen, seine Eltern wissen Bescheid. Das Hotel heißt Jägerhof und befindet sich bei Fürsteneck. Wir haben die Zimmer für morgen ab 15 Uhr gebucht, deshalb können wir morgen früh um 7 Uhr gleich losfahren.«

»Hurra!«, rief Enzo voller Vorfreude. »Wir fahren in ein Wellnesshotel und ich darf mitkommen.« Hand in Hand tanzte er mit Lisa durchs Zimmer und beide rempelten versehentlich Georg an.

»Hey, Leute. Rastet doch nicht gleich aus«, amüsierte sich Georg. »Ich freue mich auch, aber seht ihr mich herumtanzen?«

»Du und tanzen?«, lachte Enzo. »Du bist viel zu groß dafür. Es würde komisch aussehen.«

Ingo kicherte, setzte sich an seinen Schreibtisch und schaltete den Computer an. »Man kann doch nicht zu groß zum Tanzen sein?!«

Alle waren in heller Aufregung und redeten wild durcheinander. Ingo suchte im Internet die Webseite des Hotels und wurde schnell fündig. »Hier ist das Hotel, Leute«, rief er, worauf augenblicklich Ruhe eingekehrte. »Seht euch dieses Hallenbad an, das ist ein Traum.«

»Oh Mann«, war Lisa begeistert. »Ein Hallenbad hat es auch? Das ist echt Spitzenklasse.«

Fasziniert schauten sich die Kinder die Bilder der Zimmer und Hoteleinrichtungen an. Der Hotelkomplex schien riesig zu sein, verfügte über eine Saunalandschaft, ein Hallenbad, ein Fitnessstudio und diverser anderer Sport- und Entspannungseinrichtungen. Die Einzelzimmer, Doppelzimmer und Suites, die mit einer Couchgarnitur ausgestattet waren, sahen urig gemütlich aus. Enzo interessierte sich besonders für die drei Restaurantstuben, die im Hotel zur Verfügung standen. Nun, nachdem sie die Bilder und die Umgebung des Hotels gesehen hatten, konnten sie es kaum noch erwarten, endlich aufzubrechen.

Georg klatschte ungeduldig in die Hände. »Los! Lasst uns packen. Morgen früh geht’s los, Leute!«

»Ja, ich geh gleich rüber in mein Zimmer und packe meine Sachen zusammen«, war Lisa motiviert.

»Ich geh ebenfalls in mein Zimmer und packe«, fügte Georg hinzu. »Bis später, Leute.«

»Wartet doch mal, Freunde«, bremste Enzo den Tatendrang. »Wir sollten erst mal zu eurer Mutter gehen und uns für die tolle Überraschung bedanken. Meint ihr nicht auch? Ich sollte auch rüber zu meinen Eltern gehen und mich bedanken.«

Ach ja, natürlich. Das wäre ja wohl das Mindeste nach einer solch gelungenen Überraschung. Wie konnten sie das nur vergessen? Sie sausten die Treppen hinab in die Küche. Frau Seifert hatte bereits gewartet und freute sich sehr, dass die Überraschung gelungen und die Freude der Kinder so groß war. Gleich darauf eilte Enzo nach Hause, bedankte sich bei seinen Eltern und packte seine Sachen. Lisa, Georg und Ingo packten ihre Sachen zusammen, trugen alles hinunter und stellten es im Flur neben der Haustür für die Abreise bereit. Kurz danach kam auch Enzo und stellte sein Gepäck dazu.

Doch auf einmal kam Frau Seifert zu ihnen in den Flur und ihre düstere Miene ließ Schlimmes erahnen. »Es ist leider etwas dazwischen gekommen, Kinder.«

Von einer Sekunde auf die nächste verschwand das Strahlen aus den Gesichtern der Kinder. »Oje. Was ist passiert, Mama? Fahren wir doch nicht?«, fragte Georg vorsichtig und hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten, um die Antwort nicht hören zu müssen.

»Morgen ist Samstag, da hätte euer Vater normalerweise seinen Urlaub angetreten«, erklärte die Mutter. »Leider schafft er es bis dahin nicht mehr, die Jahresendrechnungen fertigzustellen. Deshalb muss er mindestens bis nächste Woche Dienstag oder Mittwoch arbeiten. Ich muss gleich im Hotel anrufen und die Reservierung des Doppelzimmers verschieben.«

»Oh wie schade«, riefen die Kinder wie aus einem Mund, und tiefe Seufzer folgten.

»Moment mal! Hast du gesagt, du musst die Reservierung des Doppelzimmers verschieben?«, vergewisserte sich Ingo.

