Band 37 - Vandalismus in Schloss Kronenfels

Die Kinderdetektive des IGEL-Teams werden in den Osterferien auf Schloss Kronenfels eingeladen, um einen besonderen Fall aufzuklären. Diesmal geht es nicht nur um einen Diebstahl, sondern um blanke Zerstörungswut. Die Täter brechen in Zimmer ein, reißen Bretter und Holzdielen von den Wänden und entkommen unbemerkt. Die Sachschäden sind enorm. Die Schlossbesitzer wissen nicht mehr weiter und ihnen droht der finanzielle Ruin, da ihnen selbst die Polizei nicht helfen kann. Die aufgeweckten Kinderdetektive nehmen den Fall an, ermitteln und geraten wieder einmal in ein großes und spannendes Abenteuer.

 

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Ein ganz besonderer Auftrag

Draußen war es noch dunkel und still, was kein Wunder war, denn es war gerade mal 4 Uhr am Morgen. Der dreizehnjährige Georg lag in seinem Bett und schreckte aus dem Schlaf. Er schlug die Augen auf und hatte ein seltsames Gefühl. War da jemand in seinem Zimmer? Die Zimmertür war einen Spalt weit geöffnet, was er daran erkannte, dass der Schein der Nachtlampe vom Flur einfiel. Ein eiskalter Schauer jagte ihm über den Rücken und sein Atem stockte.

»Einbrecher«, war sein erster Gedanke.

Jetzt hörte er ein leises Atmen neben seinem Ohr. Zweifellos saß jemand an seinem Bett und starrte ihn an. Er glaubte sogar, einen dunklen Schatten zu erkennen. Angespannt hielt er die Luft an und nahm vorsichtig seine Bettdecke in beide Hände. 

»Hab ich dich«, rief er und schleuderte die Decke schwungvoll über den Eindringling, worauf ein erstickter Schrei zu hören war.

Georg sprang aus dem Bett, rannte zum Schalter und knipste das Licht an. Tatsächlich befand sich etwas unter der Decke. Sie lag neben dem Bett und bewegte sich heftig.

Mutig stürzte sich Georg auf den Eindringling. »Dein Spiel ist aus. Du bist hiermit festgenommen!«

»Hey! Hör auf damit und sei nicht so laut, Georg«, hörte er eine ihm vertraute Stimme.

»Ingo?«, erkannte er seinen zwölftjährigen Bruder.

Ingo lugte unter der Decke hervor und rückte sich seine Brille zurecht, die durch die Attacke verrutscht war. »Mensch, Georg! Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt.«

»Ich dir?« Georg lachte zynisch. »Hast du eine Ahnung, wie mein Herz gepocht hat, als ich dachte, ein Fremder wäre in meinem Zimmer? Es ist genau umgekehrt, mein Lieber. Du hast mir einen tüchtigen Schrecken eingejagt. Bist du von Sinnen? Weshalb schleichst du dich eigentlich nachts heimlich in mein Zimmer und setzt dich neben mein Bett?«

»Ich habe mich nicht heimlich in dein Zimmer geschlichen, sondern ich wollte dich nur vorsichtig aufwecken«, rechtfertigte sich Ingo.

»Wozu?«, war Georg gespannt auf die Antwort.

»Ich konnte heute Morgen nicht mehr schlafen und setzte ich mich an den Computer«, erklärte Ingo. »Vor etwa einer Stunde habe ich eine Mail mit einem neuen Detektivauftrag bekommen. Ich dachte, er würde dich interessieren und aus diesem Grund wollte ich dich aufwecken. Aber falls du zu müde bist, schlafe ruhig weiter, wir können die Sache ebenso gut später beim Frühstück besprechen.«

»Machst du Witze?«, fragte Georg mit grimmiger Miene. »Nach diesem Vorfall bekomme ich kein Auge mehr zu. Außerdem möchte ich jetzt dringend wissen, worum es bei diesem Auftrag geht. Das muss ja was Besonderes sein, weil du mich extra deshalb aufgeweckt hast.«

Mit dieser Schlussfolgerung lag Georg gar nicht so falsch, was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte.

Wenig später kam Georg in Ingos Zimmer und traute seinen Augen nicht. Seine elfjährige Schwester Lisa saß mit dem zwölfjährigen Nachbarsjungen Enzo auf dem weißen Flokati vor Ingos Bett. Ingo saß auf seinem Bett und alle hielten eine Tasse heiße Schokolade in den Händen.

