Band 5 - Die geheimnisvollen Nachtvögel

Ingo Seifert bekommt ein E-Mail von Nicole aus Speyer. Das Mädchen bittet darin das IGEL-Team um Hilfe, weil sie jede Nacht kurz nach Mitternacht von Vogelgeschrei aus dem Schlaf gerissen wird.

 

Da die Kinder gerade Sommerferien haben und Enzos Tante in Speyer wohnt, planen sie zwei Wochen dort zu verbringen, um das rätselhafte Phänomen zu erforschen. Dabei stoßen sie auf ein schreckliches Geheimnis.

 

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Kuriose Nachricht

 

Die Sonnenstrahlen eines herrlich sommerlichen Nachmittags stahlen sich durchs Fenster zwischen den pinkfarbenen Vorhängen hindurch in Lisas Zimmer. Lisa lag auf ihrem Bett, hatte gerade ihr Buch beiseitegelegt, starrte auf den Zettel in ihrer Hand und sah Georg an, der ihr wenige Sekunden zuvor die Nachricht überbracht hatte. 

Lisa war 11 und ihr großer Bruder Georg war 13. Georg war wahrhaftig groß, denn er überragte seine Schwester um mehr als einen Kopf. Leute, die ihn nicht kannten, hielten ihn für einen Erwachsenen und schätzten ihn auf 19 Jahre.

Lisa blinzelte Georg an. »Wer ist das Mädchen, das dieses E-Mail geschrieben hat? Habt ihr mehr Informationen über sie?«

»Nein. Nur das, was in der Nachricht steht. Wir wissen nur, sie heißt Nicole und lebt in Speyer.« Georg blickte seine Schwester auffordernd an. Es hing nun von ihr ab, ob sie dieser Sache nachgehen würden oder nicht.

»Was denkst du, Georg? Das kann doch alles Mögliche sein, was sie nachts hört.«

»Kann es nicht«, entgegnete Georg. »Sie schreibt, es wäre ein Vogelschwarm.«

»Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.« Lisa band ihr langes blondes Haar zu einem Zopf zusammen. »Vogelgezwitscher in der Nacht halte ich für sehr unwahrscheinlich, weil die meisten Vögel nachts schlafen. Vielleicht ist es etwas anderes.«

Georg vergrub die Hände in seiner Hosentasche. »Aus diesem Grund hat sie uns dieses E-Mail geschickt. Wir sollen nachforschen, was der Grund für das Vogelgezwitscher sein könnte, das sie jede Nacht aus dem Schlaf reißt.«

Ein unternehmungslustiges Grinsen huschte über Lisas Gesicht. »Einverstanden. Ich bin dabei.«

»Klasse. Ich wusste es«, freute sich Georg. »So komm rüber und lass uns die Besprechung machen. Enzo ist auch schon da.«

»Ich bin gleich bei euch«, versprach Lisa.

Georg ging ins Zimmer nebenan, wo sein Bruder Ingo und der Nachbarsjunge Enzo auf ihn warteten. Das Zimmer war Ingos Schlafzimmer. Dort hielten sie immer ihre Besprechungen ab, wenn sie einen neuen Fall als Detektivteam bekamen. Ingo war ein Jahr jünger als Georg. Er war 12 und so alt wie Enzo.

Lisa kam zu den Jungs ins Zimmer. Ingo, Enzo und Georg hatten ein Lächeln im Gesicht und konnten ihre Vorfreude auf den neuen Auftrag nicht verbergen.

Doch Lisa blickte kritisch drein. »Es ist alles gut und schön, aber wie sollten wir diesen Auftrag ausführen? Wo sollen wir in Speyer wohnen und was sollen wir Mama und Papa sagen?«

Der etwas mollige, schwarz gelockte Enzo grinste. »Mach dir deswegen keine Sorgen. Ich habe mehrere Tanten, eine davon lebt in Speyer. Tante Sofia. Wir könnten die Sommerferien bei ihr verbringen. Damit wäre das Wohnproblem gelöst.«

»Das klingt zwar verlockend, aber glaubst du, deine Tante wird damit einverstanden sein?«, zweifelte Lisa.

»Na klar. Sie liegt mir schon eine Zeit lang in den Ohren, dass ich sie mal besuchen kommen soll«, erklärte Enzo.