»Ja, ihr könnt ja morgen ohne uns losfahren«, wies die Mutter lächelnd hin. »Wir kommen dann am Mittwoch nach. Ihr seid ja groß genug, alleine zu fahren. Wie immer kann Georg ein Auge auf euch werfen.«

»Mach ich, Mama«, versicherte Georg hocherfreut. »Ich werde auf alle gut aufpassen.«

»Hurra«, schrillte es durchs ganze Haus.

»Wir fahren morgen in die Ferien!«, sang Enzo melodisch.

Nach dem Abendbrot saßen die Kinder in Ingos Zimmer und spielten Karten. Hoffnungsvoll sahen sie aus dem Fenster, doch es hatte mittlerweile aufgehört zu schneien und alles war weggetaut.

»Oh wie schade«, sagte Enzo enttäuscht. »Der ganze Schnee ist getaut und es sieht aus, als würde es nieseln.«

»Mit Nieselregen bekommen wir keine schöne schneebedeckte Landschaft«, seufzte Lisa. »Vielleicht wird es heute Nacht kühler, und wenn wir morgen früh aufwachen, ist alles weiß.«

»Eine schöne Vorstellung.« Georg setzte sich auf die Fensterbank und schaute aus dem Fenster. »Das wäre echt grandios.«

»Nein, das wäre es eigentlich nicht, Freunde«, widersprach Enzo auf einmal. »Morgen früh müssen wir mit Sack und Pack zum Busbahnhof laufen und mit dem Bus zum Zugbahnhof fahren. Weil der Zug nicht bis Fürsteneck durchfahren wird, werden wir wahrscheinlich einige Male umsteigen müssen.«

»Und weiter?«, fragte Ingo. »Wo ist das Problem?«

»Das Problem ist, dass wir laufend durch den Schnee stapfen müssten«, antwortete Enzo.

»Mir würde es Spaß machen, durch den Schnee zu stapfen«, erwiderte Lisa.

»Ja, mir auch«, sagte Enzo. »Aber nicht mit unserem Reisegepäck.«

»Das macht nichts, Enzo«, wies Ingo hin. »Wir haben stabile Koffer und könnten sie wie einen Schlitten hinter uns herziehen.«

»Hiermit wäre wohl alles geklärt«, mischte sich Georg ein. »Wie es im Moment aussieht, wird morgen sowieso kein Schnee liegen. Mittlerweile regnet es nämlich in Strömen.«

Schließlich rückte die Schlafenszeit näher. Enzo verabschiedete sich und ging nach Hause. Nach kurzer Zeit schliefen alle tief und fest und träumten von den Ferien im Wellnesshotel.

Fahrt nach Bayern

Am nächsten Morgen schreckte Ingo grundlos aus dem Schlaf und schaute auf den Wecker. »Puh. 5 Uhr. Ich befürchtete schon, wir hätten verschlafen.« Er sprang aus dem Bett und lief zum Fenster. Gespannt zog der den Vorhang zurück und war enttäuscht, als er in die dunkle und farblose Landschaft schaute. »Schade, es hat nicht geschneit.«

»Guten Morgen!«, rief Enzo erfreut nach oben. Er stand vor der Haustür und wartete, bis er zum Frühstück reingelassen wurde – eigentlich wie jeden Morgen.

»Wir kommen sofort«, erwiderte Ingo. Er hängte seine Bettwäsche zum Lüften übers Fenster und eilte durch den Flur in Richtung Badezimmer. Dabei klopfte er an Lisas und danach an Georgs Zimmertür. »Es ist Zeit, aufzustehen!«

Als er nach kurzer Zeit aus dem Badezimmer kam, hatten Lisa und Georg ihre Bettwäsche zum Lüften aufgehängt und warteten im Flur. »Endlich, ich dachte, du würdest jetzt im Badezimmer wohnen«, scherzte Lisa und ging ins Bad.

»Beeil dich, Schwesterchen«, stammelte Georg verschlafen. »Ich muss auch ins Bad.«

Wenige Minuten danach kamen die drei Geschwister die Treppen herunter, ließen Enzo herein und begrüßten ihn. Gemeinsam gingen sie in die Küche.

»Einen wunderschönen guten Morgen, Kinder«, grüßte Frau Seifert, die ein prächtiges Frühstück vorbereitet hatte.

»Guten Morgen, Frau Seifert«, grüßte Enzo fröhlich.

»Guten Morgen, Mama«, grüßten die drei Geschwister.