Georg war perplex. »Was geht denn hier ab? Es ist doch erst 4 Uhr? Lisa ist auch schon wach. Enzo? Warum bist du eigentlich schon da?«

»Ingo und Lisa haben mich vorhin über das Funkgerät informiert«, erklärte der mollige, schwarz gelockte Junge. »Als ich von dem Auftrag erfuhr, bin ich augenblicklich rübergekommen.«

»Lüg doch nicht so rum«, mahnte Lisa im Spaß. »Erst als wir dir versprachen, eine heiße Schokolade zuzubereiten, bist du rübergekommen.«

Enzo grinste verschmitzt. »Ich wäre aber auch so gekommen. Ja gut, ich muss zugeben, es war ein gutes Lockmittel, wodurch ich vielleicht einige Minuten früher da war.«

»Machen sich deine Eltern keine Sorgen, wenn sie dich nicht in deinem Bett vorfinden werden«, sorgte sich Georg. »Schließlich hast du dich aus dem Haus geschlichen, oder?«

Enzo lachte. »Nein. Meine Eltern sind seit 3 Uhr in der Küche und bereiten die Zutaten für die Pizzen vor. Ich habe ihnen sogar erzählt, dass ich zu euch rübergehen werde, weil Ingo mich übers Funkgerät gerufen hat.« In der Tat waren Enzos Eltern immer sehr beschäftigt, da sie eine eigene Pizzeria betrieben und immerzu am Arbeiten waren. Aus diesem Grund verbrachte der italienische Junge die meiste Zeit bei Familie Seifert und war inzwischen wie ein Mitglied der Familie geworden.

»Na schön«, meinte Georg. »Worum geht es denn bei diesem Auftrag? Wer von euch möchte mich darüber informieren?«

»Wir haben gewartet, bis du kommst, Georg«, klärte Lisa auf. »Enzo und ich, wir wissen es ebenfalls noch nicht. Ingo! Lass doch mal hören, was so wichtig war, uns alle in aller Früh aus den Betten zu holen.«

»Zu viel Schlaf ist sowieso ungesund und macht müde, weil der Stoffwechsel auf Dauer gesenkt wird. Deshalb sollte man nicht länger als 9 Stunden schlafen«, klärte Ingo auf. »Auf der Fensterbank steht dein Kakao, Georg.«

Georg ließ sich nicht zweimal bitten und griff sich die Tasse. »Oh lecker, vielen Dank.«

»Gerne«, antwortete Ingo. »Also wir wurden eingeladen, unsere Osterferien in einem Schloss im Ort Kronberg zu verbringen …«

Ingos Worte wurden von einem lauten Hurra unterbrochen, doch unbeirrt fuhr er fort: »Dort treiben Vandalen ihr Unwesen. Es wird in Zimmern eingebrochen und einfach nur die Einrichtung demoliert. Die Zerstörer reißen die Holzverkleidungen und Tapeten von den Wänden, aber seltsamerweise wurde bisher nichts gestohlen. Die Polizei kann den Leuten leider nicht weiterhelfen, weil sie keine Spuren finden.«

»Das ist ein Rachemotiv«, war Lisa sicher. »Die Täter wollen sich bei den Schlossbesitzern für irgendwas rächen.«

»Das kann sein, Lisa«, erwiderte Enzo. »Ich tippe aber eher auf ein Neidmotiv. Die Täter sind neidisch auf die Schlossbesitzer und wollen so viel Schaden anrichten, wie sie nur können, um sie in den finanziellen Ruin zu treiben.«

»Diese beiden Motive sind mir bereits selbst eingefallen«, teilte Ingo mit. »Da nichts gestohlen wurde, kann man Geldgier und Habgier als Motive ausschließen.«

»Es könnte aber ebenso ein Einschüchterungsversuch sein«, fiel Georg ein. »Eventuell könnte jemand die Wände zerstören, um die Schlossbesitzer einzuschüchtern. Vielleicht erhofft sich der Täter damit, die Schlossbesitzer zu vertreiben?«

»Das könnte gut möglich sein«, erwiderte Ingo und setzte sich an den Schreibtisch. »Sehen wir uns dieses Schloss mal im Internet an, damit wir wissen, wo wir unsere Ferien verbringen werden.«