»Du alleine, ja«, widersprach Lisa, »aber was sagt sie, wenn wir zu viert bei ihr antanzen? Ich denke, sie wird nicht gerade begeistert sein.«

Enzo winkte ab. »Wir Italiener umgeben uns gerne mit Menschen und wir sind sehr gastfreundlich. Das macht ihr nichts aus, glaubt mir.«

»Na, wenn das so ist, steht unserem neuen Auftrag nichts mehr im Wege«, sagte Georg feierlich.

Ingo tippte die ganze Zeit über Notizen in seinen iPad ein. »Wir müssen mit Mama und Papa reden, aber ich glaube, sie sind froh, wenn wir mal ein paar Wochen aus dem Haus sind.«

»Ich bin derselben Meinung«, stimmte Georg seinem Bruder zu. »Wenn wir bei Enzos Tante unsere Ferien verbringen, wissen sie, dass wir gut aufgehoben sind.«

»Das ist einfach genial«, freute sich Lisa. Sie setzte sich zu den Jungs aufs Bett. »Hat eigentlich jemand eine Idee, was es mit dem nächtlichen Lärm in Speyer auf sich haben könnte?«

»Leider nein«, bedauerte Ingo. »Ich habe noch nie jemanden klagen gehört wegen nächtlicher Ruhestörung, die durch Vögel verursacht wird.«

»Ja«, gab Georg ihm recht. »Das ist in der Tat sehr ungewöhnlich.«

Enzo schritt zur Zimmertür. »Ich werde schnell nach Hause gehen, meine Eltern informieren und Tante Sofia anrufen.«

»Ja, tu das, Enzo«, meinte Ingo. »Wir informieren in der Zeit unsere Eltern.«

 

Kurz danach preschten Lisa, Georg und Ingo in die Küche, wo die Mutter gerade dabei war, das Abendessen zuzubereiten.

»Hallo, Mama. Wo ist Papa?«, interessierte sich Lisa.

»Im Wohnzimmer, er schaut Nachrichten wie jeden Abend um diese Zeit«, informierte die Mutter. »Wo wollt ihr diesmal eure Ferien verbringen?«

Georg starrte die Mutter verdutzt an. »Wie kommst du darauf? Wir haben doch noch gar nichts gesagt?«

Die Mutter lächelte. »Ich habe nicht zum Essen gerufen und ihr kommt alle wie auf Kommando durch die Tür gestürmt. Wenn es nicht um eure Ferien geht, was solltet ihr sonst von mir wollen?«

»Stimmt«, gab Ingo zu. »Wir hätten die Möglichkeit unsere Sommerferien bei Enzos Tante in Speyer zu verbringen. Dürfen wir?«

Die Mutter musterte die vier Kinder eindringlich, als wenn ihre Zusage vom Aussehen abhängig wäre. »Ist die Frau denn damit einverstanden?«

Lisa nickte zaghaft. »Enzo telefoniert gerade mit ihr. Und was meinst du, dürfen wir?«

»Warum nicht? Wenn Enzos Tante damit einverstanden ist, gerne«, antwortete die Mutter und bemerkte sogleich die strahlenden Gesichter der Kinder.

Lisa hüpfte in der Küche umher. »Hurra! Danke, Mama.«

»Vielen Dank«, bedankten sich auch Georg und Ingo.

»Wann soll es denn losgehen?«, erkundigte sich die Mutter.

»Am besten gleich morgen früh«, konnte Lisa es kaum noch erwarten.

Georg lief zur Küchentür. »Kommt, Leute! Lasst uns keine Zeit verlieren und packen.«

Lisa und Ingo folgten Georg hinauf zu den Schlafzimmern. Nur wenige Sekunden danach stürmte Enzo die Treppen herauf. 

»Packen, Leute. Morgen früh kann’s losgehen«, rief er voller Freude durch den Flur, bevor er in Ingos Zimmer platzte.

»Wir kommen, Tante Sofia«, jauchzte Lisa.

»Klasse«, meinte Ingo. »Mama hat uns gerade ihr Einverständnis gegeben.«

»Tante Sofia freut sich auf uns«, teilte Enzo mit.

Schließlich packten sie ihre Koffer und Rucksäcke. Taschenlampen und Seile durften natürlich nicht fehlen. Sie stellten ihr Gepäck unten im Hausflur ab. Enzo eilte nach Hause, packte seinen Koffer, kam herüber und stellte sein Gepäck dazu.

Im selben Moment rief Frau Seifert zum Essen. Als die Kinder in die Küche kamen, saß der Vater bereits am Tisch. 