Voller Vorfreude auf das tolle Frühstück setzten sich die Kinder an den Tisch. Kirschkonfitüre, Brombeermarmelade, Zuckerrübensirup und Honig standen bereit. Daneben stand ein Körbchen mit knusprigen, goldbraunen Brötchen. Zum Trinken stand jeweils ein Topf mit heißer Schokolade und Milch bereit. Die Kinder fingen an zu frühstücken. Draußen war es noch finster und in der Küche brannte ein gemütlich warmes Licht. Enzo bereitete sich wie immer zuerst mal alles vor. Dazu bestrich er sich vier Brötchenhälften. Eine mit Zuckerrübensirup und die anderen drei mit verschiedenen Marmeladen. Lisa, Georg und Ingo waren längst beim Essen, da fing Enzo erst an. Ingo war während des Frühstücks in seinen Klapprechner vertieft und schaute sich noch einmal die Details des Hotels und der Verkehrsanbindung an.

»Das mit dem Schnee war wohl nichts«, bedauerte Enzo, der sich sehr über eine schneebedeckte Landschaft gefreut hätte. »Heute Nacht scheint es sogar wärmer geworden zu sein.«

»Ja, leider«, sagte Lisa. »In Bayern ist es gewiss kälter, weil es höher liegt. Vielleicht liegt ja dort Schnee?!«

Ingo rückte seine Brille zurecht. »Bad Bergzabern liegt 170 Meter und Fürsteneck 395 Meter über dem Meeresspiegel. Aber laut Wetterbericht liegt dort derzeit kein Schnee.«

»Wir sind ja die nächsten 14 Tage dort. Bis dahin kann viel passieren«, hoffte Georg.

Zum Abschluss des Frühstücks tranken die Kinder wie jeden Tag ein großes Glas Orangensaft, um genügend Vitamine für den Tag zu tanken. Bald machten sie sich auf den Weg zum Bahnhof. Frau Seifert hatte ihnen einen Korb voller Proviant für die Reise vorbereitet. Sie rollten ihre Koffer durch die Straßen und kamen eine Weile später am Bahnhof an. Mit dem Bus fuhren sie vierzig Kilometer bis zur Stadt Karlsruhe, wo sie nach einer Stunde ankamen und in den Zug einstiegen.

Lisa schaute aus dem Fenster in die vorbeiziehende Landschaft. »Im Zug ist es viel gemütlicher als im Bus.«

»Ja, es ist sehr gemütlich«, schwärmte Enzo. »Wie sieht es eigentlich mit Mittagessen aus, Freunde?«

»Wie soll es denn aussehen, Enzo?«, wunderte sich Ingo. »Es ist gerade mal 8 Uhr und wir sind erst eine Stunde unterwegs und haben noch sechs Stunden vor uns?! Du wirst doch nicht jetzt schon essen wollen?«

»Genau«, gab Georg seinem Bruder recht. »Wenn du jetzt anfängst zu essen, wirst du, lange bevor wir dort ankommen, alles weggefuttert haben.«

»Der Zug braucht drei Stunden bis Nürnberg und dann noch mal zwei Stunden bis Passau, von wo wir dann noch einmal knapp eine Stunde lang mit dem Bus fahren«, erklärte Ingo. »Ich schlage vor, wir essen erst, nachdem wir in Nürnberg umgestiegen sind.« Ingo reichte Enzo einen Müsliriegel, mit dem er seinen kleinen Hunger überbrücken konnte.

Ingo führte stets für Enzo Müsliriegel mit und war sozusagen der Verwalter dafür. Denn hätte Enzo die Riegel selbst mitgenommen, hätte er sie garantiert im Nu alle auf einmal aufgegessen.

Verträumt schauten die Kinder aus dem Fenster und beobachteten die Landschaft. Um sich die Zeit zu vertreiben, spielten sie Stadt-Land-Fluss und danach Schiffe versenken. Drei Stunden waren mittlerweile vergangen und der Zug fuhr in Nürnberg ein. Sie nahmen ihre Sachen und stiegen aus. Der Anschlusszug war schnell gefunden. Sie stiegen ein und suchten sich einen freien Platz.

»Jetzt sind es etwa zwei Stunden bis nach Passau«, informierte Ingo. »Es ist Zeit für eine leckere Brotzeit. Lasst uns mal nachsehen, was uns Mama eingepackt hat.«

Die Kinder holten ihren Proviant raus. Die Mutter hatte jedem eine Dose Nudelsalat mit Erbsen, Möhren, Eiern und klein geschnittenen Cocktailtomaten eingepackt. Zusätzlich hatte sie eine Tüte mit zehn Leberwurstbrötchen mit Senf und ein Glas saure Gurken eingepackt. Zum Trinken hatte sie ihnen blauen Traubensaft und Mineralwasser mitgegeben, woraus sie sich Traubensaftschorle mischten. Als kleine Überraschung hatte sie ihnen eine große Dose Weihnachtsgebäck dazugetan.