Enzo, Lisa und Georg kamen zum Schreibtisch und schauten Ingo über die Schulter, während er die Webseite durchforstete. Sie fanden heraus, dass das Schloss Kronenfels Touristen beherbergte. Alle Zimmer sahen sehr ansprechend aus. Manche waren mit rötlichen Tapeten und manche mit holzvertäfelten Wänden versehen. In jedem Zimmer befand sich ein offener Kamin. Die dunklen, rustikalen Holzmöbel passten sehr gut zu einem Schloss so wie die verschnörkelten Bilderrahmen der Wandgemälde und die goldenen Kronleuchter. Ebenso passten die Himmelbetten und die Teppiche zur Einrichtung, die man nur in einem Schloss erwarten würde. Das Speiserestaurant war im ähnlichen Stil eingerichtet. Da standen Tische mit weißen Tischdecken, auf denen silbrige Kerzenleuchter platziert waren. Rustikale Stühle, holzvertäfelte Wände, schwere Vorhänge, ein offener Kamin und ein pompöser Kronleuchter ließen den Speiseraum geheimnisvoll wirken.

»Es hat was von einem Spukschloss«, schauderte Lisa. »Trotzdem freue ich mich …«

Lisa brach mitten im Satz ab, als es kurz klopfte, bevor die Zimmertür aufging. Eine Frau mit langen blonden Haaren schaute herein. »Guten Morgen, Kinder. Was ist denn hier los? Es ist nicht mal 5 Uhr und ihr seid bereits wach?«

»Guten, Morgen«, grüßten die Kinder wie aus einem Munde.

»Wir wurden über die Osterferien auf ein Schloss nach Kronberg eingeladen«, teilte Ingo fröhlich mit. »Jemand zerstört die Wände und wir sollen herausfinden, wer das sein kann. Dürfen wir den Auftrag annehmen, Mama?«

Frau Seifert überlegte kurz. »Gut. Dann wünsche ich euch viel Spaß. Aber seid bitte vorsichtig und begebt euch nicht in Gefahr.«

»Hurra«, riefen die Kinder lauter, als sie es wollten.

»Nicht so laut«, zischte Georg verantwortungsvoll. »Wir wecken sonst noch Papa auf. Nein, Mama. Du kennst uns doch. Wir begeben uns nicht in Gefahr.«

»Richtig. Wir sind stets sehr vorsichtig. Du kannst ruhig wieder zu Bett gehen, Mama«, sagte Lisa. »Hoffentlich haben wir dich nicht aufgeweckt.«

»Unsinn«, antwortete Enzo. »Eure Mutter steht immer vor 5 Uhr auf und bereitet das Frühstück für euren Vater zu, der in etwa einer viertel Stunde aufstehen wird. Ihr bekommt das nur nie mit, weil ihr euch sonst um diese Uhrzeit noch im Land der Träume befindet.«

Enzo wusste genau Bescheid, weil er jeden Morgen vor der Haustür darauf wartete, bis die Kinder aufstanden und ihn zum gemeinsamen Frühstück herein ließen. Täglich hörte er die Geräusche aus dem aufgeklappten Küchenfenster und begegnete danach vor der Haustüre Herrn Seifert, der zur Arbeit ging.

Die Mutter nickte und schmunzelte. »Enzo kennt sich mit meinem Tagesablauf besser aus als ihr. Ich werde zuerst Kaffee für euren Vater kochen. Ihr könnt in etwa 20 Minuten zum Frühstück runterkommen. Ich weiß doch, dass ihr auf glühenden Kohlen sitzt und unbedingt so schnell wie möglich in die Ferien fahren wollt.«

»Du bist die Beste, Mama«, rief Georg dankbar.

»Das stimmt«, pflichtete Ingo bei. »Aber wir wollen Papa nicht beim Zeitunglesen stören und deshalb werden wir erst packen und danach frühstücken.«

»Eine gute Entscheidung«, sagte die Mutter. »So habe ich genügend Zeit, euch ein ordentliches Frühstück und Wegverpflegung für die Reise vorzubereiten.«

»Ingo hat nur Angst, dass er während des Frühstücks nicht die Zeitung lesen kann, weil Papa sie liest«, folgerte Lisa. »Deshalb will er warten, bis Papa fort ist.«

Ingo nickte. »Ja, das auch. Aber ich bin viel ruhiger und entspannter, sobald die Arbeit erledigt ist und unser Gepäck bereitsteht.«