»So, ihr macht also Sommerferien in Speyer?!«, vergewisserte er sich.

»Ja, Herr Seifert. Bei meiner Tante Sofia«, antwortete Enzo.

Herr Seifert wirkte zufrieden. »Schön, dort seid ihr ja gut versorgt.«

»Die Fahrt dauert zwar lange, aber wir können mit dem Zug hinfahren.« Lisa klang mitleidserregend, was beabsichtigt war.

»Kein Problem«, sprang der Vater darauf an. »Ich werde euch hinfahren.«

»Danke, Papa. Das werden bestimmt tolle Ferien. In Speyer gibt es ein Schwimmbad, viele Seen, den Rhein und viele andere Möglichkeiten etwas zu unternehmen«, verkündete Ingo fröhlich.

Die Mutter stellte Frikadellen, Rote Bete und Bratkartoffeln auf den Tisch, dann fingen sie an zu essen. Während des Essens war es still. Nur kurz unterhielten sie sich mal über das schöne Sommerwetter. Nach dem Essen saßen die Kinder in Ingos Schlafzimmer beisammen. Alle saßen im Kreis auf dem hochflorigen, weißen Teppich und waren für die Besprechung des Falls der geheimnisvollen Nachtvögel bereit.

»Ich vermute«, fing Ingo an, »die Nachtvögel haben in der Nähe von Nicoles Haus einen Nistplatz gefunden und sich dort niedergelassen. Das erklärt aber leider nicht das nächtliche Vogelgeschrei.«

»Kann sein«, stimmte Lisa zu. »Aber genauso gut könnten die Vögel von irgendetwas aufgeschreckt werden und deshalb nachts durch die Stadt fliegen.«

»Vielleicht sind in letzter Zeit viele Insekten in der Nacht unterwegs, welche die Vögel anlocken?!«, warf Georg ein.

»Was sind das für Vögel?«, fragte Enzo.

»Nicole weiß es nicht«, stellte Ingo klar. »Sie hört immer nur jede Nacht dieses Vogelgeschrei und ist sich nicht mal sicher, ob es Vögel sind.«

»Was sollte es sonst ein? Wo kommen diese lärmenden Vögel eigentlich her?«, wollte Georg wissen.

Ingo erklärte: »Nicole meint, das Vogelgeschrei nähert sich aus der Richtung vom Reffenthal. Das ist ein Gebiet, das laut Internet am Westufer des Altrheins liegt und aus Wiesen, Feldern und kleinen Baumgruppen besteht.«

»Bedeutet das, wir müssten uns nachts dort auf die Lauer legen?«, hakte Lisa nach.

»Ja.« Ingo nickte. »Darum nehmen wir unsere Zeltausrüstung mit.«

Georg streckte sich. »Was meinst du, Enzo? Wird uns Tante Sofia eine Nacht im Zelt erlauben?«

Enzo zuckte mit den Schultern. »Das kann ich jetzt nicht mit Gewissheit sagen. Vielleicht.«

»Wir nehmen die Ausrüstung trotzdem mit«, schlug Ingo vor.

Die Kinder spielten bis spät am Abend Karten, um ihr Gedächtnis zu trainieren. Schließlich legten sie sich zu vorgerückter Stunde zu Bett und konnten den kommenden Tag kaum noch erwarten.

 

 

*****

 

Tante Sofia

 

Ingo, Georg und Lisa kamen am Morgen die Treppen herunter. Durch das Milchglas der Haustür sahen sie Enzo, der draußen stand und auf sie wartete. Sie ließen ihn herein und betraten zusammen die Küche, wo der Vater bereits am Tisch saß. 

Die Mutter stellte die Brötchen und den Kakao auf den Tisch und setzte sich zum gemeinsamen Frühstück nieder.

»Habt ihr alles eingepackt, was ihr braucht?«, hakte sie nach.

»Ja danke, Mama«, meinte Ingo.

Der Vater blätterte, während er frühstückte, schweigend in der Zeitung.

Sie frühstückten ausgiebig mit knusprigen Brötchen, Erdbeermarmelade, Himbeermarmelade, Pflaumenmus und Honig. Dazu trank Lisa heiße Milch und die Jungen tranken heiße Schokolade. Zum Abschluss trank jeder ein großes Glas kühlen Orangensaft, um Vitamine für den Tag zu tanken. Nach dem Frühstück fuhr der Vater den Wagen aus der Garage und half das Gepäck im Kofferraum zu verstauen.