»Die Brötchen heben wir uns auf, falls wir zwischendurch Hunger bekommen«, schlug Lisa vor. »Wir können sie im Hotelzimmer essen und uns einen Tee dazu kochen. Zuerst sollten wir den Nudelsalat verzehren, weil der durch die gekochten Eier schneller verderben kann.«

»Ich freue mich sehr darauf, heute Abend im Hotelzimmer Tee zu trinken. Gut, dass wir immer unsere Teebox und den Wasserkocher mitnehmen«, fand Georg.

Damit hatte er vollkommen recht. Wenn die Kinder in die Ferien fuhren, nahmen sie stets ihre Teebox und den Wasserkocher mit. Die Teebox war ein einfacher Plastikkasten, im dem sich ein verschraubbares Glas mit Zucker, Teelöffel, Tassen und verschiedene Sorten Tee wie Hagebutte, Pfefferminze, Früchte, Fenchel, Kamille und schwarzer Tee befanden.

In den nächsten Minuten aßen die Kinder ihren Nudelsalat, der köstlich schmeckte. Danach lehnten sie sich zufrieden und satt in die weichen Polster zurück, schlossen die Augen und sanken in einen angenehmen Dämmerschlaf. Nach zwei Stunden fuhr der Zug in Passau ein. Die Kinder stiegen aus und suchten die Busstation auf. Sie stiegen in den Bus nach Fürsteneck und nahmen Platz.

»Jetzt sind es nur noch dreißig Kilometer bis Fürsteneck, dann haben wir es geschafft«, sagte Ingo erleichtert. »Gegen 14 Uhr werden wir ankommen.«

Punkt 14 Uhr standen die Kinder am Busbahnhof in Fürsteneck. Ingo nahm einen Zettel aus dem Rucksack und lief voraus. »Folgt mir, ich habe einen kleinen Plan ausgedruckt, mit dem wir problemlos zum Hotel finden werden.«

Der Himmel war bewölkt und es war bitterkalt, während sie durch den menschenleeren 900-Seelen-Ort liefen. 

 

 

Das Hotel

Kurze Zeit später kamen die vier Kinder in eine Straße und entdeckten etwas außerhalb vom Ort gelegen ein riesiges Gebäude mit Türmen. »Das dürfte das Hotel sein«, verkündete Ingo freudestrahlend.

»Das sieht ja aus wie ein Schloss?!«, war Enzo begeistert, was absolut stimmte. Das gelbliche Backsteinhaus mit den Türmen sah sogar besser aus als so manches Schloss.

»Das ist grandios«, freute sich Georg. »Das hat man im Internet auf den Bildern gar nicht so gesehen?! Heute Abend können wir uns gleich mal im Hallenbad schön aufwärmen.«

»Oder in der Sauna«, fügte Lisa erfreut hinzu.

Aufgeregt gingen die Kinder durch die Glastüre und kamen in eine riesige Eingangshalle, deren vordere Wand völlig aus Glas bestand. Der Fußboden aus kirschrotem Samtteppich war weich wie Moos. In der Mitte der Halle führte eine breite Treppe mit goldenem Geländer empor. Seitlich befand sich der Rezeptionsschalter, der durch das dunkle verschnörkelte Holz und die eingeschnitzten Figuren sehr mächtig wirkte. Ein kleiner Christbaum und eine Tischlampe beleuchteten den Herrn hinter dem Schalter geheimnisvoll. Im hinteren Teil der Halle schien der Wartebereich zu sein, der mit edlen schwarzen Sesseln und Tischen ausgestattet war. Die Kinder spürten eine angenehme Wärme und vernahmen einen würzigen Duft nach Baumharz und Tannen. Sofort fiel ihnen der riesige Christbaum mit rot glänzenden Kugeln und weißen kleinen Lichtlein auf. Außer den Kugeln baumelten auch noch Karamellbonbons und rot-weiß gestreifte Zuckerstangen an den Zweigen, was besonders Enzo gut gefiel.

»Welch ein prächtiger Baum«, war Lisa beeindruckt.

»Das ist eine Nordmanntanne«, informierte der Rezeptionist.

Ingo rückte seine Brille zurecht. »Die Nordmanntanne ist übrigens nach dem finnischen Botaniker Alexander von Nordmann benannt, der diese Tannenart erstmals im Jahre 1847 beschrieben hatte.«

»Das wusste ich nicht«, gestanden Lisa und Enzo.