Die Mutter verabschiedete die Kinder an der Haustür: »Seid brav, stellt nichts an und ärgert Enzos Tante nicht zu sehr«, scherzte sie.

Enzo lachte. »Tante Sofia wird mit Sicherheit die nächsten zwei Wochen problemlos mit uns durchhalten.«

Schließlich fuhren sie los. Ingo, Enzo und Lisa saßen auf den Rücksitzen und winkten Frau Seifert zu, als der Wagen aus der Einfahrt rollte. Georg saß vorne und trommelte nervös mit den Fingern auf seinem Knie herum. Als sie kurz darauf Bad Bergzabern verlassen hatten und auf die Autobahn kamen, sah der Vater ihn kurz an. »Was machst du mit deinem Knie? Du wirkst so nervös. Gibt es etwa einen Auftrag?«

»Was?«, reagierte Lisa entsetzt. »Wie kommst du darauf, Papa? Welchen Auftrag meinst du überhaupt?«

Der Vater grinste schief. »Als IGEL-Team!«

»Naja«, gestand Ingo. »Wir hatten da so ein E-Mail von einem Mädchen bekommen. Sie wird jede Nacht wach, weil ein Vogelschwarm an ihrem Fenster vorbeifliegt.«

Herr Seifert hob die Augenbrauen. »Das klingt eher nach Tierforschung, als nach einem kriminellen Fall.«

»Ja, du hast recht«, stimmte Georg zu, »es ist diesmal nur ein Tierforschungsauftrag ohne Diebe oder Verbrecher.«

»Dann können eure Mutter und ich also beruhigt sein?«, fragte der Vater.

»Ja, es handelt sich nur um eine Beobachtung von Nachtvögeln«, berichtete Lisa, womit sie ja auch nicht gelogen hatte, denn mehr wusste sie auch nicht.

Am Autofenster zog die Landschaft vorbei. Wiesen, Wälder und Felder erstrahlten in der Morgensonne in satten grünen Farbtönen. Durch die Lüftungsanlage strömte ein herrlich würziger Duft - mal nach Tannen und mal nach Gras. Die meisten Menschen schienen in den Morgenstunden noch zu schlafen, denn die leere Autobahn gewährte ihnen freie Fahrt.

 

***

 

Nach einer knappen Stunde waren sie am Haus von Enzos Tante angekommen. Eine kleine schwarzhaarige, etwas mollige Frau stand auf der Straße und winkte ihnen zu.

»Hallo, Tante Sofia«, grüßte Enzo und winkte der Frau zu.

Er stieg aus dem Auto aus und die Tante schloss Enzo in ihre Arme und drückte ihm schmatzende Küsse auf beide Wangen. 

Georg lugte aus dem Wagenfenster und rümpfte entsetzt die Nase. »Oje. Hoffentlich begrüßt sie uns nicht so wie Enzo«, hoffte er und stieg ebenfalls aus.

Er hatte Glück, denn Tante Sofia reichte Georg zur Begrüßung nur die Hand, was wahrscheinlich daran lag, dass Georg wie ein Erwachsener aussah. Ingo und Lisa hingegen wurden wie Enzo mit einer herzlichen Umarmung und schmatzenden Küssen begrüßt. Georg grinste die beiden deshalb schadenfroh an. Der Vater stellte sich Tante Sofia kurz vor, bedankte sich für die Einladung der Kinder und machte sich umgehend auf den Rückweg. 

Enzo stellte seine Freunde mit ausladenden Handbewegungen seiner Tante vor. »Das ist Lisa, das ist Ingo und das ist Georg. Sie sind meine besten Freunde und wir verbringen immer viel Zeit miteinander.«

Die Tante drehte sich Georg zu. »Und Sie, Greg? Werden Sie mit den Kindern hier die nächsten zwei Wochen verbringen?«, fragte sie den einen Kopf größeren Jungen.

»Georg«, korrigierte er. »Ich heiße Georg und bleibe ebenfalls in den Sommerferien hier, wenn Sie erlauben.«

»Du musst zu Georg nicht Sie sagen, Tantchen«, klärte Enzo die Tante auf. »Er ist zwar groß und breit, aber er ist nur ein Jahr älter als ich.«

Tante Sofia musterte Georg ungläubig und umfasste seinen Oberarm. »Du bist aber ein kräftiger Bursche. Ich hätte dich mindestens auf 19 Jahre geschätzt.«

Georg lachte mit stolz geschwellter Brust. »Danke, Tante Sofia. Das habe ich zwar schon oft gehört, aber es tut immer wieder gut.«

»So!« Die Tante klatschte in die Hände. »Ihr wollt doch bestimmt nicht eure Ferien auf der Straße vor dem Haus verbringen? Kommt mal rein, aber pronto.«

Die Kinder schnappten ihr Gepäck und folgten der kleinen Frau in das alte Häuschen. Sie durchquerten den Flur und liefen durchs Wohnzimmer. Die Couch war mit einer selbst gehäkelten Decke im Blumenmuster abgedeckt. Auf dem Tisch lagen Wolle und Häkelzeug, was verriet, dass Tante Sofia die Wartezeit auf die Kinder mit Häkeln überbrückt hatte. Sie folgten der Tante eine Holztreppe hinauf und durch einen engen Flur in ein großes Schlafzimmer.

Die Tante zeigte mit einer fließenden Handbewegung über das Doppelbett, das danebenstehende Klappbett und auf die danebenliegende Luftmatratze. »Hier ist mein bescheidenes Gästezimmer. Viel Platz gibt es hier für 4 Kinder nicht, aber ich hoffe, das reicht aus.«

»Ja. Danke, Tante Sofia. Das Zimmer ist herrlich«, erwiderte Lisa mit fremd klingender Stimme.

Georg war das nicht entgangen. Jeder wusste, Lisa war keineswegs mit dem Zimmer einverstanden. Sie wollte nie mit den Jungs im selben Zimmer schlafen. Auch hier würde sie keine Ausnahme machen.

»Wenn ihr ausgepackt habt, kommt bitte nach unten. Ich habe einen leckeren Marmorkuchen gebacken«, verkündete Tante Sofia.

»Marmorkuchen?«, freute sich Enzo. »Wir kommen sofort.«

Tante Sofia verließ das Zimmer. Lisa schmollte und verschränkte protestierend die Arme.

»Jetzt reiß dich zusammen und stell dich nicht so an, Lisa!«, forderte Ingo streng. »Du wirst die zwei Wochen überstehen.«

»Tut mir leid, Lisa«, entschuldigte sich Enzo. »Tante Sofia hat leider nur ein Zimmer für uns, das hätte ich dir sagen sollen. Ich hoffte eben, wir würden vor Ort eine Lösung finden. Hätte ich dir das vorher gesagt, wärst du nicht mitgekommen.«

»Da hast du allerdings recht, Enzo«, zischte Lisa. »Ich wäre niemals mitgekommen und ich finde es wirklich hinterlistig von dir, dass du mir das verschwiegen hast.«

Während die Jungs ihre Koffer auspackten, schmollte Lisa immer noch. Trotzig blickte sie durch das Fenster in den Garten.

»Hey, da unten ist ein Garten. Gehört der deiner Tante, Enzo?«, wollte sie wissen.

Enzo kam zum Fenster und lugte ebenfalls hinaus. »Ja. Tante Sofia baut hinter dem Haus Salat und Gemüse an.«

Lisas Miene erhellte sich schlagartig. »Ich wünsche euch viel Spaß in eurem Zimmer.«

»Was hast du vor?«, wunderte sich Ingo. »Du wirst doch wohl nicht abreisen wollen?«

»Keine Angst, Leute.« Lisa grinste breit. »Ich werde mein Zelt im Garten aufbauen.«

Die Jungs hörten augenblicklich mit dem Auspacken ihrer Koffer auf und starrten Lisa an.

»Das hört sich echt gut an«, war Enzo begeistert, »Ich will auch lieber im Zelt schlafen.«

»He, das ist eine tolle Idee«, schloss sich Ingo an. »Nichts geht über die freie Natur. Ich will auch im Garten zelten.«

»Ihr könnt mich doch hier nicht alleine lassen«, scherzte Georg. »Ich werde euch vor wilden Tieren beschützen und bin selbstverständlich dabei!«

»Lasst uns unsere Sachen auspacken«, meinte Ingo. »Danach werden wir Kuchen essen und Tante Sofia fragen, ob wir unsere Zelte in ihrem Garten überhaupt aufbauen dürfen.«

Lisa rieb sich die Hände. »Ich freue mich richtig darauf. Das werden tolle Sommerferien.«

»Ich freue mich auch. Das ist ein richtiges Abenteuer«, fügte Enzo freudig hinzu.